Seniorenpaar und Euros
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Altersvorsorge Für wen sich die Riester-Rente lohnen kann

Die Riester-Rente ist inzwischen ein Klassiker der Altersvorsorge. Millionen Verträge werden fleißig angespart. Doch wann und wie sollte das Geld am besten ausgezahlt werden? Steuern und Lebenszeit sind wichtige Kriterien. Und auch, ob sich lohnt, weiter in die Riester-Verträge einzuzahlen, ist in der Diskussion. Worauf Sparer achten sollten, erklärt Finanzexperte Hermann-Josef Tenhagen.

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Für wen kommt Riestern infrage?

Wer heute noch nicht privat fürs Alter vorsorgt, sollte den Abschluss eines Riester-Vertrags prüfen. Denn die Riester-Rente oder eine betriebliche Altersvorsorge sind die beiden am besten geförderten Möglichkeiten, zusätzlich fürs Alter vorzusorgen. Und für Familien mit Kindern und Arbeitnehmer, die häufiger den Arbeitgeber wechseln, ist ein Riester-Vertrag meist besser. Ohne zusätzliche Altersvorsorge können Sie im Ruhestand Ihren Lebensstandard nicht halten.

Beim Riestern sparen Arbeitnehmer vier Prozent vom Bruttolohn des Vorjahres, maximal 2.100 Euro im Jahr. Wer im Vorjahr etwa 40.000 Euro brutto verdient hat, muss insgesamt 1.600 Euro im Jahr auf sein Riester-Konto einzahlen. Die staatliche Förderung können Sparer von dieser Sparsumme abziehen.

Symbolbild Erben
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Wer genug einzahlt, bekommt in jedem Fall 175 Euro im Jahr Förderung für den Sparer selbst. Für jedes Kind gibt es zusätzlich 300 Euro Förderung im Jahr, solange man Kindergeld bezieht. Mit zwei Kindern bleiben, im Beispiel oben, noch 825 Euro Eigenleistung im Jahr übrig.

Wer sehr wenig verdient und Kinder hat, kann schon mit 5 Euro Einzahlung im Monat die volle Förderung mitnehmen. Und wer viel verdient und deshalb mehr einzahlen muss, kann zusätzliche Steuervorteile wahrnehmen.

Riester-Rente bei geringer gesetzlicher Rente

Ein Riester-Vertrag lohnt sich seit 2017 gerade auch für Arbeitnehmer, die eine geringe gesetzliche Rente zu erwarten haben. Nach einer Änderung der Gesetze haben Grundrentner ihre Riester-Rente garantiert zusätzlich. Viele andere Alterseinnahmen werden mit der Grundrente verrechnet, führen also im Endeffekt nicht dazu, dass das Alterseinkommen steigt. Die ersten hundert Euro der Riester-Rente werden nicht mit dem Bezug der Grundrente verrechnet, auch von den zweiten hundert Euro kann man einen Großteil behalten. Riester-Sparer haben das Geld also im Alter garantiert zusätzlich.

Welche Riester-Formen gibt es und welche sind sinnvoll?

  • Klassische Riester-Rentenversicherungen: Sie ist heute deutlich weniger attraktiv als früher, da der garantierte Zins der Versicherung auf den Sparanteil im Vertrag nur noch bei 0,9 Prozent liegt.
  • Riester-Fonds: Hier ist es besonders sinnvoll, einen möglichst hohen Aktienanteil zu wählen. Zum einen, weil bei der Auszahlung garantiert ist, dass man mit den Aktien keinen Verlust gemacht hat, zusätzlich aber die Renditechance sehr hoch ist.
  • Riester-Banksparpläne: Hier können Sparer ihr Geld besonders sicher anlegen. Dafür gibt es aber kaum noch Zinsen, nur die staatliche Förderung.
  • Riester-Bausparverträge: Sie eignen sich nur, wenn Sie tatsächlich mit dem Bausparvertrag später eine eigene Immobilie kaufen und selbst nutzen wollen.
  • Riester-Baufinanzierungen: Sie können mit ihrem Riester-Vertrag auch den Baukredit tilgen. Das Konzept heißt Wohn-Riester.

Oft ein Problem: Zu teure Riester-Verträge

In allen Fällen ist es wichtig darauf zu achten, einen Vertrag mit möglichst niedrigen Kosten abzuschließen. Der größte Nachteil der 20 Millionen Riester-Verträge, die in den vergangenen 20 Jahren verkauft wurden, sind die häufig zu hohen Nebenkosten. Zum einen Vertriebskosten, die gleich zu Beginn vom Vertrag abgezogen werden. Zum anderen Verwaltungskosten, die in den jahrzehntelang laufenden Verträgen jedes Jahr wieder abgezogen werden. Teure Verträge bringen dadurch erheblich weniger Rendite. Wer nicht aufpasst, verschenkt auf diese Weise tausende Euro Rente.

Riester-Vertrag auszahlen: Wann und wie?

Ausgezahlt werden können die Riester-Verträge ab dem 60. Lebensjahr. Das gilt für alle Sparer, die vor 2012 einen Vertrag abgeschlossen haben. Für später abgeschlossene Verträge ist die Auszahlung frühestens ab dem 62. Lebensjahr möglich. Den Auszahlungszeitpunkt können Sparer in einem gewissen Rahmen selbst bestimmen. Allerdings können sie sich nicht den ganzen Vertrag auf einmal auszahlen lassen – maximal 30 Prozent der Sparsumme. Der Rest muss als monatliche Zahlung, Auszahlplan oder Rente überwiesen werden. Eine weitere Ausnahme: Wenn der angesparte Renten-Anspruch zu gering ist, heute etwa unter 30 Euro im Monat, kann man sich die Rente auf einen Schlag auszahlen lassen.

Außerdem müssen Sie die Riester-Rente versteuern. Denn die Einzahlung war steuerfrei. De facto bringt das einen erheblichen Steuervorteil, weil im Normalfall der Steuersatz im Erwerbsleben erheblich höher ist. Für Riester-Rentner, die eine geringe gesetzliche Rente erwarten, ist die Auszahlung dadurch sogar steuerfrei.

Aufpassen müssen Sie allerdings mit der Einmalauszahlung von 30 Prozent, auch die muss natürlich prinzipiell versteuert werden. Lassen Sie sich das Geld in ihrem letzten Jahr im Erwerbsleben auszahlen und haben von Januar bis Oktober noch gut verdient, ergibt sich für die Auszahlung im November eine erhebliche Steuerlast. Lassen Sie sich die Summe erst in dem Jahr auszahlen, in dem sie schon komplett gesetzliche Rente beziehen, wird Ihr Steuersatz niedriger sein.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 08. Oktober 2019 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Oktober 2019, 11:17 Uhr