Hintergrund Fragen und Antworten zum neuen Coronavirus

In China hat das neue Coronavirus Sars-CoV-2 eine Krankheitswelle ausgelöst. Erinnerungen an den Sars-Erreger vor 18 Jahren werden wach. Woher stammt das neue Virus und wie gefährlich ist es? Fragen und Antworten.

Illustration - Coronavirus 2019-nCoV
Illustration des Coronavirus. Bildrechte: dpa

Was ist das Coronavirus?

Coronaviren gibt es seit Jahrzehnten. Sie infizieren sowohl Menschen als auch Tiere. Die Viren lösen unterschiedliche Krankheiten aus, von einer einfachen Erkältung bis hin zu potenziell tödlich verlaufenden Krankheiten. Beispielsweise wurde die Atemwegserkrankung Sars ebenfalls von Coronaviren ausgelöst. Das neue Coronavirus mit der Bezeichnung Sars-CoV-2 tauchte in China erstmals im Dezember vergangenen Jahres auf und wurde Anfang 2020 identifiziert.

Wie gefährlich ist das Coronavirus?

Das neue Coronavirus kann zu schweren Atembeschwerden, Lungenentzündungen und hohem Fieber führen. Die Erkrankung wird Covid-19 genannt.

  • "Co" für Corona
  • "vi" für Virus und
  • "d" für "Disease", englisch für Krankheit


Wie gefährlich das Virus tatsächlich ist, können Experten noch nicht sagen. Die bisher bekannten Fälle aus Deutschland verlaufen Ärzten zufolge aber eher glimpflich.

In China wurde eine Sterblichkeitsrate von 2,1 Prozent errechnet, von 100 Erkrankten sterben statistisch gesehen also zwei. In der schwerbetroffenen Metropole Wuhan erreichte die Sterblichkeitsrate laut chinesischer Gesundheitskommission allerdings 4,9 Prozent.

#MDRklärt Von Symptomen bis Inkubationszeit: Hinweise zum Coronavirus

Coronavirus unter dem Mikroskop
Bildrechte: Center for Disease Control/epa/dpa
Coronavirus unter dem Mikroskop
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Eine Krankenschwester in Schutzkleidung telefoniert in der Nähe eines Krankenwagens.
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Gibt es ähnliche Krankheiten?

Das neue Coronavirus ist nach Analyse des Berliner Virusforschers Christian Drosten eine Variante des Sars-Erregers. Sars tauchte 2002 ebenfalls zunächst in China auf. Weltweit erkrankten daran rund 8.000 Menschen. Hier starb damals ungefähr jeder zehnte Patient.

Wie wird das Virus übertragen?

Das Virus ist von Mensch zu Mensch übertragbar. Das geschieht wahrscheinlich über Tröpfcheninfektionen, also durch das Einatmen von Erregern aus der Luft, wenn ein Erkrankter etwa hustet oder niest. Zudem kann das Virus bereits während der Inkubationszeit übertragen werden. Das heißt, das Virus wird übertragen, noch bevor ein Erkrankter Symptome gezeigt hat, was die Gefahr einer Ansteckung erhöht.

Wie lange dauert die Inkubationszeit?

Die Experten gehen momentan davon aus, dass bis zu 14 Tage zwischen der Ansteckung und dem Ausbruch der Krankheit vergehen können.

Welche Symptome treten nach einer Ansteckung auf?

Fieber und Atemprobleme sind die eindeutigsten Anzeichen der Erkrankung. Die oberen Atemwege sind kaum betroffen. Es gibt beispielsweise keinen Schnupfen.

Wie wird die Krankheit behandelt?

Das Virus kann nicht direkt behandelt werden. Einen Impfstoff gibt es ebenfalls noch nicht. Ärzte können allerdings die Symptome bekämpfen. Patienten können etwa beatmet werden oder zusätzliche Flüssigkeit erhalten. Bei einer begleitenden bakteriellen Infektion kann Antibiotika verabreicht werden.

Deutsche Wissenschaftler vom Forschungscampus Mittelhessen haben inzwischen einen künstlichen Wirkstoff gefunden, der die Vermehrung des Coronavirus im Körper hemmt. Sie nahmen als Vorbild den aus einer Mahagonipflanze gewonnenen Naturstoff Silvestrol, dessen Wirksamkeit gegen Coronaviren bereits bekannt war.

Was ist zu tun, wenn ein Anfangsverdacht besteht oder Symptome auftreten?

Wer sich in einem Risikogebiet aufgehalten hat oder Kontakt zu nachweislich mit dem Coronavirus erkrankten Person hatte und innerhalb von 14 Tagen Symptome wie Fieber oder Atemwegsprobleme entwickelt, sollte in die Arztpraxis oder ins Krankenhaus gehen. Vor dem Arztbesuch sollten die Praxis oder das Krankenhaus angerufen werden, damit das Personal Vorsichtsmaßnahmen ergreifen kann.

Kommen Erkrankte in Quarantäne?

Im Verdachtsfall erfolgt eine Laboruntersuchung. Das Gesundheitsamt wird informiert und leitet gegebenenfalls weitere Maßnahmen ein. Wer aus einem Infektionsgebiet nach Deutschland zurückkehrt, soll 14 Tage in Quarantäne kommen. So ist es zum Beispiel mit den 124 China-Rückkehrern geschehen, die das Auswärtige Amt aus der Region Hubei abholen ließ. Die zwei nachweislich Infizierten darunter wurden sofort in die Uniklinik in Frankfurt am Main gebracht.

Wie kann man sich vor einer Ansteckung schützen?

Es werden die gleichen Maßnahmen empfohlen, die auch grundsätzlich zur Vermeidung von Erkältungen und Grippe gelten: Regelmäßiges Händewaschen und Kontakt mit Erkrankten meiden. Es ist derzeit nicht einschätzbar, wie ansteckend der neue Coronavirus ist. Fachleute vermuten aber, dass es weniger ansteckend ist als die saisonale Grippe oder die Masern.

Helfen Schutzmasken für Mund und Nase?

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts reduziert das Tragen einer Schutzmaske das Ansteckungsrisiko nicht wesentlich. Lediglich für medizinisches Personal beziehunsgweise Angehörige, die direkten Kontakt zu Patienten haben, ist das empfehlenswert. Außerdem sollten Erkrankte einen Schutz tragen, um andere weniger leicht zu infizieren.

Gibt es eine Reisewarnung für China?

Das Auswärtige Amt hat eine Teilreisewarnung ausgesprochen. Vor Reisen in die Provinz Hubei wird ausdrücklich abgeraten. Das Auswärtige Amt empfiehlt zudem, nicht notwendige Reisen nach China zu verschieben.

Woher kommt das Virus?

Die ersten Infektionen werden mit einem inzwischen geschlossenen Fischmarkt in Wuhan in Verbindung gebracht, auf dem auch Wild- und exotische Tiere verkauft wurden. In einer Studie wurden Schlangen als wahrscheinliche Überträger von Sars-CoV-2 genannt. Andere Experten halten Fledermäuse für wahrscheinlicher. Womöglich spielen auch Zibetkatzen eine Rolle. Sie hatten das Sars-Virus übertragen.

Wie gut ist Deutschland vorbereitet?

In Deutschland gibt es ein Netzwerk von Kompetenzzentren und Spezialkliniken. Das Warn- und Meldesystem ist ausgereift. Notfallübungen an Flughäfen werden regelmäßig durchgeführt. Alle Behörden arbeiten unter der Koordinierung des Robert-Koch-Instituts eng zusammen. Gesundheitsminister Jens Spahn sagte im ARD-"Morgenmagazin", Deutschland sei auf die Situation vorbereitet und riet zu einer wachsamen Gelassenheit.

Übernehmen Krankenkassen Coronavirus-Tests?

Grundsätzlich ist ein Coronavirus-Schnelltest eine sogenannte IGeL-Leistung, die Patienten bei ihrem Arzt auf eigene Kosten durchführen lassen können. Das kostet etwa 150 Euro. Krankenkassen übernehmen die Kosten nur bei jenen Patienten, die nach der Definition des Robert Koch-Instituts zur Risikogruppe gehören.

Diese ist allerdings eng gefasst: Um in die Risikogruppe eingeordnet zu werden, müssen sich Patienten entweder selbst in der betroffenen chinesischen Region Hubei aufgehalten haben oder direkten Kontakt zu einer Person gehabt haben, die nachweislich am Coronavirus erkrankt ist. Zudem müssen Symptome einer Lungenerkrankung vorliegen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. Januar 2020 | 10:55 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Februar 2020, 12:17 Uhr