LED-Lampen und Leuchten in einem Baumarkt
Bildrechte: imago/imagebroker

Blaues Licht Wie LED-Licht auf die Augen wirkt

Ob Smartphones, Computer oder Lampen: LEDs sind überall. Sie verbrauchen wenig Energie, doch ihr hoher Anteil an blauem Licht ist auf Dauer schädlich fürs Auge. Selbst der Nachtmodus mancher Geräte ändert daran oft nichts.

von Matthias Toying

LED-Lampen und Leuchten in einem Baumarkt
Bildrechte: imago/imagebroker

"Mein Glaube an LED war grenzenlos", schrieb Erhard Strehlke aus Leipzig kürzlich an die Redaktion von "Hauptsache Gesund". In den Herbst- und Wintermonaten habe er fast jeden Tag etwa drei Stunden bei intensivem LED-Licht gelesen: "Es war eine Stehlampe mit besonders hellem Licht". Nach etwa 18 Monaten habe er zeitweise Kopfschmerzen bekommen, später wurde ihm auch öfter schwindelig und er fühlte sich benommen. Der Augenarzt habe keine Ursache für seine Beschwerden finden können. Er habe sich auch von einem Neurologen untersuchen und von einem Osteopathen behandeln lassen. Alles ohne Erfolg. Nun vermutet er, seine jahrelange intensive Lektüre unter dem kalten Licht der LED-Lampe könne vielleicht der Grund sein.

Mit dem Sonnenlicht verwandt

An einer Straße werden Sonnenbrillen verkauft.
Bildrechte: imago images / ITAR-TASS

"Kein Mensch würde bei intensivem Sonnenlicht mit weit offenen Augen längere Zeit lesen oder gar direkt in die Lichtquelle schauen", meint Prof. Stephan Degle, Leiter des Fachgebiets Augenoptik und Optometrie an der Ernst-Abbe-Hochschule in Jena: "Ganz instinktiv wenden wir uns von der Sonne ab, kneifen die Augen zusammen oder setzen eine Sonnenbrille auf. Die gleichen instinktiven Schutzreaktionen haben wir gegenüber Lichtquellen mit LED-Licht leider noch nicht entwickelt." Dabei sind beide, das natürliche Sonnenlicht und das künstlich erzeugte Licht der LED sozusagen miteinander verwandt. Beide strahlen in einem Wellenbereich von ca. 430 Nanometern, also gerade oberhalb der Schwelle, ab der Licht für uns Menschen sichtbar wird. Wir nennen es das energiereiche blaue Licht. In den frühen Morgenstunden ist es besonders intensiv und erscheint uns tatsächlich blau. Unterhalb von 400 Nanometern ist das Licht unsichtbar, aber als ultraviolettes Licht durchaus spürbar. Das UV-Licht unserer Haut schaden kann, ist hinlänglich bekannt. Der Gedanke, dass energiereiches blaues Licht ebenfalls mit Vorsicht zu genießen ist, findet erst langsam den Weg ins kollektive Bewusstsein. Denn noch ist die LED-Technik ziemlich neu.

Märchenhafte Umsätze

Nahaufnahme eines LED-Lichts
Bildrechte: imago images / CHROMORANGE

Erst Mitte der 1990er-Jahre kamen LEDs auf den Markt. Die Abkürzung steht für Light Emitting Diodes, also Licht aussendend Dioden, kurz Leuchdioden. Die LEDs setzten sich, befördert durch politische Entscheidungen, sehr schnell durch. Die Wirtschaftsberatung McKinsey schätzt, dass der Umsatz mit LED-Lampen auf dem Europäischen Markt geradezu explodieren wird: von einer Milliarde Euro 2011 auf 14 Milliarden Euro im Jahr 2020. Schon heute ist jede zweite Außenleuchte eine LED, und wer für zu Hause etwas anderes als LED kaufen möchte, muss schon intensiv suchen. Ob ihr Licht gesund ist, den vielen Millionen Nutzern zumindest nicht schadet, steht auf einem anderen Blatt.

Forschungsergebnisse umstritten

"In den letzten Jahren wurden einige Tierversuche durchgeführt", erklärt Prof. Degle. "Die haben gezeigt, dass ein hoher Blaulichtanteil – insbesondere wenn man dem dauerhaft ausgesetzt ist – die Netzhaut extrem schädigen kann. Das kann sogar bis hin zur Erblindung führen." Kritiker dieser Versuche sehen das anders. Kein Mensch würde über Tage hinweg ständig in Lichtquellen schauen, wie die Versuchstiere im Labor. Im Übrigen sei das menschliche Auge mit dem von Ratten oder Affen ohnehin nicht vergleichbar. Ein Fakt aber lässt sich kaum bestreiten, denn er wurde in unzähligen In- vitro-Versuchen, also an isolierten lebendigen Zellen im Reagenzglas, nachgewiesen: Das blaue Licht stört das komplizierte System der Sehzellen in der Netzhaut. Seine hohe Energie führt dort zur Bildung freier Radikale, die den Sehzellen schaden. Es sterben mehr Zellen ab, als neue nachwachsen können. So wird der Alterungsprozess des Systems beschleunigt und das Sehvermögen verschlechtert sich allmählich. Das blaue Licht steht sogar im Verdacht, eine Ursache für die Altersbedingte Makula-Degeneration (AMD) zu sein.  

Technik in den Kinderschuhen

Mann mit Smartphone und Tablet nachts im Auto
Bildrechte: imago images / Westend61

LED wird überall eingesetzt, auch in Bildschirmen von Computern und Smartphones. Gemessen an der Zeit, die wir täglich an Bildschirmen verbringen, sei die Technik aber noch vollkommen unterentwickelt, kritisiert Prof. Degle: "Unsere modernen Bildschirme sind flach. Sie können nur von den Außenkanten her beleuchtet werden. Damit das Licht bis zur Mitte des Bildschirms gelangt und sich gleichmäßig verteilt, werden besonders starke LEDs benötigt. Keineswegs aber müssten die LEDs ständig derart hohe Blaulichtanteile haben." Vielmehr sollten sie steuerbar sein oder sich dem natürlichen Licht anpassen.  

So könnten sie am Morgen einen höheren Blaulichtanteil haben, denn blaues Licht macht uns wach. Nachmittags und abends sollte der Anteil an blauem Licht geringer sein. Das würde nicht nur die Augen weniger belasten, sondern auch unseren Wach- und Schlafrhythmus weniger stören. "Wir haben verschiedene Smartphones und sogenannte E-Reader auf ihren Blaulichtanteil hin getestet. Fast alle haben inzwischen einen sogenannten Nachtmodus, bei dem der Bildschirm weniger hell und gelblicher erscheint. Eigentlich sollte man erwarten, dass im Nachtmodus der Anteil des wach machenden blauen Lichts wesentlich reduziert ist. Leider war das Ergebnis nicht so eindeutig." Er sei überrascht, wie viel blaues Licht die Geräte im Nachtmodus noch ausstrahlen: "Damit ist eines klar: Das Smartphone im Bett ist auf lange Sicht gesundheitsschädigend."

Was tun?

Um sich vor den möglichen negativen Auswirkungen der Blaulichtstrahlung zu schützen, können wir derzeit vor allem unser Verhalten ändern, wenn möglich, weniger Zeit vor Bildschirmen verbringen. Wir sollten Leselampen verwenden, die einen Lichtfarbwechsler haben, mit dem der Blaulichtanteil herausgeregelt werden kann. Für Computerbildschirme gibt es inzwischen Software, die den Bildschirm an die Tageszeit anpasst: "Und noch eines", ergänzt Prof. Degle und er scheint es ernst zu meinen: "Ich empfehle die gute alte Glühbirne!"

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 24. Oktober 2019 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Oktober 2019, 14:37 Uhr