Burnout
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Wenn die Seele krank ist Burn-out: Anzeichen erkennen und vorbeugen

Stress und Hektik sind allgegenwärtig in unserem Leben. Wer unter Dauerstrom steht, läuft Gefahr, auszubrennen. Wie sich ein Burn-out ankündigt und wie man vorbeugen kann, erklärt Experte Dr. Klaus von Ploetz.

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Wie entsteht ein Burn-out?

Ein Burn-out hat selten nur eine einzige Ursache und auch wenn vieles noch nicht restlos geklärt ist, ist mittlerweile klar, dass während eines Burn-outs der Stoffwechsel des Gehirns gestört ist: die Nervenbotenstoffe Serotonin, Noradrenalin oder Dopamin sind aus der Balance geraten. Ursache ist das gestörte Kontrollsystem für Stresshormone: Die dauerhafte Überaktivität des Stresshormonsystems stört den Nervenzellstoffwechsel so sehr, dass Produktion und Abbau der Botenstoffe aus der Balance geraten. Sie sind entweder in zu geringer Konzentration vorhanden oder aber die Übertragung funktioniert nicht mehr richtig.

Wird dadurch die Übertragung zwischen den Nervenzellen gestört, so schlägt sich das nach und nach auch in den Gefühlen und Gedanken nieder und führt zu fehlendem Antrieb, zu Appetit- und Schlaflosigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und anderen Symptomen. Antidepressive Medikamente setzen an dieser Stelle an und bringen den Hirn-Stoffwechsel wieder ins Gleichgewicht, indem sie die Stresshormonregulation normalisieren.

Burn-out oder Depression – was sind die Unterschiede?

Das Burn-out-Syndrom kann als Vorstufe einer Stressdepression bezeichnet werden. Der ursprüngliche Begriff beschreibt eine Erschöpfungsdepression, die aus beruflicher Dauerbelastung entsteht. Frauen sind mehr von Burn-out betroffen, da sie oft der zusätzlichen Belastungen aus Haushalt und Familie ausgesetzt sind.

Burn-out ist gekennzeichnet durch Energieverlust, reduzierte Leistungsfähigkeit, Gleichgültigkeit, Zynismus und Unlust. Häufig genügt bei durch eine Dauerstressbelastung ein nur noch relativ geringer Auslöser (zum Beispiel Jobwechsel), um die Erkrankung zum Ausbruch zu bringen.

Unklare körperliche Beschwerden

  • verstärktes Schwitzen
  • Schwindel
  • Kopfschmerzen
  • Magen-Darm-Probleme
  • Muskelschmerzen
  • Schlafprobleme

Eine junge Frau schaut traurig durch eine regennasse Fensterscheibe.
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Das Burn-out-Syndrom kann sich bis zu einer schwergradigen Depression entwickeln. Steigende Erwartungen und zunehmender Druck am Arbeitsplatz, wie mangelnde Anerkennung haben zu einer Zunahme dieses Erschöpfungszustandes geführt.

In den letzten Jahren haben sich die Arbeits- und Lebensbedingungen stark verändert und stellen neue Anforderungen an die Gesundheit und vor allem den richtigen Umgang mit beruflichem Stress.

Vier typische Hauptmerkmale des Burn-outs

  1. Erschöpfung: das Gefühl, körperlich und emotional dauerhaft entkräftet und ausgelaugt zu sein
  2. Zynismus: eine distanzierte, gleichgültige Einstellung gegenüber der beruflichen Tätigkeit bei vorhergehendem sehr großem Engagement und Einsatz
  3. Ineffektivität: das Gefühl beruflichen und privaten Versagens sowie der Verlust des Vertrauens in die eigenen Fähigkeiten
  4. Ohnmacht: das Gefühl der Hilflosigkeit und des Kontrollverlustes

Welche Faktoren begünstigen die Entstehung eines Burn-outs?

  • Arbeitsüberlastung
  • Zeitdruck
  • Unerreichbare, unrealistische Ziele – von außen vorgegeben, aber auch selbst gestellt
  • Kontrollverlust: Mangel an Einfluss auf die Arbeitsgestaltung, die Aufgaben oder die Abläufe
  • Fehlende Wertschätzung, Anerkennung oder Belohnung durch Rückmeldung, Lob, Lohn oder Weiterbildungen
  • Mangel an Gemeinschaft oder Zusammenhalt
  • Mangel an Fairness
  • Wertekonflikt: Es müssen Aufgaben erledigt werden, die nicht dem eigenen Wertesystem oder Weltbild entsprechen und die innerlich abgelehnt werden
  • Unscharfe Grenze zwischen Arbeitswelt und Privatleben, zum Beispiel durch ständige Erreichbarkeit über das Smartphone

Wie kann man einem Burn-out vorbeugen?

Eine Frau liegt auf einer Massageliege und wird mit einem Öl begossen
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Damit man gar nicht erst am Burn-out-Syndrom erkrankt, sollte man auf sich und seine persönlichen Bedürfnisse achten. Auch in stressigen Situationen sollte man sich kleine Pausen gönnen und im Privatleben versuchen, den Job auszublenden. Es ist also keine gute Idee, auch in der Freizeit nur mit Kollegen befreundet zu sein und mit ihnen ausschließlich über den Beruf zu reden. Wichtig ist auch, dass man seinen Hobbys regelmäßig nachgeht. So schwer es sein mag: Wer ein Ausbrennen verhindern will, muss auch im Beruf Grenzen setzen und lernen, auch mal "Nein" zu sagen.

Individuelle Therapiemöglichkeiten

  • Therapeutische Stressbewältigungsverfahren
  • Aktives Stressbewältigungstraining und Stressmanagement
  • Autogenes Training
  • Progressive Muskelentspannung
  • Biofeedback, Neurofeedback
  • Tai-Chi-Qigong
  • Craniosacraltherapie
  • Massage
  • Fussreflexzonenmassage
  • Hydrotherapie (z.B. Kneipptherapie)
  • Aromatherapie
  • Akupunktur
  • Neuraltherapie
  • Pilates

Tipps für mehr Entspannung

Stress gehört zum Leben dazu. Allerdings braucht der Körper regelmäßig Ruhe und Entspannung, denn Dauerstress zehrt an den Nerven, treibt den Blutdruck in die Höhe, lähmt die Verdauung und schwächt das Immunsystem. Hier ein paar Tipps, die beim Entspannen helfen.

Pausen einlegen

Ein Tag oder ein Abend in der Woche gehört nur Ihnen! In dieser Zeit sollten Sie nur das tun, was Sie wirklich wollen und worauf Sie Lust haben. Damit schaffen Sie ausreichend Abstand zum Alltagsstress.

Bewegung tut gut

Regelmäßige Bewegung ist nicht nur für die Figur gut, sondern baut auch Stress ab. Außerdem werden beim Sport Glückshormone freigesetzt. Das Hilft bei der Überwindung des inneren Schweinehunds. Ein ausgedehnter Spaziergang reicht oft schon.

Richtig ernähren

Auch die Ernährung spielt beim Stressabbau eine große Rolle. Nüsse, Naturreis, Schokolade, Bananen und Chili setzen ebenfalls Glückshormone frei.

Bewusst Atmen

Atmen ist eine Grundfunktion des Körpers, die wir nicht weiter beachten. Etwa fünf Minuten bewusst ein- und ausatmen bringt Ruhe und tiefe Entspannung.

Wasser über die Hand

Steigt der Druck im Job binnen kürzester Zeit sehr stark an, hilft manchmal auch kaltes Wasser aus der Leitung. Das Wasser einfach zwei bis drei Minuten über die Pulsadern laufen lassen.

Farben wirken lassen

Rot, gelb, blau oder grün – jeder hat seine Lieblingsfarbe, die er sich unbewusst ausgewählt hat. Farben wirken auf unsere Gefühle. Blau und Rosa beruhigen, Rottöne bringen Power und Kraft, Grün macht glücklich und Gelb fördert die Kreativität.

Auf die Musik kommt's an

Stress, Traurigkeit und schlechte Laune – die richtige Musik bringt Sie schnell auf andere Gedanken und hilft, Abstand vom Alltagsstress zu gewinnen.

Stille genießen

Kein Handyklingeln, kein Gespräch, keine Musik – Stille kann helfen, wieder klar zu denken und sich seinen Gefühlen bewusst zu werden. Auch ins Leere zu starren baut Stress ab und gibt Kraft für neue Aufgaben.

Gerüche wahrnehmen

Gerüche beeinflussen uns mehr als wir denken. Dabei ist es wichtig, die richtigen Düfte wahrzunehmen. Entspannung bringen die Düfte von Rosen, Zitronen, Lavendel, Zimt und Anis.

Unser Experte

Klaus von Ploetz
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Dr. Klaus von Ploetz

Dr. Klaus von Ploetz

Facharzt für Neurologie und Psychiatrie
Gezeiten Haus Schloss Wendgräben bei Magdeburg

Foto: Gezeiten Haus

Dieses Thema im Programm: MDR um 4 | 25. März 2019 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. März 2019, 09:20 Uhr