Frau kratzt sich ihren Rücken.
Bildrechte: imago images / Panthermedia

Krankhaftes Jucken Chronischer Juckreiz: Wenn die Haut verrückt spielt

Langanhaltender Juckreiz tritt nicht nur bei Hauterkrankungen wie Schuppenflechte oder Neurodermitis auf. Auch andere Organe können das Leiden auslösen. Wir zeigen, wie man Haut und Kopfhaut mit Hausmitteln und selbstgemachten Pflegeprodukten beruhigen kann.

von Cornelia Birr

Frau kratzt sich ihren Rücken.
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Er ist nervig, lästig und eine ernstzunehmende Krankheit: Chronischer Juckreiz, fachsprachlich Pruritus, ist alles andere als nur ein bisschen Kratzen auf der Haut. Bis zu 25 Prozent der Bevölkerung sind im Laufe ihres Lebens von dem Problem betroffen, das die Lebensqualität oft grundlegend einschränkt – in einem Maß, das vergleichbar mit den Auswirkungen chronischer Schmerzen ist, wie eine Studie der Universität Heidelberg ergab. Zudem stellt der Drang zum ständigen Kratzen eine psychische Belastung dar: "Manche Patienten entwickeln darunter depressive Episoden oder sogar Depressionen und Angststörungen", sagt Dr. Claudia Zeidler, Dermatologin am Universitätsklinikum Münster. Dort gibt es seit 2002 das "Kompetenzzentrum Chronischer Pruritus", eine Juckreizambulanz, in der Spezialisten aus verschiedenen Fachgebieten Patienten mit länger als sechs Wochen anhaltendem Juckreiz behandeln.

Kranke Leber als Auslöser

Häufig wird die Ursache des Leidens lange Zeit nicht erkannt. Nicht immer ist tatsächlich die Haut erkrankt, auch wenn sich der Reiz hier manifestiert. Ein möglicher Ausgangspunkt sind Erkrankungen der Leber oder der Galle. Man spricht dann vom sogenannten cholestatischen Juckreiz. Der ist am Abend und in den frühen Nachtstunden am stärksten und tritt üblicherweise an den Extremitäten auf: "Es ist ganz klassisch, dass Patienten, die Juckreiz aufgrund einer Lebererkrankung haben, beschreiben, dass er entweder an den Handinnenflächen und Fußsohlen angefangen hat oder dort trotz Therapie noch besonders schlimm vorhanden ist", bestätigt Claudia Zeidler. Wie genau der cholestatische Juckreiz entsteht, ist wissenschaftlich bislang nicht geklärt.

Verschiedene Ursachen, verschiedene Therapien

Auch beim sogenannten neuropathischen Juckreiz liegt die Ursache nicht dort, wo es juckt, sondern ganz woanders: Er entsteht, wenn Nerven beschädigt werden, beispielsweise durch Druck. Drückt also ein Bandscheibenvorfall an der Halswirbelsäule auf die Nervenfasern im Rückenmark, wird der dort liegende Nerv so gereizt, dass er in der Region im Körper, die er versorgt, Juckreiz auslöst. Und mehr noch: "Typisch für den neuropathischen Pruritus ist, dass die Patienten nicht nur reines Jucken beschreiben, sondern auch ein Brennen und Stechen", so Claudia Zeidler. Die Empfindungen würden oft wie Nadelstiche oder elektrische Schocks beschrieben. Ebenfalls charakteristisch: "Die Patienten geben meist einen streng lokalisierten Juckreiz in einem Areal an." Die Symptomatik lässt sich sogar nachweisen – in Proben betroffener Haut finden sich deutlich weniger Nervenfasern als normal. Auch Dialyse-Patienten sind häufig von chronischem Juckreiz betroffen. Zudem kann das Leiden als Folge von Krebstherapien sowie bei psychiatrischen und neurologischen Krankheiten auftreten. So unterschiedlich wie die Ursachen sind auch die Therapien. Bei manchen Patienten wirken Medikamente, die für den Juckreiz verantwortliche Rezeptoren blockieren. Anderen helfen Psychopharmaka und Anti-Histaminika.

Hilfe aus der Natur

Yael Adler
Dr. Yael Adler Bildrechte: IMAGO

Wer nicht gleich zur Pharmakeule greifen möchte, kann krabbelnder Haut mit Hausmitteln zu Leibe rücken. Yael Adler, Hautärztin aus Berlin, schwört auf die lindernde Wirkung von Umschlägen mit Schwarztee: Dazu tränkt man einen Wickel mit unparfümiertem Schwarztee und legt ihn auf die juckende Stelle oder, im Falle einer Neurodermitis oder Schuppenflechte, auf das Ekzem. Sind die Augenlider betroffen, kann man auch Teebeutel anfeuchten und direkt auf die Lider legen. Durch die Gerbstoffe im Tee ziehen sich die Poren der Haut zusammen. Dadurch verliert die Haut weniger Flüssigkeit, eventuelle Entzündungen gehen zurück.

Auch für gereizte Kopfhaut weiß Yael Adler natürliche Abhilfe: Selbstgemachtes Roggenmehlshampoo fördert durch das im Mehl enthaltene Vitamin B5 (Panthenol) die Wundheilung, sorgt für einen pH-Wert von 5,5 und damit für einen gesunden Säureschutzmantel. Dafür rührt man 20 bis 30 Gramm Mehl mit warmem Wasser an, lässt den Brei abkühlen und arbeitet ihn in die Haare ein. Nach einer Einwirkzeit von fünf Minuten wäscht man die Haare aus. Eine Spülung aus Apfelessig hingegen kann unerwünschte Kopfhautkeime vertreiben. Dazu gibt man einen bis zwei Esslöffel Apfelessig auf einen Liter Wasser und spült die Haare damit aus.

Spezialtextilien: Silber- und Zinkfäden gegen Juckreiz

Wer unter Hautkrankheiten leidet, verträgt oft bestimmte Kleidungsstoffe nicht. Spezial-Textilien mit eingewebten Silber- oder Zinkfäden sollen da Abhilfe schaffen. Forscher der Uniklinik Jena untersuchen derzeit, wie die Spezialkleidung auf Mikroorganismen wirkt, die bei jedem Menschen auf der Haut leben und dort Juckreiz verursachen. Um möglichst realitätsnahe Ergebnisse zu bekommen, werden die Textilproben in Kunstschweiß aufgelöst. Mit vielversprechendem Ergebnis: "Die Mikroorganismen, die für den Patienten schädlich sind, werden durch die Zink- oder Silber-Ionen so geschädigt, dass sie absterben", sagt Biochemikerin Cornelia Wiegand. Um besonders hautfreundlich zu sein, sind solche Textilien auch besonders fein gewebt: Je glatter die Oberfläche, desto hautverträglicher ist ein Stoff.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 21. November 2019 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. November 2019, 11:02 Uhr