Coronavirus Sollten Besuche im Altenpflegeheim beschränkt werden?

Jessica Brautzsch
Bildrechte: MDR/Markus Geuther

Das Coronavirus Sars-Cov-2 ist für Senioren besonders gefährlich. In Frankreich sollen deshalb Familien ihre Angehörigen in Altenpflegeheimen nicht mehr besuchen. In Deutschland gibt es keine einheitlichen Regeln. Bislang kann jede Einrichtung selbst entscheiden, wie sie damit umgeht. In Sachsen-Anhalt arbeitet das Gesundheitsministerium an einer Empfehlung. Doch Verbote soll es nicht geben.

Oma im Rollstuhl lächelt Enkelkind an.
Das Coronavirus gefährdet vor allem alte und kranke Menschen. Deswegen wird mancheorts davon abgeraten, Angehörige in Altenpflegeheimen zu besuchen. Bildrechte: imago/Westend61

Das Haus der Generationen in Halle vereint unter einem Dach eine Grundschule, ein Familienkompetenzzentrum und ein Altenpflegeheim. Die 60 Bewohner des Pflegeheims sitzen gerade beim Kaffeetrinken. Zettel an der Schiebetür zum Foyer informieren über das Coronavirus und die Grippe.

Derzeit behandelt die Einrichtung das neuartige Coronavirus wie die alljährliche und für alte Menschen ähnlich gefährliche Influenza. Susanne Pfeuffer, Pflegedienstleiterin in der Paul-Riebeck-Stiftung, zu der das Haus der Generationen gehört, ist die Hygienebeauftragte der Franckeschen Stiftungen. Ihr ist vor allem eines wichtig:

"Wir sind sehr bemüht, keine Panik ausbrechen zu lassen. Das fängt damit an, dass ich in meiner Funktion Ruhe ausstrahle. Ich informiere die Mitarbeiter entsprechend, gehe mit den Angehörigen ins Gespräch und informiere immer wieder über die allgemeinen Hygieneregeln."

Der Ernstfall wird geprobt

Neben den allgemeinen Hygiene-Empfehlungen arbeiten alle Bereichsleiter der Stiftung derzeit an einem Pandemieplan. Dieser sieht unter anderem vor, Schutzausrüstungen und Desinfektionsmittel zu kaufen oder auch den Ernstfall durchzurechnen, erklärt Pfeuffer:

"Wie können wir die Mahlzeitenversorgung sicherstellen? Was braucht es unbedingt an Reinigungsleistung? Auf welches Maß an grundpflegerischen Leistungen können wir unsere Arbeit reduzieren?"

Mit einer Maßnahme tut sich Susanne Pfeuffer allerdings etwas schwerer, nämlich dem Besucherstopp für die Bewohner: "Die Bewohner sind hier im Pflegeheim, die wenigsten davon haben den Schritt freiwillig, aus eigener Initiative getan. Und dann sage ich, ihre Angehörigen dürfen nicht mehr kommen. Das macht natürlich was mit den Bewohnern."

Sollte es doch zu einer Infektion kommen, würde aber auch diese Maßnahme im Altenpflegeheim der Paul-Riebeck-Stiftung diskutiert werden müssen.

Diakoniewerk Halle gegen Besuche

Das Diakoniewerk in Halle geht da auf Nummer sicher. Bereits Anfang der Woche wurden Angehörige gebeten, die Bewohner der Diakonie-Altenheime nicht mehr zu besuchen, sagt Udo Israel, Unternehmenssprecher der Diakoniewerke:

"Das ist eine Risikogruppe. Infektionen sind wesentlich gefährlicher. Deshalb sagen wir: Wir riegeln nicht ab, aber wir bitten darum, nicht jeden Tag Besuch zu bekommen. Das kommunizieren auch nach draußen."

Ausnahmen würden aber mit den Angehörigen verhandelt werden. Diese sollten besonders für kranke Bewohner oder jene, die im Sterben liegen, gemacht werden. Auch das Seniorenzentrum AGO in Halle-Neustadt hat sich zu diesem Schritt entschieden.

Gesundheitsministerium erarbeitet Empfehlungen

Demnächst dürften solche Entscheidungen auch von landespolitischer Seite gestützt werden. Im Gesundheitsministerium von Sachsen-Anhalt werden derzeit neue Empfehlungen für Pflege-Einrichtungen angesichts des Coronavirus formuliert, sagt Sprecherin Uta Albersmann:

"Wir werden empfehlen, sich das Thema Kontakt-Minimierung genau zu überlegen. Das heißt nicht, dass wir sagen, es darf kein Besuch rein oder raus. Sondern einfach, dass man sich des Themas annimmt." So solle zum Beispiel jemand, der erkältet ist, sich nochmal genau überlegen, ob seinen Angehörigen im Altenheim tatsächlich besuchen sollte.

Denn neben Händewaschen sei die Kontakt-Minimierung die Maßnahme, die den meisten Schutz biete. Die neuen Empfehlungen sollen die Altenpflegeheime noch in dieser Woche erhalten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 10. März 2020 | 07:18 Uhr

10 Kommentare

CrizzleMyNizzle vor 32 Wochen

Ach und Sie sind noch schlauer...
Was ist wohl besser? Ein paar Wochen auf Nummer sicher und die Alten bleiben gesund... ooooder die Leute werden besucht und im Altenheim breitet sich Convid19 aus. Manchmal frage ich mich echt was in Köpfen wie dem ihrigen vorgeht.
Und mir dann noch was schlechtes wünschen, klasse "menschliche" Einstellung!

Critica vor 32 Wochen

Na Chrizzle, Sie sind aber auch eine von den ganz Schlauen. Was wissen Sie schon von der Einsamkeit alter Menschen? Wohl eher wenig oder nichts. Möglicherweise werde Sie das aber mal selbst erfahren und dann ganz anders darüber denken, so hoffe ich.

CrizzleMyNizzle vor 32 Wochen

"Es würde doch genügen, die Angehörigen zu belehren, dass nur gesunde Personen eingelassen werden. Da müsste man auf Vernunft setzen, wie in anderen Lebensbereichen auch."
Sie können die Virus haben und nichts von Wissen, Ihre Mutter weiß es dann ein paar Tage später wenn Sie mit Komplikationen im Sterben liegt...

"Dann sterben die alten Leute an Einsamkeit."
Ob die Leute an Einsamkeit sterben weil jetzt für einige Wochen niemand kommt, ist anzuzweifeln.
Es gibt schließlich noch Telefone (wenngleich das nicht für alle alten Menschen etwas ist). Auf jeden Fall ist die vorübergehende Einsamkeit besser als an der Lungenkrankheit wegzusterben.