Augenkrankheiten Was unsere Augen bedroht

Dass die Sehkraft im Alter nachlässt, ist klar. Doch kann man das auch verhindern oder entgegenwirken? Welche scheinbar typischen Krankheitsbilder im Alter – wie Grauer und Grüner Star – können gut behandelt oder ganz verhindert werden? Was man selbst tun kann, um die Sehkraft zu stärken und was erste Anzeichen sind, dass die Augen "schlapp" machen, weiß Experte Dr. Frank Rohrwacher.

Senior hält sich Hand an das Gesicht
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Wenn das Auge altert

Kleinste Dinge in der Weite richtig sehen, Farben richtig wahrnehmen, auch bei Dunkelheit feine Kontraste erkennen – für junge, gesunde Augen ist das kein Problem – noch nicht. Wie in allen anderen Organen kommt es auch im Auge zu Alterungsprozessen. Diese können die Sehkraft stark beeinträchtigen – das Auge altert.

Dann können wir nicht mehr so gut im Nahen sehen. Die Linse trübt ein, Farben werden schwächer wahrgenommen und Sehen bei Dunkelheit wird schwieriger.

Klassische Altersweitsicht

Die ersten Veränderungen nehmen viele schon mit Mitte 40 wahr. Plötzlich hat man Mühe, Dinge in der Nähe scharf zu sehen. Das macht sich auch beim Lesen bemerkbar. Je geringer die Entfernung der Augen zum Buch, desto unschärfer erscheinen die Buchstaben. Der Arm, der das Buch hält, wird immer länger. Augenärzte nennen dies Presbyopie – klassische Altersweitsichtigkeit.

Die Linse verliert an Elastizität

Seitliche Nahaufnahme des Auges einer Frau.
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In der Kindheit ist die Linse noch elastisch und lässt sich von den Augenmuskeln leicht stauchen, um die Brechkraft zu variieren. Dieser Vorgang, Akkomodation genannt, ermöglicht scharfes Sehen in der Nähe. Mit den Jahren  lässt jedoch die Fähigkeit zur Akkomodation nach. Die Linse verhärtet und lässt sich von den Muskeln immer schwerer verformen. Ihre Brechkraft  reicht dann im Nahbereich nicht mehr aus, um das Licht auf der Netzhaut zu bündeln. Das Bild erscheint unscharf.

Zum Glück ist es einfach, in solchen Fällen Abhilfe zu schaffen. Mit einer Lesebrille kann die fehlende Brechkraft der Linse ganz einfach ausgeglichen werden.

Grauer Star (Katarakt)

Ab Anfang 70 haben viele Menschen dann auch zunehmend Probleme, Dinge in der Ferne scharf zu erkennen. Sie sehen verschwommen, wie durch einen Nebel oder eine zerkratzte Fensterscheibe. Hinzu kommt eine erhöhte Empfindlichkeit gegen Blendungen. Auch dahinter steckt die Linse. Bei Kindern ist sie noch klar und durchsichtig. Das verändert sich mit den Lebensjahren.

Bestimmte Proteine in der Linse beginnen zu verklumpen. Die Linse wird trübe und verfärbt sich gelblich. Das führt zu einem langsamen, schmerzlosen Verlust der Sehschärfe. Außerdem entstehen Blendeffekte, weil das Licht durch die Trübung diffus gestreut wird. Augenärzte nennen die Trübung der Augenlinse Katarakt oder Grauer Star – eine normale Alterserscheinung.  

Erst wenn diese Trübung sich so verstärkt, dass es zu merklichen, subjektiven Beeinträchtigungen des Sehens und zu Behinderungen im Alltag kommt, wird es krankhaft. Dann kann der Graue Star operativ behandelt werden, indem die trübe Linse entfernt und eine Kunstlinse einsetzt wird.

Grüner Star (Glaukom)

Ein Glaukom-Vorsorgepass wird vom Augenarzt ausgestellt
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Das Glaukom ist etwa für elf Prozent der Fälle von Erblindungen verantwortlich. Jeder zehnte an Glaukom Erkrankte erblindet. Verantwortlich dafür ist eine Störung am Sehnerv.
Neben einer gestörten Durchblutung des Sehnervs ist ein erhöhter Augen- Innendruck der wichtigste Risikofaktor für einen Glaukomschaden. Neueren Erkenntnissen zufolge spielen auch niedriger und schwankender Blutdruck eine wichtige Rolle.

Ein gewisser Druck im Augeninneren ist notwendig, damit das Auge seine kugelige Form behält und nicht wie ein luftleerer Ballon zusammenfällt. Für einen konstanten Druck ist das sogenannte Kammerwasser verantwortlich, eine glasklare Flüssigkeit, die sich im vorderen Augenabschnitt zwischen Hornhaut, Iris und Linse befindet. Dieser "normale" Druck ist für das Sehen notwendig. Er bewirkt eine gleichmäßige glatte Wölbung der Hornhautoberfläche, einen gleichbleibenden Abstand zwischen Hornhaut, Linse und Netzhaut des Auges.

Um einen relativ gleichmäßigen Augen-Innendruck zu erreichen, muss zwischen Produktion und Abfluss des Kammerwassers ein Gleichgewicht bestehen. Diese wird durch einen Regelmechanismus ständig überwacht. Drucksenkende Augentropfen sollen einer Erblindung vorbeugen. Wenn das nicht gelingt, musste bisher der Abflusskanal im Auge eröffnet werden. Ganz einfach war das oft nicht. Doch jetzt gibt es ein neues mikrochirurgisches Verfahren.

Der Eingriff findet unter lokaler Betäubung statt und dauert ca. eine halbe Stunde. Mit einem zwei Millimeter dicken Mikrokatheter wird ein hauchdünner Kunststofffaden in die Ringvene im Auge eingeführt und diese erweitert. Das Kammerwasser kann so wieder normal abfließen. Der Augendruck und der Grüne Star sind mit diesem schmerzlosen Eingriff behoben.

Makuladegeneration oder Altersblindheit (Netzhautverkalkung)

Patient beim Arzt.
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Die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) ist die häufigste Erblindungsursache nach dem 65. Lebensjahr. Ursache ist eine Störung an der Netzhaut. Vor allem im Bereich des schärfsten Sehens, der Makula, lagern sich Fette und andere Stoffe ab, so dass die Fähigkeit, scharf zu sehen nach und nach verschwindet. Die Makuladegeneration ist vor allem eine Alterserscheinung. Etwa ein Viertel der 75-jährigen ist von der Erkrankung betroffen.

Als erste Anzeichen bemerken die Betroffenen verzerrtes Sehen, springende Buchstaben, unscharfe Gesichter und verbogene Linien wie beispielsweise an Fensterrahmen. Weiter wird die Umwelt nur noch verschwommen erkannt. Auch in der Ferne nicht zu entziffernde Schilder können einen ersten Hinweis auf diese Erkrankung geben. Nach und nach kann die Sehschärfe weiter abnehmen. Schließlich nimmt man in der Mitte des Gesichtsfeldes nur noch einen großen dunklen Fleck wahr.

Ein einfaches Verfahren zur Erkennung einer Makuladegeneration ist die Nutzung eines Rechenblattmusters, dem sogenannten Amsler-Netz. Betroffene stellen bei diesem Test verzogene Linien und Sehlücken fest. Wenn diese Symptome auftreten, sollte möglichst rasch ein Augenarzt aufgesucht werden.

Nachtblindheit

Nicht nur bestimmte Farben werden von der milchigen Linse herausgefiltert, es gelangt auch insgesamt weniger Licht ins Auge. Die Folge: Nachtblindheit.

Mehrere Faktoren kommen hier zusammen: Zunächst lässt im Alter durch die Eintrübung der Augenlinse die Kontrastempfindlichkeit nach. Ältere Menschen können feine Helligkeitsunterschiede nicht mehr so gut wahrnehmen. Und bei schlechten Lichtverhältnissen führt das z.B. zu Problemen beim Erkennen von Konturen und Gesichtern.

Die Netzhaut wird im Alter immer schlechter durchblutet und mit weniger Nährstoffen versorgt. Nach und nach sterben ca. 30 Prozent der lichtempfindlichen Fotorezeptoren ab – vor allem die Stäbchen, die für das Sehen bei Dunkelheit zuständig sind. Um die gleiche Sehleistung zu erzielen, brauchen ältere Menschen darum viel mehr Licht.

Fehlsichtigkeit

Patientin bei Augenuntersuchung durch den Augenarzt.
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Viele Menschen sind mit einer Sehhilfe unzufrieden, wollen eigentlich keine tragen. Sie stört, sie ist lästig. Viele wollen auf eine Brille ganz verzichten, obwohl sie nötig ist. Kontaktlinsen schaffen zwar Abhilfe, aber nicht jedes Auge eignet sich dafür. Brennende, trockene Augen, Fremdkörpergefühle und tägliche Pflege, werden als störend empfunden.

Mit operativen Korrekturen lassen sich Fehlsichtigkeiten dauerhaft korrigieren. Fragen Sie Ihren Augenarzt, welche Methode für Sie in Frage kommt.

Was die Augen brauchen

Die Augen brauchen für eine gesunde Funktion bis ins hohe Alter eine gute Versorgung mit Vitaminen, mit viel Obst und Gemüse. Zum Beispiel mit Vitamin A aus Karotten oder Kürbis (für das Hell-Dunkel-Sehen) und Lutein aus grünem Blattgemüse (antioxidative Wirkung auf die Netzhaut).

Eines sollte man wissen: Das natürliche Altern der Augen lässt sich nicht verhindern. Und deshalb sollten Risikofaktoren gemieden werden, die das Altern der Augen beschleunigen: Dazu zählt das Rauchen und oft wird auch die Gefahr, die von der UV-Strahlung der Sonne ausgeht, unterschätzt. Die Linse und die Netzhaut werden geschädigt. Tragen Sie eine gute Sonnenbrille mit UV-Filter.

Auch Krankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes oder ein zu hoher Cholesterinspiegel wirken sich ungünstig aus.

Unser Experte

Dr. Frank Rohrwacher
Bildrechte: Dr. Frank Rohrwacher

Dr. Frank Rohrwacher

Dr. Frank Rohrwacher

Augenarzt in Leipzig

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 16. Juli 2020 | 17:00 Uhr