Kosten sparen Hausratsversicherung: Darauf sollten Sie achten

Zum Jahresende können sie meist die Versicherungsverträge kündigen. Deshalb lohnt es sich jetzt, seine Verträge zu überprüfen. Unser Finanzexperte Hermann-Josef Tenhagen erklärt, worauf Sie bei einer Hausratversicherung achten sollten.

Versicherungspolice
Kaum eine andere Versicherung hat ein derart schlechtes Verhältnis von Beiträgen und Leistungen. Dabei macht die Versicherung durchaus Sinn. Bildrechte: colourbox

Eigentlich müssten die deutschen Hausratversicherer bei der regelmäßigen Vorlage der Kriminalstatistik seit Jahren aufjaulen, zum Rechner eilen und ihren Kunden für das kommende Jahr einen Preisnachlass ankündigen. Denn seit 2015 geht die Einbruchskriminalität, der wichtigste Kostenfaktor für die Hausratversicherung, Jahr für Jahr bundesweit zurück. Zuletzt von 167.000 Fällen 2015 auf 87.000 Fälle im Jahr 2019.

Und schon heute geben die Hausratversicherer von jedem Euro, den ihre Kunden für den Schutz zahlen, nur 39 Cent für Schäden aus. Kaum eine andere Versicherung hat ein derart schlechtes Verhältnis von Beiträgen und Leistungen. Zum Vergleich: In der Kfz-Versicherung werden 88 Cent von jedem eingezahlten Euro für die Begleichung von Schäden ausgegeben. Dabei ist die Hausratversicherung ja nicht unsinnig – und sie zahlt sogar, anders als die Haftpflichtversicherung, den Neuwert für zerstörten Hausrat.

Paar checkt im Ordner und am Bildschirm Versicherungen
Es lohnt sich seine Versicherungen regelmäßig zu überprüfen! Bildrechte: IMAGO

Aber warum ist sie so teuer? Ganz einfach´: Die Kunden sind nicht wechselfreudig genug. Weil die Kunden aber wegen überhöhter Preise nicht gehen, fehlt vielen Versicherern der Anstoß die Preise zu senken. Ändern Sie das. Denn für Sie als Kunden ist die Konsequenz daraus ganz einfach: losziehen und Preise vergleichen. Das ist gar nicht kompliziert. Und am Ende zahlen Kunden statt 300 Euro im Jahr nur noch 120 Euro für eine gleichgute Hausratversicherung.

Die Hausratversicherung wird für jede Wohnung individuell ausgerechnet, genau wie beim Auto. Schon auf der anderen Seite der Straße kann der Preis deswegen ein anderer sein. Das ist aber nicht wichtig. Wichtig ist für Sie das Vergleichen für exakt Ihre Wohnung. Und das geht einfach mit vielen Datenbanken, die es im Internet gibt.

Punkte, auf die Sie achten sollten

Grobe Fahrlässigkeit

Ein Einbrecher bricht über das Fenster in ein Haus ein. (Symbolbild)
Es dem Einbrecher "leicht" machen - auch das kann als grobe Fahrlässigkeit gelten. Bildrechte: Colourbox.de

Viele alte Hausratversicherungen haben noch eine Klausel, wodurch dem Kunden bei grober Fahrlässigkeit die Auszahlung gekürzt oder sogar ganz ausgeschlossen werden kann. Etwa, wenn man ein Fenster gekippt lässt und jemand einbricht. Gute neue Verträge zahlen auch bei “grober Fahrlässigkeit“.

Schäden durch Überspannung oder Brand

Wenn es denn brennt, verbrennen nicht nur Einrichtungsgegenstände. Möbel und anderes wird auch durch Ruß-Schäden oder Sengschäden zerstört oder unansehnlich. Auch diese Schäden sollten bezahlt werden. Außerdem sollten Überspannungsschäden versichert sein, etwa wenn der Blitz in die Stromleitung eingeschlagen hat.

Selbstbeteiligung

Neuverträge kann man oft mit einer kleinen Selbstbeteiligung von 150 Euro abschließen. Das macht die Verträge oft viel günstiger. Und es stimmt ja auch. Es ist nicht sinnvoll mit kleinen Schäden jedes Mal zur Versicherung zu laufen. Versichern soll man sich für die Schäden, die einen sonst überfordern würden. Deswegen ist das Rentnerehepaar mit Jugendstilmöbeln gut beraten, eine Hausratversicherung zu haben, der Student mit Second-Hand Möbeln braucht sie nicht unbedingt.

Außenversicherung

Neuere Hausratversicherungen zahlen oft auch, wenn in das draußen geparkte Auto oder in Ihr Hotelzimmer eingebrochen wird. Gartenmöbel auf der Terrasse sind ebenso gegen Diebstahl versichert, wie der Kinderwagen im Treppenhaus. Diese Ergänzung nennt sich Außenversicherung und ist oft sogar ohne Extrakosten zu haben.

Fahrrad mitversichern

Normalerweise zahlt eine Hausratversicherung für das geklaute Fahrrad nur, wenn es in Keller oder Garage eingeschlossen war und wenn es nicht zu teuer war, ein Prozent der Versicherungssumme beispielsweise. Ist der ganze Haushalt mit 60.000 Euro versichert, wären das 600 Euro. Ein teures Fahrrad kostet mehr. Wer einen Aufpreis zahlt, kann auch teurere Räder und den Diebstahl auf der Straße oft günstig mitversichern. Für ganz teure Fahrräder kann eine Extra-Fahrradversicherung sinnvoll sein.

Wertsachen

In den Versicherungsbedingungen ist eigentlich immer einen Höchstbetrag für Wertsachen festgelegt, meist 20 Prozent der Gesamtversicherungssumme. Bei einer 60.000 Euro Versicherung 12.000 Euro. Das kann bei teurem Schmuck, viel Bargeld zu Hause oder angesagter Kunst zu wenig sein. Sie sollten die Klausel anpassen.

Unterversicherung

Zu niedrig sollte die Versicherungssumme auf keinen Fall sein. Die Versicherer schätzen den Wert Ihres Hausrates nach der Quadratmeterzahl der Wohnung. Mit der so ermittelten Summe vermeidet man als Kunde das Risiko der Unterversicherung.

Elementarschäden

Schäden durch Hochwasser oder Starkregen sind in einer normalen Hausratversicherung nicht versichert. Und auch Mietern im 10. Stock kann der Keller volllaufen, was meist mit hohen Schäden einhergeht. Um sich dagegen zu schützen, können Sie eine Erweiterung der Versicherung gegen sogenannte Elementarschäden abschließen. Billig ist die allerdings nicht.

Extraschutz

Klassische Wasserschäden, also durch undichte Wasserleitungen und übergelaufene Badewannen, werden quasi immer bezahlt. Nicht versichert ist normalerweise das Wasserbett oder das Aquarium, hier muss Extraschutz her.

Dieses Thema im Programm: MDR um 4 | 22. September 2020 | 17:00 Uhr