Lactosefreie Produkte in einem Supermarktregal
Bei Laktoseintoleranz muss man nicht komplett auf Milchprodukte verzichte. Die richtige Dosis macht es. Bildrechte: dpa

Nahrungsmittelunverträglichkeiten Kein kompletter Verzicht bei Unverträglichkeiten nötig

Gluten-, laktose- und fructosefrei: Wenn es nach den Etiketten in den Supermärkten geht, dann bekommen wir immer mehr Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Aber stimmt das? Diese Woche treffen sich Deutschlands Kinder- und Jugendärzte, um unter anderem über dieses Thema zu sprechen.

von Niklas Ottersbach, MDR AKTUELL

Lactosefreie Produkte in einem Supermarktregal
Bei Laktoseintoleranz muss man nicht komplett auf Milchprodukte verzichte. Die richtige Dosis macht es. Bildrechte: dpa

Beim anderthalbjährigen Karl aus Halle fing es mit Hautjucken an. Trockene Stellen, die er sich teilweise blutig kratzte. Cremes halfen nur bedingt, weshalb seine Mutter mit ihm zum Kinderarzt ging.

Dort sei ihnen empfohlen wurden, auf die Ernährung zu achten und bestimmte Dinge wegzulassen, berichtet die Mutter. "Jetzt sind wir gerade dabei, das auszuprobieren, indem wir Weizen reduzieren und auch tierisches Eiweiß. Und hoffen auf Besserung."

Frau trinkt Milch 6 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Unverträglichkeiten zu wenig erforscht

Keine Weizennudeln mehr und pflanzliche Milch statt Kuhmilch, so sieht die Ernährung des kleinen Jungen jetzt aus. So wollen seine Eltern herausfinden, ob er Gluten und Laktose tatsächlich schlecht verträgt.

Anders als Allergien sind Nahrungsmittelunverträglichkeiten noch nicht so genau erforscht. Laut einer Studie der Techniker Krankenkasse von 2017 leidet etwa jeder fünfte Deutsche an einer Unverträglichkeit. Ganz oben: die Laktoseintoleranz. Also, wenn das Glas Milch zu Blähungen und Magenschmerzen führt.

Richtige Menge wichtig

Ernährungswissenschaftlerin Imke Reese berät seit mehr als 20 Jahren zum Thema Unverträglichkeiten. Sie sagt, die ganzen "Frei von"-Produkte in den Supermärkten hätten dazu geführt, dass viele Eltern zu viel weglassen. Am Beispiel der Laktoseintoleranz erklärt Reese, dass, wer das Glas Milch nicht vertrage, nicht auf alle Milchprodukte verzichten müsse.

Sie erklärt dann den Eltern immer, dass es mit dem Fettgehalt des Essens zu tun habe. "Wenn da gar kein Fett drin ist, dann flutet das viel zu schnell im Dünndarm an. Dann wird den Eltern häufig klar, stimmt: Wenn ich denen einen richtig fetten Kaiserschmarrn mache, passiert gar nichts."

Im Unterschied zu Allergien oder der Autoimmunkrankheit Zöliakie: Da ist schon der kleinste Brotkrümel zu viel, sonst greift das Gluten die Darmschleimhaut an. Heißt, bei Krankheiten und Allergien muss auf bestimmte Nahrung komplett verzichtet werden. Bei Unverträglichkeiten hingegen macht die Dosis das Gift.

Zuviel überfordert den Körper

Bei der Fruchtzucker-Unverträglichkeit kritisiert Ernährungswissenschaftlerin Reese vor allem die "Quetschies" – ein Produkt, bei dem Kinder pürierte Früchte aus der Tüte saugen. Zu viel Frucht schlage eben auf den Magen, denn durch die Püree-Form gebe es keine Vorverdauungszeit.

Heißt: Der Dünndarm werde sofort mit dem Fruchtzucker überschwemmt und darauf sei der Mensch nicht ausgelegt, erklärt Reese. Auch hier liege der Schlüssel im Fett. Ein fetthaltiger Joghurt mit Apfel sei da viel unproblematischer.

Zurück zu Karl und seiner Mutter. Diese hat das Gefühl, dass die Ernährungsumstellung ihrem Sohn ein bisschen geholfen hat, vor allem weniger Weizen. Dadurch seien die Hautekzeme weniger geworden. "Wir hoffen darauf, dass es sich legt, desto älter er wird."

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 10. Oktober 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Oktober 2019, 05:00 Uhr