Arzt mit Gummihandschuhen tastet einer Patientin den Bauch ab.
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Diagnose und Behandlung Bauchschmerzen: Was steckt dahinter?

Divertikel, Blinddarmreizung, Narbengewebe nach einer OP: Bauchschmerzen können verschiedene Ursachen haben. Das erschwert die Suche nach einer Diagnose und der richtigen Behandlung. Wir erklären, wie Ärzte vorgehen.

von Beate Splett und Jana Olsen

Arzt mit Gummihandschuhen tastet einer Patientin den Bauch ab.
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Mediziner unterscheiden Bauchschmerzen zunächst danach, wo sie auftreten. Im oberen Bauchbereich kommen hauptsächlich Magen, Speiseröhre und Galle als Ursprung der Schmerzen in Frage. Dann geht es ins Detail: Mit einem Ultraschall lassen sich schmerzhafte Gallensteine identifizieren, eine Magenspiegelung zeigt Entzündungen der Speiseröhre, der Magenschleimhaut oder ein bestehendes Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür.

Organe im Ober- und Unterbauch.
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Im Unterbauch ist die Diagnostik schwieriger. Sind gynäkologische Ursachen bei Frauen ausgeschlossen, rückt als nächstes der Darm ins Visier. Hierbei wird unterschieden, ob die Schmerzen im linken oder im rechten Unterbauch auftreten. Beschwerden auf der linken Bauchseite deuten auf Divertikel hin. Fast jeder hat solche kleinen Ausstülpungen im Dickdarm, die sich mit zunehmendem Alter entzünden und Beschwerden verursachen können. Schmerzen im rechten Unterbauch sind häufig Anzeichen für einen gereizten oder entzündeten Wurmfortsatz, besser bekannt als Blinddarm.

Entzündungen und Verwachsungen im Darm

Ein Mann hält sich den Bauch vor Schmerzen.
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Häufig ist auch eine Gastroenteritis die Ursache, also eine Entzündung im Darm. Stammt sie von Campylobacter-Erregern, helfen Antibiotika. Hinter den Beschwerden können aber auch Verwachsungen stecken, die sich nach Operationen an größeren Narben bilden und krampfartige, stechende Schmerzen auslösen können. Obwohl dies gar nicht so selten der Falls ist, denken Ärzte oft nicht an diese Möglichkeit, weil sie schwer zu diagnostizieren ist. Ein ausführliches Patientengespräch, ein Ernährungstagebuch, Ultraschall- und CT-Untersuchungen oder eine Darmspiegelung können Aufschluss über den Auslöser der Bauchschmerzen geben.

Diese Bauchschmerzen deuten auf eine Blinddarm-Entzündung hin

Mit 140.000 Operationen jährlich gehört die Blinddarm-OP zu den häufigsten Baucheingriffen in Deutschland. Die Häufigkeit für eine Blinddarm-Entzündung liegt bei 100 von 100.000 Menschen – und es kann Menschen jeden Alters treffen. Rund zehn Prozent der Patienten sind älter als 60 Jahre.

Wurmfortsatz am Blinddarm.
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Eigentlich ist es der Wurmfortsatz, der die Beschwerden hervorruft. Im rechten Unterbauch befindet sich am Ende des Dickdarms der Blinddarm. An ihm hängt der etwa zehn Zentimeter lange Wurmfortsatz, der Appendix. Deshalb sprechen Mediziner von einer Appendizitis. Es wird vermutet, dass er sich entzünden kann, wenn sich dort über längere Zeit Speisereste festsetzen. Früher wurde davor gewarnt, keine Kerne zu verschlucken und Körner gut zu kauen, aber damit hat es nichts zu tun. Vielmehr weiß man nicht genau, was die Reizung oder Entzündung verursacht. Frauen tragen mit 24 Prozent ein etwa doppelt so hohes Risiko, im Laufe ihres Lebens eine akute Blinddarmentzündung zu bekommen, wie Männer. Bei ihnen sind es nur etwa zwölf Prozent.

Man weiß auch, dass eine Appendizitis in westlichen Ländern deutlich häufiger vorkommt, in Ländern Asiens dagegen eher selten. Das spricht für Ernährung und Lebensstil als Ursache. Bei der Diagnose wird zunächst ein Ultraschall gemacht. Ein Blutbild kann Hinweise auf erhöhte Entzündungswerte geben. Auch das Abtasten des Bauches gehört zur Diagnostik. Dabei tastet der Arzt drei typische Druckpunkte ab: Der "Mc Burney-Punkt" liegt im unteren Drittel auf einer Linie zwischen Beckenknochen und Bauchnabel. Das sogenannte "Blumberg-Zeichen" zeigt einen Loslass-Schmerz. Dabei löst Druck auf der linken Bauchdecke beim Loslassen einen Schmerz im rechten Unterbauch aus.  Beim "Rosving-Zeichen" wird im Uhrzeigersinn der Dickdarm in Richtung Blinddarm gestrichen. Auch das löst im Fall einer Blinddarmentzündung den typischen Schmerz aus. Nicht in jedem Fall muss operiert werden, manchmal helfen auch Antibiotika. Da bei schweren Entzündungen das Risiko eines lebensgefährlichen Darmdurchbruchs besteht, ist es eine schwere Entscheidung, die viel Erfahrung erfordert.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 06. Juni 2019 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Juni 2019, 09:23 Uhr