Schuldenfalle Wie Sie Schulden schnell wieder loswerden

Mahnungen ignoriert, Pfändungen und Gerichtsvollzieher im Nacken, so etwas kann schnell passieren. Wie man in finanzieller Not an Geld kommt und einen Tilgungsplan aufstellt, erklärt Finanzexperte Hermann-Josef Tenhagen.

Leere Hosentaschen.
Bildrechte: colourbox

Allzu oft schlägt das Schicksal zu

Am allerbesten ist es, eine Überschuldung zu vermeiden. Doch das sagt sich so leicht. Oft liegen die Ursachen für die Überschuldung nämlich nicht darin, dass man nach dem neuen Fernseher auch noch das neue Smartphone und die neue Spülmaschine erworben hat und auch sonst mit beiden Händen das Geld ausgegeben hätte.

Stattdessen hat einfach das Schicksal zugeschlagen: Die Firma macht Pleite und der Job ist weg. Die Krankheit wird immer schwerer und man kann nicht mehr so gut und viel arbeiten. Oder der Partner trennt sich und man ist plötzlich für die große Wohnung und alle Rechnungen allein zuständig.

Immer mehr Rentner sind verschuldet

Ein Rentner auf einer Bank.
Bildrechte: imago images/Future Image

Hinzu kommen gerade in den vergangenen zwei Jahren immer mehr Senioren, die ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen können. Die überschuldet sind. Und die – das ist bei ihren Schulden besonders gravierend – nicht die Aussicht haben, mit einem besseren Job oder einer kleineren Wohnung finanziell wieder aus dem Loch zu kommen.

Im vergangenen Herbst hat Creditreform vorgerechnet, dass die Zahl der überschuldeten Rentner über 70 binnen eines Jahres um 44 Prozent zugenommen hat.

Und auch bei den 60- bis 69-jährigen stieg die Zahl der überschuldeten Haushalte um 15 Prozent.  Verantwortlich ist ein ganzes Bündel an ungünstigen Entwicklungen: Ehemals Langzeitarbeitslose und prekär Beschäftigte gehen in Rente. Und die Mieten steigen überdurchschnittlich. Seit 2013 sei die Zahl der überschuldeten Rentnerhaushalte um 243 Prozent gestiegen, während in der Gesamtbevölkerung die Zahl der überschuldeten Haushalte abnimmt.

Zur Sorge der Armutsforscher bei Creditreform gehört, dass sich der Teil der Haushalte, bei dem Einkommensarmut Auslöser der Überschuldung ist, seit 2015 verdreifacht hat auf 8,6 Prozent der überschuldeten Haushalte.

Egal ob Arbeitslosigkeit, Krankheit, Trennung oder langanhaltende Einkommensarmut, gegen die Verschuldungsspirale muss man tätig werden.

Also was tun? Kosten senken

Vielleicht bei der Miete: Wenn Sie eine Mieterhöhung umhaut, prüfen Sie doch mal, ob sie überhaupt in dieser Höhe erlaubt ist. Oder ob die letzte Nebenkostenabrechnung falsch war.

Beim Stromversorger

Wenn Sie noch in der teuren Grundversorgung sind, können Sie als Familie oft 200 Euro im Jahr sparen, wenn Sie den Anbieter wechseln. Sogar der Wechsel zum besseren Angebot beim gleichen Stromkonzern spart.

Beim Handy

10 Euro im Monat statt 25 Euro, das sind 180 Euro Ersparnis im Jahr. Für eine vierköpfige Familie sogar vier mal 180 Euro, also 720 Euro.

Beim Girokonto

Wenn Sie noch nicht knietief im Dispo sind, lohnt es sich oft, das Konto zu wechseln. 7 Prozent oder 10 Prozent Zinsen, das macht im Jahr bei 1.000 Euro im Dispo 30 Euro aus.

Einnahmen erhöhen

Vielleicht geht das beim Gehalt. Der Arbeitsmarkt ist gerade ziemlich gut. Vielleicht aber auch über staatliche Hilfen, die viele Haushalte nicht abholen.

Wohngeld zum Beispiel nehmen bis zu zwei Drittel der berechtigten Haushalte nicht in Anspruch. Oft geht es um mehr als hundert Euro im Monat. Eine vierköpfige Familie mit zwei Kindern in Berlin kommt mit 22.800 Euro Jahresbrutto und 700 Euro Kaltmiete auf einen Zuschuss von 402 Euro im Monat. Das ist mehr als die halbe Miete.

Holen Sie sich Hilfe

Und wenn alles nichts hilft, die Schuldnerberatung nutzen, bevor es zu spät ist.

Die Schuldnerberater schauen dann, welche Schnellmaßnahmen helfen können. Der Wechsel bei Strom oder Gas, den man eben schnell machen kann. Dann versuchen sie aus den vielen kleinen Rechnungen mit den vielen kleinen Gläubigern wenige große Rechnungen mit wenigen Gläubigern zu machen.

Dann muss man als verschuldeter Haushalt mit den Gläubigern verhandeln. Das geht mit wenigen Gläubigern besser als mit vielen. Und natürlich ist es gut, wenn man das nicht selber machen muss, weil man die Schuldnerberatung an der Seite hat. Den Gläubigern wird bei diesen Verhandlungen normalerweise ein Teil der Schulden als Rückzahlung angeboten. Sie sollen wenigstens einen Teil des Geldes bekommen und der verschuldete Haushalt soll die Chance bekommen, wieder Boden unter die Füße zu bekommen.

Letzter Ausweg: Privatinsolvenz

Wenn solche Verhandlungen scheitern, kann man als verschuldeter Haushalt in die Privatinsolvenz gehen.

Tatsächlich ist es so, dass die Gläubiger bei einer Privatinsolvenz nur sehr wenig von dem geschuldeten Geld wiedersehen. Das liegt daran, dass Schuldner auch in der Privatinsolvenz das Recht auf ein pfändungsfreies Einkommen haben.

Andererseits müssen sich Schuldner über Jahre wirklich mit diesem pfändungsfreien Einkommen begnügen. Alles darüber hinaus wird weggenommen und zum Tilgen der Schulden verwandt. Aus dieser Wohlverhaltensperiode – so heißt das – kommt der Schuldner frühestens nach drei Jahren heraus, wenn er in der Zeit sehr viel der Schulden tilgen kann. Maximal dauert die Wohlverhaltensperiode sechs Jahre. Dann ist man die Schulden endgültig los – außer Steuerschulden und Unterhaltsschulden. Die bleiben.

Mehr zum Thema Finanzen

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 10. März 2020 | 17:00 Uhr