Eine Zahnarzthelferin sitzt in einer Zahnarztpraxis hinter einem künstlichen, überdimensionierten Gebiss.
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Das Lächeln versichern Wie sinnvoll ist eine Zahnzusatzversicherung?

Kronen, Brücken, Prothesen: Zahnersatz ist teuer und die Kassen zahlen nur einen Bruchteil. Mit Zahnzusatzversicherungen können Patienten die Kosten drücken. Was die Policen taugen, weiß Finanzexperte Hermann-Josef Tenhagen.

Eine Zahnarzthelferin sitzt in einer Zahnarztpraxis hinter einem künstlichen, überdimensionierten Gebiss.
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Was unsere Zähne über uns aussagen

Ein gepflegtes Gebiss und schöne Zähne sind vielen Menschen wichtig. Selbst unser Ex-Kanzler Gerhard Schröder bekannte einst in einer Regierungserklärung, er möchte eigentlich nicht in einem Land wohnen, in dem man die Armut an den Zähnen erkennt.

Tut man aber teilweise schon. Denn eine Zahnreparatur kann ganz schön ins Geld gehen. Die Kosten können sich für ein Implantat schnell auf 3.000 Euro oder mehr belaufen – selbst mit Zuzahlung der Krankenkasse. Denn die Kasse zahlt nur einen geringen Teil des notwendigen Zahnersatzes.

So verwundert es nicht, dass jeder fünfte Kassenpatient eine Zahnzusatzversicherung hat. 16 Millionen Verträge zählen die privaten Versicherer.

Der Experte sitzt im Studio 7 min
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Wann sich eine Zahnzusatzversicherung lohnt

Vielleicht haben Sie auch schon über eine solche Versicherung nachgedacht, die die Kosten für Zahnersatz ganz oder teilweise übernimmt. Doch wann lohnt sich die Versicherung und wie kommen Sie zu einem günstigen und guten Tarif?

Im Prinzip haben Sie drei Möglichkeiten, Zähne zu finanzieren:

  1. Genug Geld auf dem Konto
  2. Eine gute Zahnzusatzversicherung
  3. Der Weg ins preiswertere Ausland

Selber zahlen und Beiträge sparen

Ein Zahnarzt behandelt mit einer Zahnarzthelferin eine Frau.
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Haben Sie ein pflegeleichtes Gebiss und wenige Zahnschäden im Familienumfeld, ist es wahrscheinlich, dass Ihre Zähne in Zukunft eher selten Probleme machen. Wenn Sie genug Geld auf dem Konto haben, zahlen Sie den Eigenanteil beim Zahnarzt am besten selbst. Seine Preise kontrollieren Sie mithilfe Ihrer Krankenkasse, indem Sie einen Heil- und Kostenplan anfordern. Vergleichen Sie die Kosten ruhig bei einem zweiten Zahnarzt.

Mit der Selbstzahler-Methode sparen Sie die Beiträge für die Zahnzusatzversicherung. Die ist nämlich relativ teuer – schnell mal 200 bis 400 Euro im Jahr – und keineswegs ein Muss! Denn eine hohe Zahnarztrechnung ist ärgerlich, aber nicht existenzbedrohend.

Bei Versicherungen auf den Eigenanteil achten

Befürchten Sie, eher anfällige Zähne zu haben, sollten Sie früh anfangen, regelmäßig Geld für Zahnbehandlungen zurückzulegen – oder Ihre Zähne teilkaskoversichern. Dann übernimmt die private Zusatzversicherung den größten Teil der Behandlungskosten, und für Sie bleibt nur noch ein kleiner Rest. Wichtig ist, es kommt nicht allein auf den Versicherer an sondern auf den Tarif. Bei etlichen großen Versicherern gibt es unterschiedliche Tarife für die Zähne, darunter gute aber auch ziemlich schlechte. Gerade die besonders billigen Tarife haben oft Fallstricke. Und: Bei den Zahnzusatzversicherungen sind die Preisunterschiede erheblich. Ein 43-Jähriger beispielsweise muss für einen Tarif zwischen 40 und 760 Euro im Jahr zahlen. Tarife mit besonders umfangreichen Leistungen sind ziemlich teuer.

Auf dem Antragsformular für eine Zahnersatz-Zusatzversicherung, das gerade ausgefüllt wird, liegt eine Zahnbürste.
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Wer doch lieber eine Versicherung abschließt – beispielsweise wegen anfälliger Zähne im Familienkreis – vereinbart am besten einen Eigenanteil von 10 bis 20 Prozent. Das macht die Versicherung günstiger. Empfehlenswert sind die Tarife Gothaer MediZ Premium, die DKV Kombi Med Zahn KDT85, die Hallesche Megadent, die Janitos Ja dental plus und die Inter Z90.

Aber Vorsicht: Es handelt sich in jedem Fall um eine Versicherung, und die zahlt für Unvorhergesehenes. Die Versicherung zahlt nicht für Behandlungen, die Ihr Zahnarzt vor Vertragsabschluss bereits angeraten hat. Wenn Sie nicht mehr wissen, was Ihnen der Zahnarzt geraten hat, kann der das leicht in seinen Akten für Sie nachschauen. Viele Tarifleistungen gelten nicht ab sofort. Manche erst wenn man schon acht Monate seine Beiträge gezahlt hat.

Für die Behandlung ins Ausland

Wer in der Nähe von Polen, Tschechien oder Ungarn wohnt oder regelmäßig auf die Balearen reist, kann den Zahnersatz dort günstiger bekommen. Häufig gibt es deutschsprachiges Personal, Heil- und Kostenpläne nach deutschem Muster und manchmal sogar direkte Abrechnungen mit deutschen Krankenkassen.

Nötig ist allerdings Vertrauen in den ausländischen Zahnarzt, denn bei Problemen sind Patienten oft schlechter gestellt als in Deutschland. Falls möglich, sollten Sie einen Behandlungsvertrag nach deutschem Recht abschließen. Wollen Sie in Deutschland bleiben, können Sie auch sparen, indem Sie den Zahnersatz im Ausland anfertigen lassen. Besprechen Sie das mit Ihrem Zahnarzt.

Bei Versicherten mit Bruttoeinnahmen von weniger als 1.218 Euro im Monat greift eine Härtefallregelung der Krankenkassen: Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt in diesem Fall die Kosten für die Regelversorgung vollständig.

Schon Kanzler Schröder wollte wie gesagt nicht, dass man arme Menschen an Zahnlücken erkennt.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 09. September 2019 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. September 2019, 11:55 Uhr