Oberste Arzneimittelbehörde Apotheken sollen keine übermäßigen Vorräte anlegen

Damit weder Apotheken noch Haushalte unnötige Vorräte an Medikamenten anlegen, greift jetzt Deutschlands oberste Arzneimittelbehörde ein. Sie weist Kontingente für Apotheken an, die nicht über die Menge des Vorjahres hinausgehen sollen.

Menschenschlange in einer Apotheke - Verhaltenshinweise auf einem Schild am Eingang.
Auf dem Foto ist eine Apotheke in Thüringen zu sehen. Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

Deutschlands oberste Arzneimittelbehörde hat pharmazeutische Unternehmer und Großhändler angewiesen, Apotheken nicht über den normalen Bedarf hinaus mit Medikamenten zu beliefern.

Wie das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) auf seiner Website schreibt, gibt es aktuell verstärkt eine "übermäßige Bevorratung bei einzelnen Marktteilnehmern mit Arzneimitteln". Das führe zu einer Ungleichverteilung.

Was das Institut an Vorräten erlaubt

Um die Versorgung aufrechtzuerhalten, sollen dem Bundesinstitut zufolge öffentliche Apotheken mengenmäßig nicht mehr Medikamente erhalten als im Vorjahr.

Für Krankenhausapotheken und krankenhausversorgende Apotheken gelten gelockerte Regelungen. Dort soll der Vorrat an Medikamenten den durchschnittlichen Bedarf von vier Wochen nicht überschreiten. Bei Medikamenten, die im Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie verwendet würden, soll sich der Vorrat am Durchschnittsbedarf zweier Monate orientieren.

Betroffen von der Einschränkung sind sogenannte versorgungsrelevante Arzneimittel, wie zum Beispiel Antibiotika oder auch Schmerzmittel, etwa Ibuprofen oder Paracetamol.

Apothekerverband: Keine Hinweise auf Lieferengpässe

Eine Apothekerin am Verkauftresen erläutert dem Kunden die Wirkung eines Medikamentes.
Eine Apothekerin erläutert einem Kunden die Wirkung eines Medikamentes. Bildrechte: imago/Uwe Steinert

Gleichzeitig schreibt das BfArM, dass es derzeit keine "belastbaren Hinweise" gebe, dass es zu einer kurzfristigen Einschränkung der Arzneimittelversorgung aufgrund von Produktionsausfällen durch die Coronavirus-Pandemie kommen könnte.

Auch die Bundesvereinigung Deutscher Apothkerverbände e.V. (ABDA) meldete sich am Freitag zu Wort. Die Branche kenne Engpässe zu genüge, hieß es. So habe es 2019 ein neues Rekordniveau gegeben, vor allem bei Medikamenten wie Candesartan und Valsartan (beides Blutdrucksenker) Allopurinol (Gichtmittel), oder Venlafaxin (Antidepressivum). Jedoch gebe es auf die jetzige Situation bezogen "keine Hinweise auf zusätzliche Lieferengpässe", erklärte der Vizepräsident der ABDA, Mathias Arnold, am Freitag auf der Internet-Seite des Verbands.

Medienbericht: Geheimdienst warnt vor Verteuerung

Allerdings gibt es auch anderslautende Berichte. Das digitale Wirtschaftsmagazin "Business Insider" zitierte am Freitag aus einem "Sonderbericht Wirtschaftsschutz" des Bundesnachrichtendiensts (BND). Darin warnt der Auslandsgeheimdienst vor den Auswirkungen der Corona-Krise für den europäischen Medikamentenmarkt. Es gebe "erste Hinweise auf eine mögliche Verteuerung und Verknappung bedeutender Medikamente".

Besonders betroffen sei die "Produktion von Antibiotika, von Schmerzmitteln, von Diabetesmedikamenten sowie Herz-Kreislauf-Medikamenten". Beispielsweise sei der Preis für das Antibiotikum Azithromycin in der vergangenen Woche um 70 Prozent gestiegen. Aufgrund der "intransparenten Lieferketten" in China sei das Versorgungsrisiko für Deutschland kaum einzuschätzen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 21. März 2020 | 11:08 Uhr