Steuererklärung Wie Rentner Steuern sparen können

Rund 1.500 Euro Einnahmen sind für Rentner steuerfrei. Aber jedes Jahr steigt die Anzahl der steuerpflichtigen Senioren. Wer Steuern zahlen muss und welche Ausgaben auch für Ruheständler absetzbar sind, erklärt Finanzexperte Hermann-Josef Tenhagen.

Auf einem Formular der Anlage R stehen Rentnerfiguren
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So bleibt mehr von der Rente übrig

Rentnerinnen und Rentner sind aktuell in einer besonderen Situation. Zwar sind sie durch das Corona-Virus in ihrer Gesundheit besonders bedroht, finanziell aber hat die Mehrheit der Rentnerinnen und Rentner aktuell viel weniger Sorgen als die meisten Menschen in Deutschland. Ihr Einkommen fließt weiter, im Sommer wird die gesetzliche Rente sogar nochmal um 4,2 Prozent im Osten und 3,45 Prozent im Westen steigen.

Weil es finanziell vielen besser geht, müssen immer mehr Rentnerinnen und Rentner inzwischen auch Steuern zahlen. Fünf Millionen der über 20 Millionen Rentner und Pensionäre müssen eine Steuererklärung abgeben, viele von ihnen müssen am Ende auch zahlen.

Wer die Steuern so niedrig wie möglich halten will, dem helfen folgende Hinweise, Tipps und Kniffe:

1. Wichtig! Leider ist nur ein Teil der Rente steuerfrei

Gesetzliche Renten gehören zu den "sonstigen Einkünften" und sind seit 2005 grundsätzlich zu versteuern. Allerdings zählt nur ein Teil der Rente für die Steuer. Die Höhe hängt davon ab, wann Sie erstmals Rente erhalten haben. Bei einem Rentenbeginn bis 2005 müssen Sie nur die Hälfte Ihrer damals ausgerechneten Rente versteuern. Lag die Rente damals bei 1500 Euro im Monat, waren 750 Euro steuerfrei. Heute liegt diese Rente vielleicht bei 2.000 Euro. Steuerfrei sind aber immer noch nur 750 Euro. Weil also die Rente seither deutlich gestiegen ist, müssen auch ältere Rentner häufig eine Steuererklärung abgeben, die über ein Jahrzehnt oder länger mit dem Finanzamt nichts zu tun hatten.

Hinzu kommt, seit 2005 steigt der zu versteuernde Anteil der Rente mit jedem neuen Rentnerjahrgang um 2 Prozentpunkte, sodass Sie bei einem Rentenbeginn im Jahr 2020 schon 80 Prozent der dann ausgezahlten Rente versteuern müssen. Von 1500 Euro monatlicher Rente wären das 1.200 Euro, nur noch 300 Euro bleiben steuerfrei.

2. Liegt die Rente hoch genug, müssen Sie auf jeden Fall eine Steuererklärung abgeben, Steuern zahlen müssen Sie nicht unbedingt

Sie liegen mit dem zu versteuernden Teil ihrer Rentner über dem jährlichen Grundfreibetrag von 9.168 Euro für 2019 und 9.408 für 2020, dann müssen sie eine Steuererklärung abgeben – das heißt das klassische Steuerformular und dann die Anlage R. Eine Pension gehört in die Anlage N. Am einfachsten erledigen Sie eine solche Steuererklärung mit einer Steuersoftware. Von einigen Programmen gibt es sogar eine spezielle Version für Rentner und Pensionäre.

Für Rentnerinnen und Rentner in Brandenburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen gibt es dazu noch ein Bonbon. Für sie gibt es ein einfach auszufüllendes amtliches Steuerformular, in dem Sie alle großen Brocken für die Steuerersparnis eintragen können (haushaltsnahe Dienstleistungen, Handwerkerkosten, Krankheitskosten als außergewöhnliche Belastungen, Kirchensteuer und Ihre Spenden als Sonderausgaben) und dann möglicherweise gar keine Steuern zahlen müssen.

3. Abzugsmöglichkeiten für Rentner

Seniorenpaar und Euros
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Wer nicht in diesen Bundesländern lebt, oder keine so einfache Steuererklärung machen kann, weil er vielleicht noch eine Betriebsrente oder eine vermietete Eigentumswohnung oder ein paar verpachtete Hektar Ackerland hat, der muss in jedem Fall selbst eine Erklärung erarbeiten. Entweder mit der Steuersoftware (s.o.), oder auf Papier, oder mit einem Steuerberater. Lohnsteuerhilfevereine sind auch eine Möglichkeit, aber nur wenn Sie keine signifikanten Einkünfte neben der gesetzlichen Rente haben.

Im Folgenden finden Sie detaillierte Hinweise, was sie von der zu versteuernden Rente abziehen können:

  • Als Rentner haben Sie die Möglichkeiten, die Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge als Vorsorgeaufwendungen abzuziehen.

  • Sie können Pflege- und Krankheitskosten von Arztrechnungen bis zu Zahnkronen bei den außergewöhnlichen Belastungen angeben und damit Steuern sparen, wenn die Belastung hoch genug ist.

  • Sie können bis zu 6.000 Euro Handwerkerkosten (Lohnkosten und Fahrkosten des Handwerkers) angeben, wenn der Handwerker in ihrem Haushalt gearbeitet hat. Sogar Handwerkskosten, die zu Ihren Mietnebenkosten gehören können Sie so angeben (Schornsteinfeger, Winterdienst, Heizungswartung, Legionellenprüfung etc.).

  • Sie können bis zu 20.000 Euro Kosten bei der Steuer angeben, die Sie für Lohn- und Fahrkosten bei haushaltsnahen Dienstleistungen ausgegeben haben. Die Liste ist lang und fängt beim Abwasch an, den die Nachbarin immer macht (gegen Rechnung und mit Überweisung), geht beim Gassigehen mit Ihrem Hund weiter und hört beim Zaunstreichen auf, das der Nachbarjunge in diesem Jahr für Sie übernimmt (immer gegen Rechnung und mit Überweisung).

  • Absetzen können Sie auch die Kirchensteuer, Gewerkschaftsbeiträge, Spenden an wohltätige oder gemeinnützige Organisationen und noch mal extra gefördert Parteispenden.

4. Noch mal Glück gehabt: Nichtveranlagungs-Bescheinigung

Sind Ihre gesamten steuerpflichtigen Einkünfte voraussichtlich so niedrig, dass sie den Grundfreibetrag nicht übersteigen, können Sie beim Finanzamt eine Nichtveranlagungs-Bescheinigung beantragen. Das können Sie auch bei höheren Einkünften erreichen, wenn die Kosten, die Sie abziehen können, auch in Zukunft in ähnlicher Höhe bleiben sollten.

Die Bescheinigung gilt drei Jahre lang. Legen Sie die Bescheinigung Ihrer Bank vor, dann behält sie keine Abgeltungssteuer ein, selbst wenn Ihre Kapitaleinnahmen über dem Sparerpauschbetrag von 801 Euro liegen.

Bei der Steuererklärung müssen Sie heute nicht mehr viel Papier abgeben. In Zeiten von Corona geht das Gott sei Dank quasi kontaktlos. Sie sollten aber alle Belege, die Sie brauchen, um dem Finanzamt Ihre Erklärung plausibel zu machen, gut aufheben. Elektronische Steuererklärungen können Sie ja ohnehin direkt über das Netz ans Finanzamt schicken. Die werden dort dann sogar schneller und zumeist auch mit weniger Fehlern bearbeitet. Viele Tipp- und Übertragungsfehler fallen eben nicht mehr an.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 07. April 2020 | 17:00 Uhr