Symbolbild mit Spielfiguren und Geldmünzen: Rente mit 63
Bildrechte: imago/Christian Ohde

So klappt die Frührente Rente mit 63 – ohne finanzielle Einbußen in den Ruhestand?

Möglichst früh in Rente gehen, ganz ohne Abschläge. Das geht mit der Rente 63. Welche Voraussetzungen für die Frührente nötig sind und welche Risiken ein früher Rentenbeginn birgt, erklärt Experte Hermann-Josef Tenhagen.

Symbolbild mit Spielfiguren und Geldmünzen: Rente mit 63
Bildrechte: imago/Christian Ohde

Die Rente mit 63 ist eine de facto Rentenerhöhung für langjährig Beschäftigte. Denn wer früher in Rente gehen will als vorgesehen, muss normalerweise mit Abzügen von seiner Rente rechnen. Für jeden Monat früher werden sonst 0,3 Prozent von der Rente abgezogen. Von 1.000 Euro Rente bleiben also ohne Sonderregelung nur 928 Euro übrig, wenn man zwei Jahre früher geht.

Sonderregelung – nach 45 Jahren Arbeit

Die Sonderregelung Rente mit 63 setzt voraus, dass man 45 Jahre gearbeitet hat. Die Rentenversicherung zählt dabei auch Zeiten der Kindererziehung, der Pflege, der Arbeitslosigkeit und Ausbildungszeiten mit. Wer die 45 Jahre Anrechnungszeiten zusammenbringt, bekäme die 72 Euro aus dem Beispiel nicht abgezogen.

Um mit 63 ohne Abzüge in Rente gehen zu können, muss man also in der Regel schon mit 18 oder früher angefangen haben zu arbeiten. Die Regelung zielt damit vor allem auf Arbeitnehmer in gewerblichen Berufen oder aus dem Handwerk. 

Modellfiguren vor einem Maßband
Bildrechte: IMAGO

Ganz ohne wirtschaftliche Folgen bleibt aber auch die Rente mit 63 nicht. Wer nämlich in seinem Beruf bis 65 oder 66 durchgearbeitet hätte, hätte in den zwei Jahren Rentenansprüche erworben. Bei durchschnittlichem Verdienst wären das gut 60 Euro Rente zusätzlich gewesen. Um in unserem Ausgangsbeispiel zu bleiben: Aus 1.000 Euro Rente wären 1.060 Euro Rente geworden.

Festlegung der Besteuerung

In dem Jahr, in dem man in Ruhestand geht, wird festgelegt, wie hoch der Anteil der Rente ist, der lebenslang steuerfrei bleibt. Im Jahr 2019 sind das 22 Prozent. Im Jahr 2021 wären das noch 19 Prozent.

Im Beispiel gerechnet

Wer 2021 zu seiner Regelaltersgrenze regulär in den Ruhestand ginge, erhielte 19 Prozent seiner Rente steuerfrei. Das wären in dem Fall 201,40 Euro, jeden Monat bis zum Lebensende.

Wer 2019 die Sonderregelung Rente mit 63 nutzen kann, hätte noch 22 Prozent von 1.000 Euro steuerfrei, also 220 Euro jeden Monat bis zum Lebensende.

Und wer mit Abzügen 2019 in Rente geht, bekäme 204,16 Euro Rente steuerfrei ausgezahlt.

Ist die Differenz wichtig?

Wer nur diese gesetzliche Rente bezieht, wird bei der Rentenhöhe ohnehin erstmal keine Steuern zahlen müssen. Und in späteren Jahren abhängig von der eigenen Steuererklärung und den Abzügen, die man geltend machen kann, sehr wenig. Es lohnt also in dem Fall nicht, dort genau hinzuschauen und mehr auf die zusätzliche Rente zu setzen.

Rente aufstocken

Die könnte man sogar mit einem Trick über zusätzliche Einzahlungen noch aufstocken, das lohnt sich meist mehr als Einzahlungen in eine private Altersvorsorge. Freiwillig einzahlen. Ein künftig wohlbestallter Rentner/eine Rentnerin mit dann 2.000 Euro Rente im Basisfall, bekäme fürs Weiterarbeiten bis 2021 vermutlich 120 Euro im Monat mehr und verlöre bei einer vorzeitigen Rente mit Abzügen 144 Euro und bekäme nur 1856 Euro.

Steuerfrei wären 440 Euro im Basisfall, 402,80 Euro beim Durcharbeiten und 408,32 Euro bei vorzeitigen Ruhestand mit Abzügen. Für die Beträge wären sonst wahrscheinlich rund 25 Prozent Steuern, also 88 Euro, 80,70 Euro oder 82,08 Euro Steuern zusätzlich fällig. Immer vorausgesetzt, es gibt nicht noch andere Alterseinkünfte, dann könnte der Steuersatz noch höher sein.

Das Steuerargument

Steuern wären aber auch für die Hälfte der Rente überhaupt fällig. Von den 120 Euro zusätzlich bleiben also nur 90 Euro zusätzlich, und die 144 Euro weniger wären eigentlich nur rund 110 Euro weniger. Das Steuerargument sollte mindestens mal angesehen werden.

Noch gar nicht betrachtet haben wir die Frage, wie alt man als Rentner eigentlich wird. Zwei Jahre später in den Ruhestand gehen, bedeutet ja auch zwei Jahre weniger Rente kassieren. In unserem Basisfall 24.000 Euro weniger. Dafür muss man bei allen Rentensteigerungen wahrscheinlich mindestens 20 Jahre lange Rente beziehen, um das auszugleichen. Die Rente mit 63 bleibt eine Rentenerhöhung und eine schöne Option, für alle, die das Anrecht darauf haben.

Dieses Thema im Programm: MDR um 4 | 07. Mai 2019 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Mai 2019, 11:06 Uhr