Argumente für AHA+L-Regeln Hohes Corona-Risiko durch Aerosole im Raum

Computersimulationen japanischer Forscher zeigen, dass in geschlossenen Räumen das Coronavirus vor allem durch feinste Partikel in der Atemluft übertragen wird. Die AHA-Infektionsschutzmaßnahmen und häufiges Lüften senken das Risiko.

Grafik von Aerosol Übertragungen von zwei Menschen
Mikropartikel in der Atemluft spielen eine entscheidende Rolle bei der Übertragung von Coronaviren. Bildrechte: imago images/Science Photo Library

Die sogenannten AHA-Regeln im Kampf gegen die Corona-Pandemie (Abstand, Hygiene, Alltagsmasken) sind durch ein L ergänzt worden. L steht für regelmäßiges Lüften von Innenräumen. Besonders wichtig ist das jetzt in der kalten Jahreszeit, wo sich die Menschen häufiger in geschlossenen Räumen aufhalten.

Mit diesen vier Maßnahmen kann das Infektionsrisiko durch sogenannte Aerosole in der Atemluft effektiv gesenkt werden, wie RKI-Präsident Lothar Wieler betont. Er verwies dabei auf Computersimulationen japanischer Forscher:

Eine Animation. Zwei Menschen sitzen eng nebeneinander. Eine Person spricht. Dabei fliegen Tropfen in verschiedenen Farben umher. 1 min
Japanischer Supercomputer Fugaku simuliert Ausbreitung von neuartigen Coronaviren in Innenräumen Bildrechte: Reuters

Luftfeuchtigkeit spielt entscheidende Rolle

Die Wissenschaftler des Forschungsinstituts Riken und der Universität Kobe fanden heraus, dass zu den bekannten AHA-Schutzvorkehrungen in geschlossenen Räumen weitere Faktoren kommen. Berechnungen mit einem Supercomputer zeigen, wie sich Aerosole (feste oder flüssige Mikropartikel in der Luft) unter verschiedenen Bedingungen verbreiten. Eine große Rolle spielen dabei die Luftfeuchtigkeit und Anordnung von Menschen im Raum.

Das Ansteckungsrisiko ist bei trockener Luft deutlich höher ist als bei feuchter. Im Winter ist durch Heizungswärme im allgemeinen die Luft in geschlossenen Räumen sehr trocken. Mit einer Verdoppelung der Luftfeuchtigkeit auf 60 Prozent halbiert sich demnach die Infektionsgefahr. Wo ein häufiges Lüften nicht möglich ist, empfehlen die Forscher Luftbefeuchter.

Auch beim Singen gibt es ein hohes Infektionsrisiko, die Forscher raten in Chören zu größeren Abständen als den üblichen anderthalb Metern.

Plastik-Visier wenig effektiv

Den Untersuchungen zufolge können Aerosole bei ruhiger Luft stundenlang im Raum schweben. Daher sei ein regelmäßiger Luftaustausch wichtig, erklärten die Forscher.

Außerdem zeigte sich bei Versuchen, dass beim Tragen eines Plastik-Visiers (Face-Shield) als Mund-Nasen-Bedeckung deutlich mehr Aerosole verbreitet werden als von Menschen mit einer Alltagsmaske aus Stoff oder Flies.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 15. Oktober 2020 | 13:00 Uhr