Ein Modell mit einem auf einer Bank sitzenden Rentnerpaar steht auf der Anlage für Renteneinkünfte zur Steuererklärung.
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Altersvorsorge Steuern sparen: So bleibt mehr von der Rente übrig

Wer Rente bekommt, kann auch steuerpflichtig werden. Wenn dazu noch Einnahmen aus Riester- oder Betriebsrenten kommen, liegt so mancher Senior schnell über dem Grundfreibetrag. Warum das so ist und wie auch Ruheständler ihre Abgabenlast reduzieren können, erklärt Finanzexperte Hermann-Josef Tenhagen.

Ein Modell mit einem auf einer Bank sitzenden Rentnerpaar steht auf der Anlage für Renteneinkünfte zur Steuererklärung.
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Sind Rentner die Steuerverlierer der Nation?

Wer während des Erwerbslebens gut für das Alter vorsorgt, zahlt im Alter Steuern. Ungerecht, nicht wahr? Vielleicht doch nicht ganz, denn auch im Alter nutzen wir ja die staatliche Infrastruktur. Und wer clever vorgesorgt, hat im Berufsleben eine Menge Steuern gespart, gerade weil er oder sie das Geld fürs Alter zurückgelegt hat. Denn das wird wiederum staatlich gefördert.

Der Reihe nach: Der wichtigste Teil der Altersvorsorge ist für die meisten Rentner, gerade auch in Mitteldeutschland, die gesetzliche Rente. In die zahlen Sie als Arbeitnehmer Monat für Monat ein, und die Rentner bekommen Monat für Monat direkt von diesem Geld ihre Rente. Umlageprinzip nennt man das.

Eine Seniorin haelt Geldscheine in ihrer Hand.
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Um die Jahrtausendwende waren Union und SPD zu dem Schluss gekommen, dass man wegen sinkender Geburtenzahlen dafür sorgen muss, dass dieses System im 21. Jahrhundert finanziell nicht aus dem Ruder läuft. Die Idee war, man belohnt Arbeitnehmer für ihre Einzahlung in die Rente. Das geht folgendermaßen: Der Staat verzichtet auf Steuern für das in die Rente eingezahlte Geld. Dafür wird die monatliche Rente später immer stärker besteuert. Das lässt sich immer noch als Geschäft verkaufen, weil der Steuersatz natürlich im Erwerbsleben viel höher ist, als in der Rente. Jedenfalls normalerweise.

Neben der umlagefinanzierten gesetzlichen Rente haben unsere Abgeordneten in den vergangenen Jahrzehnten ein Modell kapitalbasierter Altersvorsorge etabliert. Sparer zahlen fürs Alter ein, Versicherer, Banken und Fondsgesellschaft sollen dieses Geld mehren und verdienen ausgezeichnet daran. Der Staat fördert solches Sparen mit Prämien – und Steuervorteilen. Und wieder kommt das gleiche Prinzip zum Tragen. Auch bei der Riester- und der Betriebsrente und bei der Rürup- oder Basisrente sind Einzahlungen (weitgehend) steuerfrei. Hier wird das Ersparte Jahrzehnte später als Rente ausgezahlt. Und diese Auszahlung des Ersparten wird dann besteuert.

Besteuerung der Rente: Was Sie wissen sollten

Im Ergebnis zahlen fast fünf Millionen Rentner inzwischen Steuern. Doch wer Steuern zahlen muss, kann womöglich auch als Rentner noch Steuern sparen. Diese vier Punkte sollten Sie über die Versteuerung Ihrer Rente wissen:

Was es bei der gesetzlichen Rente zu beachten gibt

Gesetzliche Renten müssen nur zum Teil versteuert werden. Die Höhe hängt davon ab, wann Sie erstmals Rente erhalten haben. Bei einem Rentenbeginn bis 2005 müssen Sie nur die Summe versteuern, die damals die Hälfte Ihrer Jahresrente ausmachte. Für Rentner, die danach in Rente gegangen sind, steigt der Anteil mit jedem Rentnerjahrgang um 2 Prozentpunkte, so dass bei einem Rentenbeginn 2019 schon 78 Prozent ihrer ersten Jahresrente zu versteuern sind. Wenn die Rente (durch eine Renten-Erhöhung) dann steigt, bleibt die steuerfreie Summe gleich, der Teil Rente den sie versteuern müssen, steigt also. Auch für Rentner gilt der Grundfreibetrag, das ist das steuerfreie Existenzminimum. Für 2018 betrug es 9.000 Euro, 2019 steigt es auf 9.168 Euro.

Immer mehr Rentner müssen Steuern zahlen

Seniorenpaar und Euros
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Wenn Ihre Rente steigt, können Sie steuerpflichtig werden, obwohl Sie als Rentner 15 Jahre lang keine Steuern gezahlt haben. Dazu können auch eine steigende Betriebsrente oder künftig auch Riester-Renten beitragen. Das kann auch 2019 passieren. Denn im Juli sind die Renten in Westdeutschland um 3,2 Prozent und in Ostdeutschland um 3,9 Prozent gestiegen. Allein dadurch werden knapp 50.000 weitere Rentner steuerpflichtig. Ihre Steuererklärung erledigen Sie auch als Rentner am einfachsten mit einer Steuersoftware. Das gemeinnützige Magazin Finanztip empfiehlt eine Reihe von Programmen. Beim Programm Steuersparerklärung gibt es sogar eine spezielle Version für Rentner und Pensionäre. Aber auch das ELSTER-Portal wird immer einfacher zu bedienen.

Keine Ausnahmen bei Riester- und Betriebsrenten

Riester- und Betriebsrenten müssen komplett versteuert werden. Es gilt dann der Steuersatz, der sich bei jedem einzelnen Rentner ergibt. Sind Sie als Rentner einmal in dem Bereich, in dem Sie möglicherweise Steuern zahlen müssen, haben Sie bei der Vorsorge viel richtig gemacht. Sie werden kein ganz armer Rentner werden. Sie sollten dann aber auch alle Register ziehen, um die zu zahlenden Steuern möglichst niedrig zu halten.

So können Riester-Sparer profitieren

Für die Auszahlung von Riester-Renten gibt es einen besonderen Kniff, den Sie beachten sollten, um nicht zu viel Steuern auf Ihr Erspartes zahlen zu müssen. Neben einer lebenslangen Rente haben Riester-Sparer zwei andere Möglichkeiten. Sie können sich entweder 30 Prozent der Sparsumme direkt auszahlen lassen oder, falls Ihr Riester-Konto klein ist, sogar die ganze Summe auf einmal ("Abfindung").

Viele Riester-Sparer wählen eine dieser beiden Varianten. Aber beide Varianten erhöhen Ihr zu versteuerndes Einkommen im Jahr der Auszahlung. Bitten Sie Ihren Riester-Anbieter daher unbedingt, mit der Riester-Rente erst im Kalenderjahr nach dem Eintritt in die gesetzlichen Rente zu beginnen. Dann sparen Sie am meisten Steuern.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 05. November 2019 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. November 2019, 09:20 Uhr