Umschau-Quicktipp Trinkgeld: Wo Sie es geben können und wo besser nicht

Schon im Mittelalter gab man Trink- oder Trunkgeld für besonders zufriedenstellende Serviceleistungen. Der Empfänger sollte sich für das Extrageld einen guten Trunk gönnen, auf das Wohl des Spenders. Auch wenn sich der Verwendungszweck in der Regel geändert hat, in Serviceleistungsbranchen, wie Friseur-, Gastronomie-, Hotel- und Reisegewerbe, aber auch bei Liefer- und Zustellerdiensten, ist Trinkgeld heute nach wie vor ein wichtiges und gern gesehenes Zubrot der Angestellten.

Trinkgeld ist kein Muss

Ein Kellner serviert Speisen
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Egal in welcher Branche Sie eine Leistung bezahlen, niemand kann Trinkgeld von Ihnen verlangen. Das liegt einfach daran, dass Arbeitgeber Ihre Angestellten auf jeden Fall mit dem gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn bezahlen müssen. Trinkgeld ist also ein zusätzlich zum Lohn gezahlter freiwilliger Betrag, in der Regel fünf bis zehn Prozent der Rechnung. Sind Sie mit dem Service einer Leistung, also Freundlichkeit, Pünktlichkeit, Information und ähnliche Dinge, nicht zufrieden, dann können Sie auf ein Trinkgeld verzichten und müssen sich dafür nicht rechtfertigen.

Wer darf Trinkgeld nehmen und wer nicht?

In nahezu allen Dienstleistungsberufen ist es üblich, fünf bis zehn Prozent auf eine Rechnung aufzuschlagen oder eine Rechnung aufzurunden. In der Regel wird das Trinkgeld pro erbrachter Leistung bezahlt. Bei regelmäßigen Serviceleistungen, wie Zeitungsaustragen, können Sie dem Dienstleistenden auch einmal jährlich oder zu besonderen Feiertagen ein Trinkgeld zahlen. Allerdings dürfen Dienstleister wie Postboten, Paketzusteller oder Angestellte von Kommunen und öffentlichem Dienst nur in sehr begrenztem Maß Trinkgeld annehmen. Stadtwerke und Behörden regeln das sehr unterschiedlich: Manchmal sind Geld- oder Sachgeschenke bis zu zehn Euro erlaubt, manchmal dürfen es bis zu 30 Euro sein. Wichtig: Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass der Angestellte Sie wegen des Trinkgeldes besser oder schneller behandelt als andere. Fragen Sie besser konkret nach. Postbote, Müllmann oder auch die nette Dame vom Ordnungsamt könnten sonst Probleme bis hin zur Kündigung bekommen.

Wer bekommt gesammeltes Trinkgeld?

Im Normalfall übergeben Sie Trinkgeld persönlich. In vielen Einrichtungen wird das Geld aber auch gesammelt und dann nach einem speziellen Schlüssel an alle Angestellten verteilt. Darauf haben Sie keinen Einfluss. Das wird firmenintern geregelt, die Mitarbeiter müssen dem aber zustimmen. Das heißt, der Chef kann Trinkgeld nicht einfach einsammeln und dann irgendwie verteilen. Oft wird das im Arbeitsvertrag geregelt.

Soviel ist in Deutschland üblich

Wollen Sie für eine gute Leistung Trinkgeld zahlen, sind Sie mit zehn Prozent der Rechnungssumme fast immer auf der richtigen Seite. Das gilt vor allem für Taxi und Restaurant. Wird die Rechnungssumme dreistellig, dann können Sie das Trinkgeld auch entsprechend reduzieren. Beim Friseur empfiehlt sich, bei aufwändigen Leistungen gut einen Euro pro Arbeitsgang zahlen. Bis zu fünf Euro reichen da aus. Für einzelne Arbeitsschritte wie Koffertragen, Garderobeannehmen oder auch Pizzaliefern können Sie ein bis zwei Euro extra zahlen. Für harte Jobs, wie Möbeltragen oder Waschmaschinen- und Klavierliefern, sind mindestens fünf Euro angemessen. Am besten zahlen Sie Trinkgelder immer bar, per Kreditkarte geht aber auch. Hier werden allerdings Gebühren für den Dienstleister fällig, und die werden dann eben auch mit aufs Trinkgeld angerechnet. Somit bleibt für die Angestellten am Ende weniger.     

Trinkgeld von der Steuer absetzen

Immer dann, wenn Ihre Ausgabe geschäftlich bedingt ist, also zum Beispiel ein Essen mit Geschäftspartnern oder eine berufliche Taxifahrt, können Sie das gegebene Trinkgeld von der Steuer absetzen. Wichtig: Die Höhe des Trinkgeldes muss auf der Rechnung vermerkt werden. Das gilt für Selbstständige und Angestellte. Allerdings müssen Sie eine Erlaubnis vom Chef für das Geschäftsessen haben. Einladungen und Trinkgeld auf eigene Faust könnte der Chef Ihnen in Rechnung stellen. Erkundigen Sie sich also besser bei ihm und /oder einem Steuerberater.

Geldscheine und Münzen auf einem Steuerbescheid
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Wer Trinkgeld bekommt, muss darauf in der Regel Steuern bezahlen, auch dann, wenn er/sie das Geld direkt bekommt. Dazu Ralf Reichertz von der Verbraucherzentrale Thüringen: "Das ist ja eine Art Zusatzlohn. Und er muss bei der Steuer angegeben werden. Das gilt neben dem Gastgewerbe zum Beispiel auch für Taxifahrer und Friseure."  

Trinkgeld weltweit

In den USA sind Trinkgelder fester Bestandteil des Einkommens der Servicekräfte, deswegen wird hier in der Regel fest mit bis zu 20 Prozent gerechnet. Für Zimmer- und Gepäckservice sind ein bis zwei Euro pro Leistung ausreichend. Gleiches gilt für Taxifahrten. In Großbritannien und Irland ist Trinkgeld im Restaurant üblich, nicht aber im Pub. Im Taxi empfiehlt es sich, die Rechnung auf volle Pfund aufzurunden. In Japan und China werden Trinkgelder als Beleidigung empfunden. Hier ist man auf bestmöglichen Service für den "normalen" Preis stolz. In großen Touristenzentren setzt sich das Trinkgeld aber immer mehr durch.

"In manchen Ländern, gerade in Afrika, leben aber die Servicekräfte fast ausschließlich vom Trinkgeld, die bekommen quasi keinen anderen Lohn. Dort sind die Leute also regelrecht auf Ihre Gabe angewiesen", so Ralf Reicherzt. Fragen Sie im Zweifel am besten beim Reiseveranstalter nach, wie das Trinkgeld im Urlaubsland gehandhabt wird.

Sonderfälle Kreuzfahrt und All-inclusive-Urlaub

Kreuzfahrtschiff AIDAluna im Hamburger Hafen
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Auf vielen Kreuzfahrtschiffen und bei manchen All-inclusive-Reisen wird wie selbstverständlich ein Tagestrinkgeld von rund zehn Euro pro Passagier vom sogenannten Bord- oder Hotelkonto abgezogen. Mehrere deutsche Gerichte haben geurteilt: Das ist nicht rechtens. Selbst, wenn die Veranstalter in den Reiseunterlagen darauf hinweisen, dass der Urlauber sein Trinkgeld an einer Rezeption niedriger oder höher berechnen oder ganz streichen lassen kann. Auch auf Kreuzfahrtschiffen dürfen Trinkgelder nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Urlaubers eingezogen werden. Ein Hinweis in den Reiseunterlagen reicht also nicht. Für Sie als Urlauber bedeutet das: Gleich bei der Buchung oder spätestens am ersten Reisetag für klare Verhältnisse zu sorgen. Trinkgeld können Sie individuell trotzdem geben, persönlich oder in eine Gemeinschaftskasse.

Fazit

Trinkgeld ist immer eine freiwillige Leistung. Niemand darf von Ihnen eine solche Extrazahlung verlangen. Aber: Trinkgeld wird weltweit höchst unterschiedlich gehandhabt. In Europa und großen Teilen Afrikas und Amerikas sind Sie mit Gaben zwischen zehn und 15 Prozent der eigentlichen Rechnungssumme oder auch einem bis zwei Euro für Leistungen wie Gepäcktransport oder Zimmerservice gut dabei. In den USA sind Servicekräfte auf Trinkgeld als fester Bestandteil des Lohnes angewiesen. In manchen Regionen Asiens, besonders in Japan und China, gilt Trinkgeld hingegen als Beleidigung. In Deutschland dürfen Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes und von Kommunen in der Regel nur Trinkgeld oder Geschenke im Wert von bis zu 30 Euro entgegennehmen.   

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP bei der Arbeit | 02. Oktober 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Oktober 2019, 00:10 Uhr