Eine Hand dreht am Thermostat einer Heizung
Bildrechte: Colourbox.de

Beginn der Heizperiode Wie Sie jetzt richtig heizen und Geld sparen

Der erste Frost war schon da. Jetzt im Herbst kommt die Heizung wieder zum Einsatz. Wie Verbraucher in der Heizperiode Geld sparen, ohne kalte Füße zu kriegen, erklärt Experte Hermann-Josef Tenhagen im Interview.

Eine Hand dreht am Thermostat einer Heizung
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920 Euro pro Jahr gibt eine Familie im Durchschnitt in Deutschland aus. Heizung und Warmwasser verursachen den größten Anteil in den Nebenkosten. Doch es gibt sinnvolle Tipps, um die Kosten im Zaum zu halten. Finanzexperte Hermann-Josef Tenhagen erklärt im Interview, was Verbraucher tun können.

Wie kann ich sparen, ohne groß Geld zu investieren und trotzdem nicht in den eigenen vier Wänden frieren?

Hermann-Josef Tenhagen: Wenn ich selber die Gas-Etagenheizung habe, kann ich Preise vergleichen und den Anbieter wechseln. Bei einer Familie sind da schnell 400 bis 500 Euro drin. Bei einer Ölheizung bitte mindestens 3.000 Litern bestellen und das auch sechs Wochen im Voraus. Das ist die günstigste Variante. Da kann man bei 3.000 Litern auch 500 bis 700 Euro sparen.

Und wenn ich die Heizung nicht selbst habe?

Das Einfachste ist zu gucken, ob die Fenster dicht sind und da eventuell mit Abdichtband nachzuhelfen. Lassen Sie Ihre Fenster nicht längere Zeit gekippt, sondern lüften Sie lieber stoßweise. Überprüfen Sie, dass an jedem Heizkörper ein vernünftiges Thermostat ist – das sorgt dafür, dass man nicht unnütz Energie verschwendet. Dann kann man über Dämmung nachdenken. Wenn ich ein Haus habe und das oben einen Dachboden hat und sonst nichts, kann ich den Dämmen. Das kostet so gut wie Nichts, macht aber eine Menge aus.

Welche Investitionen kosten mich etwas mehr, lohnen sich aber?

Es gibt ja häufig das Phänomen: Man dreht einen Heizkörper auf und im ersten Stock wird der Heizkörper einfach nicht warm. Man hat schon so oft Luft abgelassen und es wird immer noch nicht warm. Da muss man die Hydraulik nachstellen lassen, die für die gleichmäßige Wärmeverteilung sorgt. Das kostet so 500 Euro.

Was man noch anfassen sollte ist die Umwälzpumpe, wenn man eine alte hat. Die kostet gar keine Heizenergie sondern Strom. Richtig viel Strom. Und mit einem effizienten Modell kann man 70 bis 80 Prozent davon einsparen. Und da kriegt man auch die 400 bis 500 Euro für die Pumpe wieder raus. Nach sieben oder acht Jahren. Das zweite ist der Brenner von der Ölheizung. Auch da sollte man gucken, dass man ein neueres Modell benutzt, dass deutlich weniger Energie verbraucht.

Bevor man sowas angeht, sollte man sich übrigens bei der Verbraucherzentrale einen Heizkostenspezialisten nach Hause bestellen. Das kostet nicht viel, in der Regel 30 Euro. Der geht dann einmal durch und sagt genau: "Da haben Sie ein Problem. Da haben Sie ein Problem. Und das hier – das rechnet sich. Das haben Sie nächstes Jahr schon wieder raus."

Wann wäre ein guter Zeitpunkt, größere Investitionen anzugehen?

Über manche Dinge sollte man nachdenken und erstmal gucken, was die Bundesregierung wirklich als Klimapaket beschließt. Wenn man zum Beispiel demnächst 40 Prozent der Kosten erstattet bekommt, wenn man seinen alten Brenner von der Ölheizung rausschmeißt, dann kann man das auch abwarten und die 40 Prozent Förderung mitnehmen.

Fünf einfache Tipps, wie Sie Heizsünden vermeiden

Wohlfühltemperatur leicht senken

Ein Grad weniger bei der Raumtemperatur merkt man kaum, das bringt im Schnitt aber schon rund sechs Prozent weniger bei den Heizkosten. Bei drei Grad weniger verringern sich diese Ausgaben sogar schon um fast ein Fünftel. Aufs Jahr gerechnet sind das bei einer Fünfzigquadratmeter-Wohnung fast 120 Euro weniger, die man bei den Nebenkosten bezahlen muss. Für den Hinterkopf: Ein Grad bei der Temperatur entspricht in der Regel einem Punkt oder Strich auf dem Heizventil.

Nicht auskühlen lassen

Die Heizung abdrehen ist verlockend. Man sollte aber nachts oder wenn man unterwegs ist, die Heizkörper nicht komplett abdrehen. Wände, Decke und Fußböden kühlen dann zu stark aus und müssen mit viel Heiz-Energie wieder angewärmt werden. Hier sagen Energieberater: Man sollte die Temperatur um maximal fünf Grad absenken. Das entspricht einer der fünf Stufen auf dem Heizventil.

Nachheizen lassen

Wände und Fußboden speichern Wärme: Diesen Effekt kann man ähnlich wie beim Kochen gut für sich nutzen und die Heizung bereits eine halbe oder ganze Stunde vor dem Schlafengehen runterdrehen. Andererseits heißt das: Man müsste morgens schon eine halbe Stunde eher die Heizung andrehen, um dann beim Aufstehen die übliche Wohlfühltemperatur zu haben. Verschärft gesagt bedeutet das Ganze: Wer morgens nur eine halbe Stunde zu Hause verbringt, muss die Heizung gar nicht erst andrehen.

Einzelkämpfer bringen es nicht

Mit einem Heizkörper die ganze Wohnung heizen, damit man die anderen nicht anmachen muss: Mit dieser Methode spart man leider nichts. Im Gegenteil: Der Hauskessel muss dann unter Umständen mehr Wärme an die einzelnen Heizkörper liefern – und das kostet dann extra.

Richtig lüften

Rund elf Liter Feuchtigkeit fallen in einem durchschnittlichen Drei-Personen-Haushalt pro Tag an und die müssen raus. Am besten per "Stoßlüftung", zweimal pro Tag fünf Minuten lang mehrere Fenster gleichzeitig öffnen. Damit entweicht die verbrauchte Luft, die Wärme in Wänden und Möbeln bleibt aber erhalten. Ganz wichtig: Während des Lüftens die Heizung ausschalten. Ansonsten fährt das Thermostat durch die kalte Luft auf maximale Leistung. Dauerhaft angekippte Fenster transportieren zwar die feuchte Luft ab, lassen aber auf Dauer aber Fußböden, Wänden, Decken und Möbel auskühlen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 08. Oktober 2019 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Oktober 2019, 12:40 Uhr