Ein biologisch abbaubarer Kaffeebecher aus Bambus ist während der Naturkostmesse Biofach 2017 zu sehen.
Bambusbecher werden als ökologische Alternative zu Plastikbechern vermarktet. Bildrechte: dpa

Krebserregende Stoffe Bambus-Geschirr kann Gesundheit gefährden

Bambus-Geschirr boomt. Es gilt als natürlich, recyclebar und darf sogar in die Spülmaschine. Doch Untersuchungen haben gezeigt: Tatsächlich ist Bambus-Geschirr gar nicht so ökologisch wie die Werbung es verspricht. Und einige Produkte können sogar die Gesundheit gefährden.

von Constanze Hertel, MDR AKTUELL

Ein biologisch abbaubarer Kaffeebecher aus Bambus ist während der Naturkostmesse Biofach 2017 zu sehen.
Bambusbecher werden als ökologische Alternative zu Plastikbechern vermarktet. Bildrechte: dpa

Bunt bedruckt stehen sie im Supermarkt, in Drogerien und online bekommt man sie sowieso: Bambus-Becher. Als ökologische Alternative zu Wegwerfbechern aus Pappe oder Plaste sind sie zunehmend beliebter geworden. Doch die Bambus-Becher bestehen häufig zu nicht mal der Hälfte aus Bambus.

Gerlinde Schneider, Präsidentin der Landesuntersuchungsanstalt Sachsen, erklärt: "Damit wird auch klar, dass irgendwas anderes das zusammenhalten muss und das ist insbesondere Melaminharz - also Kunststoff im Prinzip - und Formaldehyd. Diese beiden Sachen binden das." Die Formen seien im Grunde aus Kunststoff mit einem Anteil Bambusfasern oder Bambusmehl.

Hoher Kunststoffanteil

Die Landesuntersuchungsanstalt hat im vergangenen Jahr mehrere Schalen und Becher von angeblichem Bambus-Geschirr untersucht. Alle bestanden zu einem großen Teil aus Kunststoff. Also aus dem Material, das der Käufer eines Bambus-Mehrweg-Bechers vermutlich vermeiden wollte.

Das ist zunächst ärgerlich. Es kann aber auch gefährlich werden, erklärt Schneider. Denn bei über 70 Grad - die heißer Tee oder Kaffee schon mal erreichen können - zersetzt sich der Kunststoff. Aus dem Geschirr könnten sich die Stoffe Melamin und Formaldehyd lösen. Diese gerieten dann in Kontakt mit den Lebensmitteln oder direkt mit der Schleimhaut. "Und Melamin kann nierenschädigend sein. Formaldehyd ist krebserregend sowie haut- und schleimhautreizend und kann auch eine allergene Wirkung haben", sagt Schneider.

Rückrufe bei mehreren Händlern

Von den in Sachsen untersuchten Produkten überschritten zwei von neun die EU-Grenzwerte für diese beiden Stoffe. Vergleichbare Tests in anderen Bundesländern kommen auf eine deutlich höhere Quote - in Berlin lagen zum Beispiel von 37 Proben alle über der Grenze. Verschiedene Händler wie Depot, das Dänische Bettenlager oder der Discounter Tedi starteten Rückrufaktionen, nachdem die Ergebnisse veröffentlicht wurden.

Bambus-Becher, die keine Grenzwerte überschreiten, sind selbstverständlich völlig unbedenklich. Und auch die belasteten Becher sind in Ordnung, wenn nichts zu Heißes eingefüllt wird. Experten empfehlen aber, das Geschirr nicht im Backofen oder der Mikrowelle zu verwenden.

Alternativen: Stahl, Glas oder Porzellan

Um sicherzugehen, raten Verbraucherzentralen dennoch zu Bechern aus Edelstahl, Glas oder Porzellan. Oder auch aus dem Kunststoff Polypropylen. Wird dieser Becher lange genug genutzt, ist er noch immer deutlich umweltfreundlicher als die Wegwerfbecher aus Pappe und Plastik.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. Juli 2019 | 06:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Juli 2019, 09:37 Uhr

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3 Kommentare

18.07.2019 23:23 part 3

Statt bambus hätte man auch Altpapier, Sägespäne, Kreide oder einen industriellen Füllstoff nehmen können um das Plastikgeschirr herstellen zu können. Ist der Bambus dann noch in einer Region gewachsen wo Umweltverschmutzung vorherrscht oder ehemalige Kapfstoffe vorkommen, dann können noch mehr Schadstoffe in die Nahrungskette gelangen.

17.07.2019 20:40 Front 2

Hallo mdr,

erstmal ein Danke für diese Nachricht und Hinweis - das war mir so Tatsache nicht bekannt - ich nutze selbst so einen Becher aus Bambus seid einigen Monaten auf Arbeit und trinke mehrmals am Tag Kaffee daraus.
Was nun nicht dieser Bericht von Ihnen mir verrät ist welche Becher denn nun tatsächlich meine Gesundheit gefährdet? Wo finde ich diese Informationen? Mein Vorschlag: In Zukunft bitte, wenn sie solche Nachrichten verbreiten, gleich die entsprechenden Links und Verweise dazu posten. Ja, natürlich kann ich das auch selbst, trotzdem wäre es besser das Links gleich darauf verweisen auf genannte Thematik - liebe Grüße

17.07.2019 17:13 Kiel_oben 1

ok eine Bambus-Fussel lässt uns Husten aber die Plast-Bestecke verrotten in 100 Jahren nicht und Scherben suchen und finden Archäologen schon immer. Irgendwas bleibt aus jeder Epochen im Boden und Meer und seit 1960 im Weltraum (der Schrott müsste auch dort getrennt und gesammelt) und dann Recyclings werden