Computermodell des neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 Bildrechte: imago images/ZUMA Wire

Hintergrund

Corona-FAQ: Fragen und Antworten zum Virus

Stand: 23. Oktober 2020, 15:47 Uhr

Das Coronavirus hat sich von Asien aus weltweit ausgebreitet, inzwischen sind Hunderttausende Menschen an den Folgen gestorben. Wie verlaufen Infektion und eine Covid-19-Erkrankung? Wie kann man sich schützen? Wer sind Risikopatienten? Was ist bei einer Quarantäne noch erlaubt? Was macht die Pandemie mit uns? Fragen und Antworten finden Sie hier.

THEMEN:

Coronavirus und Covid-19

Coronaviren sind seit Jahrzehnten bekannt. Sie infizieren sowohl Tiere als auch Menschen. Die Viren lösen unterschiedliche Krankheiten aus, von einer einfachen Erkältung bis hin zu potenziell tödlich verlaufenden Krankheiten. Beispielsweise wurde die Atemwegserkrankung Sars ebenfalls von Coronaviren ausgelöst.

Das Coronavirus ist nach Analyse des Berliner Virologen Christian Drosten eine Variante des Sars-Erregers von 2002, der ebenfalls zuerst in China auftrat. Weltweit erkrankten daran damals rund 8.000 Menschen, ungefähr jeder zehnte Patient starb. Das Virus Sars-CoV-2 tauchte in China erstmals im Dezember 2019 auf. Anfang 2020 wurde es identifiziert. Die ersten Infektionen werden mit einem Fischmarkt in Wuhan in Verbindung gebracht, auf dem auch Wild- und exotische Tiere verkauft wurden. Experten sehen Schuppentiere, Fledermäuse oder Zibetkatzen als mögliche Überträger.

Das Coronavirus kann zu schweren Atembeschwerden, Fieber und Lungenentzündung führen. Die Erkrankung wird Covid-19 genannt: "Co" für Corona - "vi" für Virus - "d" für Disease (englisch Krankheit) - 19 für das Jahr 2019, in dem die Krankheit erstmals auftrat. Es gibt jedoch verschiedene Symptome und Krankheitsbilder, auch andere Organe können geschädigt werden.

Eine Pandemie ist laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein weltweiter Ausbruch einer neuen Krankheit. Die Verbreitung des Coronavirus stuft die WHO seit 11. März als Pandemie ein. Dafür wurden das Ausmaß der Erkrankungen und der Todesfälle weltweit berücksichtigt. Darüber, wie ansteckend oder tödlich eine Krankheit ist, sagt der Pandemie-Begriff nichts aus.

Das Ansteckungsrisiko wird als hoch eingeschätzt, insbesondere durch Infizierte, die noch keine Symptome zeigen. Besonders gefährdet sind ältere Menschen mit schwächerem Immunsystem, das Risiko steigt auch mit Vorerkrankungen. Laut WHO verlaufen etwa 80 Prozent aller Infektionen glimpflich, in etwa einem Fünftel der Fälle gibt es einen schweren Verlauf.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO und das deutsche Robert Koch-Institut (RKI) definieren als Risikopatienten:

Darauf, dass Pollenallergiker gefährdeter für eine Ansteckung sind, gibt es keine Hinweise. Wenn jedoch etwa durch eine Allergie besonders häufig die Augen jucken, sollte man unbedingt gründlich die Hände waschen, bevor man sich ins Gesicht fasst.

Die Sterblichkeitsrate kann derzeit noch nicht bestimmt werden, da die Zahl der tatsächlich infizierten Personen noch unbekannt ist.

Die Zahl der Toten im Verhältnis zur Gesamtzahl der bestätigten Infektionen, der sogenannte Fall-Verstorbenen-Anteil lag laut Robert Koch-Institut bis Anfang September bei 3,8 Prozent. Der Wert hängt jedoch stark davon ab, wer infiziert wird. Die weitaus meisten Todesopfer durch Covid-19 waren in Deutschland älter als 80 Jahre.

Für andere Länder gibt es teils stark variierende Angaben zur Sterblichkeit. Sie reichen von 0,3 Prozent bis weit in den zweistelligen Bereich. Für Europa gab die ECDC den Fall-Verstorbenen-Anteil mit 10,5 Prozent an.

Tatsächlich attestieren mehrere Studien einen Einfluss der Blutgruppe auf den Krankheitsverlauf. Gemeinsame Forschungen der Uni Kiel und der Uniklinik Oslo, die Anfang Juni in einem Preprint veröffentlicht wurden, legen die Vermutung nahe, dass die Blutgruppe einen Einfluss darauf hat, ob Erkrankte nach einer Infektion mit Sars-Cov-2 schweres Atemversagen entwickeln. Demnach hatten Menschen mit Blutgruppe A offenbar ein deutlich höheres Risiko für einen Krankheitsverlauf mit Atemversagen haben, als die mit den übrigen Bluttypen. Das niedrigste Risiko tragen demnach möglicherweise Menschen mit Blutgruppe 0. Bestätigt werden die Erkenntnisse von Studien aus China und New York.

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Die meisten Infizierten haben laut offiziellen Zahlen die USA. Dahinter folgen Indien und Brasilien – wobei sich die Zahlen in Indien seit Ende August rasant entwickeln. Stark betroffen sind weiterhin Russland. Frankreich und Spanien sowie mehrere lateinamerikanische Staaten. Die meisten Todesopfer gibt es bislang in den USA, Brasilien und Indien. In Europa hat Großbritannien die meisten Todesfälle.

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Das RKI weist in einer regelmäßig aktualisierte Liste die weltweiten Risikogebiete aus. Auch Europa ist seit Oktober wieder stark betroffen. Die EU informiert mit einer Ampel-Karte über die Risikoregionen.

In der Datenbank des "Risklayer"-Projekts am Karlsruher Institut für Technologie finden Sie regelmäßig aktualisierte Angaben:

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Institutionen wie "Risklayer" oder die Johns-Hopkins-Universität stützen sich auf die durch die Gesundheitsämter oder andere staatliche Behörden vermeldeten Infektionsfälle. Diese Daten sind aktueller als jene des Robert Koch-Instituts, das seine Daten über eine längere Meldekette erfasst und nur einmal am Tag aktualisiert. In Deutschland informieren auch viele Landkreise auf ihren Webseiten über die jeweiligen Fallzahlen.

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Übertragung und Ansteckung

Das Virus ist von Mensch zu Mensch übertragbar. Das geschieht vor allem über die Luft, sowohl über Tröpfcheninfektionen, also wenn ein Erkrankter etwa hustet oder niest, oder durch sogenannte Aerosole (Tröpfchenkerne, kleiner als fünf Mikrometer), die zum Beispiel beim Sprechen oder Singen in die Raumluft gelangen, dort mehrere Stunden überleben und durch Klimaanlagen verteilt werden können. Ein häufiges Lüften geschlossener Räume ist daher wichtig.

Das Robert Koch-Institut schreibt dazu auf seiner Internetseite: "Bei längerem Aufenthalt in kleinen, schlecht oder nicht belüfteten Räumen kann sich die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung durch Aerosole auch über eine größere Distanz als zwei Meter erhöhen, insbesondere dann, wenn eine infektiöse Person besonders viele kleine Partikel (Aerosole) ausstößt und exponierte Personen besonders tief einatmen."

Nicht auszuschließen ist eine Übertragung durch kontaminierte Oberflächen. Eine Ansteckung über Lebensmittel wurde bislang nicht nachgewiesen.

Anfangs gingen die Experten davon aus, dass bis zu 14 Tage zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit vergehen können, inzwischen geht man in den meisten Fällen von bis zu fünf Tagen aus. Davon kann es immer Abweichungen geben, in sehr seltenen Einzelfällen kann eine Inkubationszeit also auch mal viel länger dauern.

Ende Februar erklärte die Weltgesundheitsorganisation, dass sich Betroffene mit einem leichten Krankheitsverlauf in der Regel binnen zwei Wochen erholten. Bei Patienten mit einem schweren Verlauf dauere es zwischen drei und sechs Wochen, bis die Krankheit wieder abklinge. Ansteckend sind Erkrankte laut RKI in der Regel bis zu acht bis neun Tage nach den ersten Symptomen. Bei schwereren Erkrankungen können es auch 20 Tage sein. Zahlen, wie viele Menschen wieder genesen sind, basieren auf Schätzungen.

Voll besetzte Flugzeuge sind mitten in der Corona-Pandemie für viele ein Horrorszenario – doch eine Studie von Frankfurter Virologen hat ergeben, dass das Risiko einer Ansteckung mit dem Coronavirus im Flieger wahrscheinlich gering ist.

Wie Forscher der Uniklinik Frankfurt am Main im "Jama Network Open" darlegten, wurden dazu alle Passagiere eines Flugs kontaktiert, in dem eine Gruppe infizierter Touristen saß. Das Ergebnis: Die mindestens sieben vorab Infizierten steckten nur zwei weitere Passagiere nachweisbar an. Bei dem vier Stunden und 40 Minuten dauernden Flug am 9. März trugen die insgesamt 102 Passagiere keine Masken.

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Symptome, Behandlung, Immunität

Bei den in Deutschland bekannt gewordenen Fällen äußerte sich die Erkrankung durch Erkältungssymptome. Die Erkrankten hatten Husten, Schnupfen, Halskratzen und Fieber, einige auch Durchfall und einen Verlust von Geruchs- und Geschmackssinn. Bei Kindern werden zudem verstärkt Symptome des Magen-Darm-Trakts wie zum Beispiel Durchfall beobachtet. Dies kann laut RKI auch ohne Symptome der Atemwege vorliegen. Das RKI nimmt an, dass etwa 81 Prozent der Personen mit einer festgestellten Infektion einen milden, etwa 14 Prozent einen schwereren und etwa 5 Prozent einen kritischen Krankheitsverlauf zeigen

Inzwischen gibt er Erkenntnisse, wonach das Virus offenbar auch die Blutgefäße schädigen kann. Über die Blutbahn gelangt es in alle Organe und beschädigt die Zellschicht an der Innenfläche der Blut- und Lymphgefäße. Es entstehen Entzündungen, die Versorgung von Organen mit Sauerstoff und Nährstoffen wird gestört. Das kann zu Herz-Kreislauf-Problemen und Multi-Organversagen führen. Es gibt Berichte über Todesfälle bei Covid-19-Patienten, die nicht durch Lungenprobleme starben.

Für Rückkehrer aus Risikogebieten gilt derzeit eine Testpflicht. Sie müssen bei der Einreise einen negativen Test vorlegen oder sich innerhalb von 14 Tagen nach der Einreise einem solchen unterziehen. In diesem Zeitraum haben sie Anspruch auf eine kostenlose Testung. Da diese Tests nur eine Momentaufnahme darstellen, wird ein zweiter Test nach einer möglichen Inkubationszeit von fünf bis sieben Tagen empfohlen. Rückkehrer aus Nicht-Risikogebieten können sich freiwillig testen lassen, müssen die Kosten dafür aber selbst tragen.

Nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts ist ein Test erst dann sinnvoll, wenn jemand Symptome aufweist und/oder Kontakt zu einer nachweislich infizierten Person hatte. Die Entscheidung, ob getestet wird, liegt beim Arzt oder Gesundheitsamt. Der Test wird in diesem Fall von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Patienten mit Grippeverdacht werden auf Influenza-Erreger und parallel auch auf das neuartige Coronavirus getestet.

Mit der Corona-Warn-App sollen positiv auf das Coronavirus getestete Menschen erkannt und diejenigen gewarnt werden, die Kontakt zu ihnen hatten. Ein positiv auf das Coronavirus getesteter Nutzer muss in der App eigenständig seinen Status ändern. Um die Daten der Betroffenen zu schützen, werden nur anonymisierte Daten zentral gespeichert.

Wer in den zurückliegenden zwei Wochen Kontakt zu einer nachweislich mit dem Coronavirus infizierten Person hatte, sollte Kontakt zu anderen Personen meiden und sich unverzüglich telefonisch beim Gesundheitsamt melden. Nach einer individuellen Analyse werden dann die weiteren Schritte festgelegt und die Behandlung koordiniert.

Experten des Robert Koch-Instituts empfehlen zudem eine Meldung beim örtlichen Gesundheitsamt, wenn man (auch leichte) Symptome hat und vorerkrankt ist oder beruflich mit vorerkrankten Menschen zu tun hat (Altenpfleger, Klinikpersonal).

Sollte telefonisch weder eine Hotline noch der Hausarzt erreicht werden können, sollten sich Personen, die Symptome aufweisen, nach Empfehlung des RKI selbst isolieren, bis der Arzt oder die Behörde erreicht wird.

Hilfreich für die Einschätzung der eigenen Symptome ist ein Online-Fragebogen der Berliner Charité.

Das Virus kann nicht direkt behandelt werden. Ärzte können allerdings die Symptome bekämpfen. Patienten können etwa beatmet werden oder zusätzliche Flüssigkeit erhalten. Bei einer begleitenden bakteriellen Infektion können Antibiotika verabreicht werden.

Überall auf der Welt arbeiten Wissenschaftler an Medikamenten, die gegen das Virus helfen. Bereits eingeschränkt zugelassen ist in Europa das Medikament Remdesivir. Das ursprünglich gegen Ebola entwickelte Mittel verkürzt nachweislich die Krankheitsdauer. Von dem Malariamittel Hydroxychloroquine, das in den USA und Brasilien angewendet wird, rät die WHO hingegen ab. Studien zu dem Medikament wurden inzwischen eingestellt.

Zunächst ja. Aber die Immunität, also die körpereigene Abwehr, hält laut dem Leipziger Virologen Uwe Gerd Liebert sehr wahrscheinlich nur vorübergehend an. Das sei ähnlich wie bei der Influenza, wo der Impfschutz mindestens einmal im Jahr aufgefrischt werden müsse. Längerfristig ist eine erneute Ansteckung also möglich. Wer jetzt aufgrund des Coronavirus erkrankt, wird allerdings die nächsten Monate wahrscheinlich nicht erneut krank.

Wer eine Infektion erfolgreich überstanden hat, hat Antikörper im Blut, aus denen ein Impfstoff gewonnen werden kann. Zudem werden sogenannte RNA-Impfstoffe entwickelt, von denen sich Forscher hohe Wirksamkeiten versprechen. Alle Impfstoffe müssen jedoch ausreichend lange an verschiedenen Probandengruppen getestet werden, bevor sie auf den Markt kommen. Experten rechnen daher frühestens 2021 mit einem Impfstoff.

Nein. Die Grippe-Impfung ist sehr spezifisch auf das Influenza-Virus ausgelegt. Schutz bietet nur eine spezifische Impfung gegen das Coronavirus, für die noch ein Impfstoff entwickelt werden muss.

Dennoch empfehlen Experten, sich gegen Grippe impfen zu lassen, um von vornherein der Gefahr einer Doppelerkrankung mit Grippe und Covid-19 zu entgehen. Zudem haben Ärzte und Krankenhäuser mehr freie Kapazitäten, je weniger Grippefälle es gibt.

Aus dem gleichen Grund empfiehlt die Ständige Impfkommission Risikopatienten, sich gegen Pneumokokken impfen zu lassen. Die Bakterien sind die klassischen Erreger von Lungenentzündungen.

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Was schützt gegen das Coronavirus?

Es werden die gleichen Maßnahmen empfohlen, die auch grundsätzlich zur Vermeidung von Erkältungen und Grippe gelten:

Das Robert Koch-Institut empfiehlt eine Mund-Nasen-Bedeckung im öffentlichen Raum dort, wo sich Menschen länger gemeinsam aufhalten und/oder ein Mindestabstand nicht eingehalten werden kann (z.B. Arbeitsplatz, Einkaufen, ÖPNV). Studien haben bewiesen, dass eine Mund-Nasen-Bedeckung das Risiko vermindert, andere anzustecken. Die Barriere hält demnach Tröpfchen zurück, die beim Sprechen, Niesen oder Husten entstehen.

Für die optimale Wirksamkeit einer Maske ist es wichtig, dass der Mund-Nasen-Schutz nur mit gewaschenen Händen angefasst wird und korrekt sitzt, das heißt Mund und Nase gut bedeckt und eng anliegt. Die Maske darf nur an den (Gummi-)Bändern und der Außenseite berührt werden und nicht zwischendurch unters Kinn gezogen werden.

In der Regel ist die Maske nach kurzer Zeit durchfeuchtet und kann dann nicht mehr verwendet werden. Sie ist dann auch ein Nährboden für Pilze, Bakterien und Viren, sodass Einmalmasken in einem geschlossenen Mülleimer entsorgt werden sollten.

Wiederverwendbare Stoffmasken müssen regelmäßig gereinigt werden. Dies kann zum Beispiel durch Waschen bei 60 Grad geschehen oder durch ein 90 Minuten dauerndes Erhitzen im Backofen auf 90 Grad.

Handschuhe sind nach Ansicht des Virologen Alexander Kekulé wenig sinnvoll, da sie ebenso wie die Hände mit Viren belastet sein können. Jedoch lassen sich Handschuhe nicht so oft waschen wie die eigenen Hände.

Mindestens 70-prozentiger Ethylalkohol gilt als Desinfektionsmittel, damit kommen neben Desinfektionsmittel auch hochprozentige Alkoholika in Frage. Das Coronavirus lässt sich aber noch einfacher bekämpfen: Schon eine normale Seifenlauge zerstört das Virus, weil sie die fetthaltige Hülle des Virus beschädigt. Zur Desinfektion des Smartphones empfiehlt Virologe Alexander Kekulé Glasreiniger.

Einkaufswagen oder -körbe sind problematisch. Virologe Alexander Kekulé erklärt, man müsse davon ausgehen, dass die Hände nach dem Anfassen kontaminiert sind. Der Hauptinfektionsweg bleibe allerdings die Tröpfcheninfektion. Seine Antwort in voller Länge hören Sie im Podcast Kekulés Corona-Kompass.

Auch bei Türgriffen und anderen Gegenständen, die mit anderen zusammen genutzt werden, ist eine sogenannte Schmierinfektion möglich. Diese gilt aber nicht als Hauptübertragungsweg des Virus. Daher sollte man sich auch gründlich die Hände waschen, nachdem man etwa Türgriffe u.ä. angefasst hat. Grundsätzlich gelangt das Virus nur über die Schleimhäute wie Augen, Nase oder Mund in den Körper.

Ein extrem geringes Risiko besteht bei Lebensmitteln. Grundsätzlich seien raue und biologische Oberflächen für das Virus schlecht, sagt Virologe Alexander Kekulé. An Brötchen und Wurstwaren, aber auch an Zeitungen hielten sie sich relativ kurz. Und selbst dann sei die Viruslast relativ klein.

Für unser Trinkwasser gibt das Umweltbundesamt im Hinblick auf SARS-CoV-2 derzeit Entwarnung. Das Leitungswasser sei sehr gut gegen Krankheitserreger geschützt, das gelte auch für das Coronavirus.

Die Ansteckungsgefahr im Wasser ist sehr gering, darin sind sich Wissenschaftler weltweit einig. So sieht auch das Umweltbundesamt (UBA) in Dessau-Rosslau "keine Hinweise darauf, dass Sars-CoV-2 über den Wasserweg übertragen wird". Viren, die eine infizierte Person mit ins Wasser bringt, werden hier sehr stark verdünnt. Noch unwahrscheinlicher ist die Ansteckung in einem Frei- oder Hallenbad, wo das Wasser regelmäßig gefiltert und mit Chlor desinfiziert wird. Bisherigen Erkenntnissen zufolge zerstört Chlor das Coronavirus.

Überall, wo der Mindestabstand von 1,50 bis zwei Metern zwischen Menschen nicht eingehalten wird, ist eine Ansteckung theoretisch möglich. Der Fahrstuhl sollte deswegen höchstens mit Menschen geteilt werden, die im selben Haushalt leben. Hat zuvor ein Infizierter im Fahrstuhl gehustet oder geniest, sind die Tröpfchen nach Meinung von Virologe Kekulé in der Regel schon zu Boden gefallen und stellen kein Infektionsrisiko mehr dar.

Dass ein Haustier seinen Halter ansteckt, halten Wissenschaftler für ausgeschlossen. Dass wiederum ein infizierter Halter sein Haustier ansteckt, ist in seltenen Fällen möglich. So haben Wissenschaftler in Laborversuchen festgestellt, dass Katzen und Frettchen angesteckt werden können und Krankheitssymptome zeigen. In den Niederlanden wurde das Coronavirus bei drei Katzen und einem Hund nachgewiesen. Der Virologe Alexander Kekulé fordert daher, in Quarantäne-Haushalten auch Katzen zu isolieren.

Hingegen ist ein Ansteckung durch einen Mückenstich laut WHO so gut wie ausgeschlossen.

Da gibt der Virologe Alexander Kekulé Entwarnung: Das Coronavirus überlebe im Kopfhaar nur wenige Stunden. Theoretisch sei aber eine Schmierinfektion möglich, wenn man sich mit ungewaschenen Händen in die Haare fasse und die Haare dann ins Gesicht gerieten. Kekulé empfiehlt außerdem, sich die Haare zu waschen, wenn man zum Beispiel im Zug oder Nahverkehr länger an einer Kopfstütze gelehnt habe.

Virologe Uwe Gerd Liebert erklärt, da es derzeit noch nicht mal ein wirksames Medikament gegen Corona gebe, rate er davon ab, sich auf Hausmittel zu verlassen. Ihm sei kein wirksames Mittel bekannt. Auch das verbreitete Erkältungsmittel, das Gurgeln mit Salzwasser, bringe nichts, da befallene Zellen schnell große Mengen des Virus nachproduzieren.

Liebert weist aber grundsätzlich auf eine gesunde Lebensweise hin, die gegen das Virus helfe. Insbesondere Rauchen könne die Gefahr einer Erkrankung erhöhen, da Rauchen ohnehin schon eine Belastung für Lunge und die Atemwege sei.

Wichtig ist, bei einem Hilfseinsatz von Anfang an Einweg-Handschuhe und Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Auch bei der hilfebedürftigen Person sollten Mund und Nase bedeckt werden, zum Beispiel mit einem Tuch oder Taschentuch. Von einer Mund-zu-Mund-Beatmung raten Experten ab, wichtig sei aber die Herzdruckmassage. Näheres zur Ersten Hilfe in Corona-Zeiten lesen Sie hier.

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Was bedeuten Quarantäne und Ausgangsbeschränkungen?

Wenn ein Arzt entscheidet, dass ein begründeter Verdachtsfall vorliegt, werden Patienten stationär behandelt. Dort wird auch eine Laboruntersuchung durchgeführt, um den Erreger nachzuweisen. Bei einem begründeten Verdacht auf eine Infektion kann aber für symptomfreie Personen vorübergehend eine Quarantäne angeordnet werden.

Über die jeweiligen Maßnahmen zum Infektionsschutz entscheiden die regionalen 380 Gesundheitsämter. Leben in einem betroffenen Haushalt weitere Personen wie Partner oder Kinder, werden diese meist ebenfalls isoliert.

Wer Kontakt mit einer positiv getesteten Person hat, muss in 14-tägige Quarantäne. Das gilt für Kontaktpersonen der Kategorie I, die engeren Kontakt zur infizierten Person hatten. Auch ein negativer Corona-Test verkürzt die Quarantäne nicht, da RKI und Gesundheitsämter derzeit von einer Inkubationszeit von bis zu 14 Tagen ausgehen. Ob Sie als Kontaktperson getestet werden, entscheidet das Gesundheitsamt je nach Einzelfall. Symptomfreie Kontaktpersonen werden beispielsweise vom Gesundheitsamt Leipzig nicht getestet.

Eine klare Regelung zur Versorgung von Menschen, die in den eigenen vier Wänden unter Quarantäne stehen, gibt es nicht. Empfohlen wird, sich von Freunden und Angehörigen unterstützen zu lassen, bei Einhaltung der empfohlenen Abstands- und Hygiene-Empfehlungen. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt, Lebensmittel für zehn Tage vorzuhalten.

Deutschlandweit galten im März und April strikte Ausgangsbeschränkungen. Das Verlassen der eigenen Wohnung war nur bei triftigen Gründen erlaubt, dazu gehörten "Handlungen zur Versorgung von Tieren", also das Gassigehen und der Einkauf von Tiernahrung.

Für den Quarantänefall gilt dagegen: Auch das Gassigehen mit dem Hund ist untersagt. Das Friedrich-Loeffler-Institut, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, teilt dazu mit: "Personen, die sich in Quarantäne befinden, sollten geeignete Personen außerhalb ihres Haushaltes um Unterstützung bei der Pflege der Tiere bitten, etwa mit dem Hund spazieren zu gehen. Dies könnten Nachbarn oder Freunde sein, die die Person(en) in Quarantäne ggf. auch mit Lebensmitteln versorgen. Bestätigt infizierte Personen sollten den engen Kontakt zu ihren Haustieren, wie z.B. das Abschlecken des Gesichts durch die Tiere, vermeiden."

Wer wegen Verdachts auf Ansteckungsgefahr isoliert wird und deshalb einen Verdienstausfall erleidet, bekommt eine Entschädigung. Arbeitnehmer erhalten von ihrem Arbeitgeber maximal sechs Wochen lang den Nettolohn auch in der Isolation ausgezahlt – das jeweilige Bundesland erstattet dem Arbeitgeber die Beträge. Geregelt ist das im Infektionsschutzgesetz. Dauert die Isolation länger, zahlt der Staat in Höhe des Krankengelds weiter. Wer körperlich in der Lage ist und die notwendigen Arbeitsmittel zur Hand hat, muss auch in Quarantäne seine Arbeit fortsetzen – dann greift die Treuepflicht gegenüber dem Arbeitgeber.

Für Erkrankte gilt die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, sodass die Entschädigungsregelung wegfällt. Selbstständige und Freiberufler erhalten Verdienstausfall nach dem Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten. Die Höhe der Entschädigung berechnet sich nach den letzten Jahreseinnahmen.

Rechtlich ist es in Deutschland möglich, ganze Städte oder Gebiete unter Quarantäne zu stellen. So wurden zeitweise Neustadt am Rennsteig in Thüringen oder auch in Jessen in Sachsen-Anhalt abgeriegelt. Praktisch ist eine komplette Abriegelung aber nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts schwer umsetzbar – im Gegensatz zu geschlossenen Systemen wie Kreuzfahrtschiffen lässt sich bei Städten kaum sicherstellen, dass niemand das Quarantänegebiet verlässt. Bereit seit Mitte März gelten Corona-Auflagen. Diese wurden seitdem wiederholt gelockert: Zuletzt wurden sie von Bund und Ländern am 27. August neu geregelt.

MDR-Rechtsexperte Gilbert Häfner hat Antworten auf die wichtigsten Fragen:

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Wirtschaftliche und soziale Folgen

Die Ausgangsbeschränkungen im Frühjahr hatten erhebliche Folgen. Im April brach die Wirtschaft um zehn Prozent ein. Für das Gesamtjahr 2020 geht die Bundesregierung geht von einem Minus von 5,8 Prozent beim Bruttoinlandsprodukt aus. Zuvor war man von minus 6,3 Prozent ausgegangen.


Als Reaktion auf den Wirtschaftseinbruch erleichterte Bundesregierung Kurzarbeit, schnürte Sofortpakete, senkte die Mehrwertsteuer und einigte sich auf ein milliardenschweres Konjunkturpaket. Das alles wird mit einer Neuverschuldung von 218 Milliarden Euro bezahlt. Darüber hinaus hat die EU zur Bewältigung der Corona-Krise ein 750 Milliarden Euro umfassendes Hilfspaket aufgelegt.

Auch Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt verabschiedeten Hilfsprogramme und Konjunkturpakete und nehmen dafür neue Schulden auf.

Wird ein Betrieb wegen des neuen Coronavirus auf behördliche Anweisung geschlossen, bleibt laut Bundesarbeitsministerium der Arbeitgeber grundsätzlich zur Entgeltzahlung verpflichtet. Ausfallzeiten müssen später auch nicht nachgearbeitet werden. Jedoch kann es in Arbeits- oder Tarifverträgen abweichende Regelungen geben. Arbeitgeber können zur Entlastung Kurzarbeitergeld beantragen.

Kleine Firmen können ebenfalls Kurzarbeitergeld beantragen. Zudem können mit dem Finanzamt Steuerstundungen vereinbart werden. Bei den Aufbaubanken der Länder oder der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) können Unternehmer außerdem Überbrückungshilfen beantragen. Mit diesen kommt der Staat für einen großen Teil der Fixkosten auf. Voraussetzung für die Hilfen ist der Nachweis, dass der Umsatz coronabedingt stark eingebrochen ist.

Der Unternehmerlohn für Solo-Selbstständige und Kleinstunternehmer wird durch staatliche Hilfen nicht abgedeckt. Betroffene können Hartz IV in einer für die kommenden Monate bürokratisch abgespeckten Form beantragen. Dabei gelten deutlich großzügigere Regeln für Wohnkosten und auch für das Schonvermögen. So können sie auch bei größeren Vermögenswerten Hartz IV-Leistungen erhalten.

Die Corona-Krise ist für viele Menschen wegen Zukunftsängsten, der Umstellung auf Homeoffice, infolge der Kita- und Schulschließungen, sowie eingeschränkter Kultur-, Sport- und Freizeitangebote eine besondere Belastung. Behörden haben eine Zunahme häuslicher Gewalt in Familien verzeichnet. Auch Senioren in Alten- und Pflegeheimen und Menschen mit Behinderungen in Betreuungseinrichtungen leiden durch Besuchsverbote unter Isolation.

Auch in der Hochphase der Corona-Pandemie waren Psychologen und ihre Patienten sowie soziale Beratungsstellen von strengen Kontaktbeschränkungen in Deutschland ausgenommen. Bedürftige konnten also weiter Hilfsangebote finden. Daneben gibt wurde das Angebot an Video- auch telefonische Beratung ausgebaut.

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Dieses Thema im Programm:MDR AKTUELL FERNSEHEN | 22. Januar 2020 | 10:55 Uhr