Pflanzliche Alternativen Wann Sie auf Antibiotika verzichten sollten

Antibiotika sollen bakterielle Infektionen bekämpfen. Doch immer mehr Erreger entwickeln Überlebensstrategien, weil das Medikament zu oft eingesetzt wurde. Wann kann man also auf Antibiotika verzichten?

Antibiotikatest
Bei leichten Infekten kann auf Spitzwegerich, Holunder oder Kapuzinerkresse zurückgegriffen werden. Auch sie besitzen eine antibiotische Wirkung. Bildrechte: imago/Science Photo Library

Rund 20 Milliarden Dosen Antibiotika werden einer Studie des US-Forschungszentrums CDDEP zufolge weltweit verbraucht. Pro Tag wohlgemerkt. Ein gigantischer Konsum, der nicht folgenlos bleibt. Denn immer häufiger stellen sich Resistenzen ein. Und die stellen eine Gefahr für uns alle dar, warnen Forscher.

Resistenzen nicht befördern

Antibiotika helfen nur gegen bakterielle Infektionen. Gegen Viren, wie bei einer Grippe, wirken sie nicht. Ein Antibiotikum sollte nur die vom Arzt verordnete Zeit eingenommen werden. "Patienten sollten darauf achten, dass sie das Dosierungsintervall einhalten. Drei Mal täglich heißt: alle acht Stunden, dass der Blutspiegel immer schön gleichmäßig bleibt und die Bakterien gleichmäßig behandelt werden", empfiehlt Apothekerin Dr. Anne-Kathrin Habermann. Beachten sollte man zudem, dass das in Milchprodukten enthaltene Calcium die Aufnahme von Antibiotika stört. Auch Kaffee und Alkohol behindern die Aufnahme von Antibiotika. Am besten werden die Medikamente immer mit Wasser eingenommen. "All diese Faktoren muss man einhalten, um eine gute Wirkung zu haben, aber auch um die Bildung von Resistenzen zu vermeiden", so Dr. Habermann.

Vorsicht Durchfall

Wer ein Antibiotikum verschrieben bekommt, sollte Durchfall als Warnsignal ernst nehmen. "Das Antibiotikum killt alle Keime. Die schlechten, die man loswerden will. Aber auch die guten in der Darmflora“, so Dr. Anne-Kathrin Habermann. In schweren Fällen und bei geschwächter Immunabwehr können dann andere, gefährliche Bakterien die Oberhand gewinnen. So führt das sogenannte Clostridium Difficile zu schweren Durchfällen, die auch heute noch zum Tod führen können.  

Probiotika schützen Darm

Probiotischer Joghurt und Pillen
Probiotische Bakterien sind in speziellen Joghurts oder auch in Präperaten in der Apotheke erhältlich. Bildrechte: IMAGO

Studien belegen, dass Probiotika den Darm während und nach einer Antibiotika-Therapie schützen und die Darmflora wieder aufbauen können. Solche "guten Bakterien" sind beispielsweise in rohem Sauerkraut oder in probiotischen Joghurts enthalten. Bei einigen Joghurt-Produkten steht auf der Verpackung, wie viele Kulturen sie enthalten. Ab etwa einer Milliarde Bakterien kann man eine positive Wirkung erwarten. "Allerdings sollte man beachten, dass man den probiotischen Joghurt etwa zwei Stunden getrennt von dem Antibiotikum einnimmt. Denn auch Joghurt enthält Calcium, was sich nicht immer mit dem Antibiotika verträgt", so Dr. Anne-Kathrin Habermann. Als Alternative gibt es auch Probiotika in Pulverform in der Apotheke. Sie enthalten weit mehr Bakterien als probiotische Joghurts und sind freiverkäuflich. Eine Rücksprache mit dem Arzt, ob diese Ausgabe sinnvoll ist, ist sicher nicht verkehrt.  

Natürliche Antibiotika

Bei leichten Infekten muss man nicht gleich zu Antibiotika greifen. Auch das hilft, Resistenzen zu vermeiden. Hier gibt es gute pflanzliche Alternativen. Denn Spitzwegerich, Holunder oder Kapuzinerkresse helfen nicht nur, weil sie vitaminhaltig sind, sondern auch, weil sie gegen Bakterien, also antibiotisch wirken.

"So viel wie in einer Tablette ist da natürlich nicht enthalten. Aber bei leichten Infekten kann man sich damit durchaus erst mal selbst helfen", empfiehlt Dr. Anne-Kathrin Habermann. So wirken Bärentraubenblätter bei einer Blasenentzündung antibakteriell. Der in Spitzwegerich enthaltene Wirkstoff Aucubin gilt als antibiotisch wirksam und hilft gegen Husten und Bronchialleiden.

Beim Manukahonig steht die antibakteriell wirksame Komponente sogar auf der Verpackung: MGO steht für Methylglyoxal. Je höher der Wert, umso höher die antibakterielle Wirksamkeit. "Manukahonig hilft unter anderem bei Atemwegsinfekten und Halsschmerzen", sagt Dr. Habermann. "Aber auch unser einheimischer Lindenblütenhonig hat eine leicht antibakterielle Wirkung. Nicht so stark wie der Manukahonig, dafür aber preiswerter“, erklärt die Apothekerin.

Tipp: Bärentraubenblätter gegen Blasenentzündung

Die Blätter der Echten Bärentraube enthalten mit Arbutin einen Wirkstoff, der antibakteriell bei einer Blasenentzündung wirkt. Die Pflanze wächst in trockenen Kiefernwäldern und steht hierzulande unter Naturschutz. In Apotheken und Reformhäusern ist die Arzneipflanze als Tee, Dragee oder Lösung erhältlich.

Zutaten für den Tee:
4 TL loose Bärentraubenblätter
1 l kaltes Wasser

So wird’s gemacht:
Übergießen Sie die Bärentraubenblätter mit kaltem Wasser und lassen Sie die Kanne über Nacht stehen. Der sogenannte Kaltansatz verhindert, dass zu viele Gerbstoffe in den Tee übergehen, die ihn sonst den Magen reizen würden. Nach etwa sechs bis zwölf Stunden gießt man die Flüssigkeit ab und erhitzt den Tee, um ein hygienisch einwandfreies Produkt zu erhalten. Über den Tag verteilt trinken.

Hinweis: Arbutin-haltige Arzneimittel sollten nicht länger als eine Woche eingenommen werden.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 06. Februar 2020 | 21:00 Uhr