Covid-19 Risikogruppe: Für wen Corona gefährlich werden kann

Immer wieder fällt im Zusammenhang mit der Lungenerkrankung Corona das Wort "Risikogruppe". Wer zur Risikogruppe zählt und warum nicht nur ältere Menschen gefährdet sind, erklärt Gesundheitsexperte Dr. Thomas Dietz.

Ehepaar hält in Zeiten der Coronakrise auf der Strasse Abstand zueinander.
Bildrechte: imago images/Frank Sorge

Wer ist Risikopatient für das Coronavirus?

Wer mit dem Coronavirus infiziert ist und bei wem dann COVID-19 ausbricht, hat unter normalen Umständen gute Chancen nach einem leichten Krankheitsverlauf wieder zu genesen.

Dies gilt zumindest für die meisten Menschen. Manche Personengruppen, das sind rund 20 Prozent aller Menschen, tragen jedoch ein höheres Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf, der sogar tödlich enden kann. Zu diesen Menschen zählen:

  • Ältere ab 50/60 Jahren
  • Ältere mit Grunderkrankungen
  • Menschen mit Grunderkrankungen wie Herzkreislaufstörungen, Diabetes, Atemwegserkrankungen, Leber-, Niere- oder Krebserkrankungen – unabhängig vom Alter
  • Menschen mit geschwächtem Immunsystem (also einer angeborenen oder erworbenen Immunschwäche)
  • Menschen, die Medikamente einnehmen, die die Immunabwehr unterdrücken (wie z.B. Cortison)

Ältere

Mit zunehmenden Lebensjahren wird das Immunsystem automatisch schwächer. Dies führt wiederum dazu, dass ältere Menschen ab 50 Jahren anfälliger für schwere Verläufe sind. Ein schwächeres Immunsystem kann weniger stark auf Fieber reagieren. Die älteren Infizierten merken die SOS-Signale des Körpers also erst spät und suchen erst dann einen Arzt auf. Oft erst, wenn die Krankheit bereits weit fortgeschritten ist.

Diabetiker

Bislang ausgewertete Daten aus Italien und China zeigen, dass unter den Menschen mit schweren Covid-19-Verläufen ein hoher Anteil an Diabetes litt. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) empfiehlt darum Betroffenen eine stabile Zuckereinstellung, um das Infektionsrisiko zu minimieren.

Die Deutsche Diabetes-Hilfe weist jedoch auch darauf hin, dass ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf von Covid-19 vor allem bei den Menschen bestünde, die zusätzliche Begleiterkrankungen, wie beispielsweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben.

Herz-Kreislauf-Erkrankte

Herz-Kreislauf-Erkrankungen, koronare Herzerkrankung oder Bluthochdruck sind ebenso Risikofaktoren. Allerdings ist hierbei, wie bei jedem anderen Risikofaktor, zu berücksichtigen, dass es äußerst schwierig ist, exakt nachzuvollziehen, was im konkreten Fall genau zum schweren Verlauf von Covid-19 geführt hat. Vor allem dann, wenn eine Person gleich mehrere Risikofaktoren in sich vereint. 

Darüber hinaus kursieren aktuell Spekulationen darüber, dass ACE-Hemmer, also Blutdrucksenker, anfälliger für eine Infektion mit dem neuen Coronavirus machen könnten. Hier warnt die Deutsche Hochdruckliga (DHL) ausdrücklich davor, nun aus Angst die verordneten Mittel abzusetzen. Das Weglassen der Blutdrucksenker kann schlimmstenfalls zu zusätzlichen Gesundheitsrisiken führen.

Leberkranke

Zu dieser Patientengruppe liegen unterschiedliche Aussagen vor. So nimmt das RKI Männer und Frauen mit chronischen Lebererkrankungen in die Risikogruppe für schwere Verläufe auf. Berichte aus China, Italien sowie dem Universitätsklinikum Hamburg widersprechen dem jedoch. Diese Information veröffentlichte die Deutsche Leberhilfe auf ihrer Website. Laut den Berichten der Lebenshilfe sind bei Leberkranken bislang schwere Lungenerkrankungen durch Covid-19 nicht häufiger als bei der Durchschnittsbevölkerung.

Darüber hinaus warnt die Deutsche Leberhilfe Betroffene, die Immunsuppressiva oder andere Medikamente einnehmen müssen, davor, diese eigenständig abzusetzen. Schwere Schäden könnten die Folge sein.

Asthmatiker

Hier soll die Einnahme von Kortison-Präparaten, welche das Immunsystem schwächen, der Grund für die erhöhte Gefährdung sein.

Trotzdem empfehlen Experten nicht, aufgrund von Corona jetzt die Therapien zu ändern. Jemand, der als Asthmatiker gut eingestellt ist, solle gar nichts machen.

Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin sieht im Fall einer Therapieänderung sogar die Gefahr, dass sich das Asthma so verschlechtern könnte, dass dann weitere Arztbesuche notwendig werden. Diese Situation wäre für Betroffene viel bedrohlicher, als ein möglicherweise erhöhtes Risiko, an Corona zu erkranken.

Autoimmunerkrankte

Erkrankungen wie entzündliches Rheuma oder Multiple Sklerose, also Autoimmunerkrankungen, gehören nach RKI-Angaben grundsätzlich zur Risikogruppe, da sie anfälliger für Infektionen sind.

Die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) differenziert hierbei allerdings. Nach Angaben der DMSG sind Patienten, die keine immunmodulierende Therapie etwa mit Interferon oder Glatirameracetat erhalten, nicht stärker gefährdet als gleichartige gesunde Personen.

Auch hier sei dringend empfohlen, dass Patienten keinesfalls Medikamente ohne Rücksprache mit ihrem Arzt absetzen sollten.

Krebspatienten

Krebspatienten werden vom RKI pauschal der Risikogruppe zugeordnet. Die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und medizinische Onkologie (DGHO) beschreibt die Problematik detaillierter. Grund für die Einstufung als Risikogruppe ist demnach, ähnlich wie bei alten Menschen, ein bereits geschwächtes Immunsystem. Das sei beispielsweise der Fall, wenn Krebspatienten nur wenig Antikörper im Blut haben oder langfristig Medikamente einnehmen, die das Immunsystem unterdrücken.

Pollenallergiker

Für diese Betroffenen haben Fachleute eine gute Nachricht. Eine Allergie auf Pollen ist keine Immunschwäche, sondern eine verstärkte Abwehrreaktion. Für Allergiker besteht darum kein Grund, Medikamente zu ändern oder abzusetzen. Sie gehören nicht zur Risikogruppe. Immuntherapien wie Hyposensibilisierungen können ebenfalls weiter durchgeführt werden.

Menschen mit Behinderungen

Diese Gruppe ist nur schwer zusammen zu fassen. Menschen mit Behinderungen sind unterschiedlich alt, haben unterschiedliche Vorerkrankungen und sind unterschiedlich stark betroffen. Manche von ihnen sind gefährdet, weil sie unterhalb der Halswirbelsäule gelähmt sind und deshalb nur schlecht abhusten können. Andere haben ein verringertes Lungenvolumen oder eine Muskelerkrankung. Für sie ist das Virus damit eine tödliche Gefahr.

In jedem Fall werden all diese Menschen durch die Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln geschützt.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 02. April 2020 | 17:00 Uhr