Gelenkbeschwerden Arthrose: Hoffnung aus der Natur

Bei fortgeschrittener Arthrose scheint ein künstliches Gelenk oft die einzige Lösung. Viele Patienten scheuen sich jedoch vor einer Operation. Neue Erkenntnisse zu pflanzlichen Nahrungsergänzungsmitteln lassen vorsichtigen Optimismus zu. Was können Weihrauch oder Hagebutten bei Gelenkschmerzen wirklich leisten?

Grafik: Arthrose Hüfte
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Arthrose ist die weltweit häufigste Gelenkerkrankung. Fast jeder zehnte Deutsche ist von dem Knorpelverschleiß an Knie, Hüfte, Schulter, Finger oder Zehen betroffen. Schmerzen die Gelenke anfänglich nur beim Anlaufen, entwickelt sich mit fortschreitender Erkrankung ein quälender Ruhe- bzw. Dauerschmerz. Kurzfristige Abhilfe schaffen Schmerzmittel. Die haben jedoch vor allem bei Dauereinnahme häufig drastische Nebenwirkungen, die von Magengeschwüren über Nierenprobleme und Bluthochdruck bis hin zu Herzinsuffizienz reichen können.

Sparsam einsetzen

Tabletten Ibuprofen USP, 200 mg der Marke Kirkland
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Mediziner raten deshalb zu einem sparsamen Einsatz von Ibuprofen, Paracetamol und Co. "Besondere Vorsicht ist geboten bei Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes sowie Bluthochdruck und bei der Kombination mit anderen Medikamenten", sagt Thomas-Peter Ranke, Orthopädie und Chefarzt an der Asklepios Klinik in Neustadt bei Dresden. Ein künstliches Gelenk scheint häufig der einzige Ausweg aus dem Leiden. Tatsächlich gibt es Umstände, die eine Operation nahelegen, so Ranke: "Bei gravierenden Einschränkungen im Alltag sowie einer Gehleistung von unter zwei Kilometern sollte man nicht zu lange zögern." Dennoch will die Entscheidung gut überlegt sein. Immerhin handelt es sich um einen großen Eingriff, bei dem der Patient unter Umständen auch anschließend nicht völlig beschwerdefrei ist. Wer nach Alternativen sucht, stößt auf verschiedene Nahrungsergänzungsmittel, die mit großen Versprechen locken. An manchen scheint tatsächlich etwas dran zu sein.

Harz gegen Schmerzen

Bei Weihrauch denken die meisten Menschen an katholische Gottesdienste. Dabei wird das Harz des Boswellia-Baumes in der traditionellen indischen Heilkunst bereits seit Jahrtausenden gegen Gelenkbeschwerden eingesetzt. Tatsächlich kommt eine österreichische Auswertung von vier relevanten Studien zu dem Schluss, Weihrauch könnte Schmerzen bei abgenutzten Gelenken lindern und dadurch bedingte Einschränkungen im Alltag verbessern. Aufgrund der unzulänglichen Datenlage fordern Mediziner und Verbraucherschützer jedoch weitergehende Studien. In Deutschland ist Weihrauch bislang nur als homöopathisches Arzneimittel zugelassen und als Nahrungsergänzungsmittel in Tabletten-, Kapsel- oder Pulverform erhältlich.

Kleine Frucht, großer Effekt

Getrocknete Hagebutten werden gemahlen.
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In den letzten Jahren ist mit Hagebuttenpulver ein weiteres pflanzliches Mittel in den Fokus der Forscher geraten. Dessen Geheimnis: Neben ohnehin gesunden Inhaltsstoffen wie Vitaminen, Mineralstoffen und sekundären Pflanzenstoffen enthalten die kleinen roten Früchte Galaktolipide, die als Radikalenfänger sowohl schmerzstillend als auch entzündungshemmend wirken sollen. Zwei skandinavische Studien mit Arthrose-Patienten konnten zeigen, dass das Pulver Schmerzen und Entzündungen linderte und die Beweglichkeit der betroffenen Gelenke verbesserte. Ein 2007 in der Pharmazeutischen Zeitung veröffentlichter Beitrag kommt zu dem Fazit, die längerfristige Einnahme von Hagebuttenpulver könne den Konsum an klassischen Schmerzmitteln reduzieren. Und ein 2009 in der Zeitschrift für Phytotherapie veröffentlichter Artikel von Forschern der Uniklinik Freiburg stellt fest, dass trotz "mäßiger" Beweislage infolge fehlender Studien an der anti-oxidativen und antientzündlichen Wirksamkeit von Hagebuttenpulver kein Zweifel bestehe.

"Es hat einfach gewirkt"

Jean Pütz war lange Moderator der Hobbythek im WDR. Auch im Ruhestand nimmt der inzwischen 83-Jährige die Dinge selbst in die Hand: Seine Arthrose hat er eigenen Angaben zufolge allein geheilt. Vor drei Jahren begannen seine Gelenke zu schmerzen. "Das waren die rechte Hüfte und das linke Knie, man wollte mir eine künstliche Hüfte und künstliche Kniegelenke verpassen", sagt Pütz. Das Ibuprofen, das er einnahm, um den Schmerzen zu entkommen, griff seine Nieren extrem  an. Helfen konnte er sich mit einem Mittel, das ihm ein Freund zum Probieren schenkte, und das er seitdem in seinen selbstgemachten Joghurt rührt: Hagebutten-Pulver. Jean Pütz hatte mit drei Teelöffeln Pulver am Tag Erfolg. "Es hat einfach gewirkt. Ich vermute, dass es auch das Knorpelwachstum angeregt hat", sagt er. "Der Rollator ist mir jedenfalls erspart geblieben." Stattdessen genießt er sein Leben nun wieder in Bewegung und ohne Schmerzen.

Mit Vibration zu starken Gelenken

Wirksamer als jegliche Pillen und Pülverchen ist Bewegung. Das ist sogar wissenschaftlich bewiesen. Doch wer hat schon Zeit, jeden Tag ein, zwei Stunden zu trainieren? So genannte Vibrationstrainer könnten die Lösung sein. Eigentlich sieht das Training auf der Platte unspektakulär aus. Durch die winzigen, schnellen Bewegungen der Beine werden jedoch kleine, tiefliegende Muskeln angeregt. Das sorgt für Stabilität im Gelenk. Auch für Menschen mit Gelenkbeschwerden sind die Geräte interessant, denn selbst wer nicht gut zu Fuß ist, kann damit effektiv trainieren. Inzwischen gibt es Vibrationsplatten nicht nur in Studios und Rehakliniken, sondern auch für zu Hause. Arthrosepatienten sollten sich deren Funktionsweise jedoch vorher genau anschauen, sagt Fitnesstrainer Jürgen Reif: "Es gibt Geräte, die auf und ab vibrieren, als würde man springen. Das würde ich nicht empfehlen." Vibrationsplatten mit seitlich kippenden Bewegungen, ähnlich einer Wippe, seien da besser geeignet.

Vorsicht bei fortgeschrittener Arthrose

Junge Frau hält sich fit durch Vibrationstraining.
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Grundsätzlich sei es wichtig, die Knie leicht zu beugen und die Fersen leicht anzuheben, so Reif: "Damit sind die Muskeln aktiviert und die Gelenke nicht arretiert." Barfuß ist der Trainingseffekt im Übrigen stärker als mit Schuhen. Sein Fazit: "Die Geräte sind für den Heimbedarf geeignet. Allerdings sollte das Training ergänzt werden mit normalem Training, zum Beispiel Laufen, Radfahren und Gymnastik, weil da die großen Muskelgruppen trainiert werden." Vorsicht ist geboten bei aktivierter Arthrose oder Arthrose in fortgeschrittenem Stadium. Hier kann die Bewegung unter Umständen schaden. Mit künstlichen Gelenken ist die Vibration gänzlich tabu. Wer mit dem Training beginnen möchte, sollte sich mit einem Arzt oder Physiotherapeuten beraten, um korrekte Bewegungen zu lernen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 13. Februar 2020 | 21:00 Uhr