Covid-19 Lungenfacharzt: "Atemnot muss immer abgeklärt werden"

Atemnot ist ein mögliches Symptom von Covid-19, das auf einen schweren Verlauf hindeuten kann. Wir haben mit Wolfgang Schütte, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Krankenhaus Martha-Maria in Halle, über unterschiedliche Formen von Luftnot gesprochen und darüber, wann Handlungsbedarf besteht.

Prof. Dr. med. Wolfgang Schütte
Prof. Wolfgang Schütte ist Lungenfacharzt am Krankenhaus Martha-Maria in Halle Bildrechte: Martha-Maria Krankenhaus Halle-Dölau

Wie kommt es bei Covid-19 zu Atemnot? Was genau passiert im Körper?

Prof. Wolfgang Schütte: Atemnot kommt dann zustande, wenn der Körper nicht genug Sauerstoff aufnimmt und den Mangel auch nicht kompensieren kann. Dabei gibt es verschiedene Mechanismen. Der Hauptmechanismus bei Covid-19 ist, dass sich die Wand zwischen den Luftgefäßen und den Blutgefäßen verdickt. Dadurch gelangt weniger Sauerstoff ins Blut – man kriegt nicht genug Luft. Dieses Phänomen wird stärker, wenn man sich belastet, weil man bei Belastung mehr Sauerstoff benötigt.

Ist die Atemnot ein Symptom einer fortgeschrittenen Corona-Infektion, oder kann sie gleich zu Beginn auftreten?

Atemnot kann gleich zu Beginn einer Infektion auftreten. Da ist der Körper sehr sensibel, er reagiert auch schon auf geringe Veränderungen.

Sollte man sich bei jedem Auftreten von Atembeschwerden in die Notaufnahme begeben? Oder gibt es unterschiedliche Eskalationsstufen?

Immer, wenn man das Gefühl hat, nicht genug Luft zu kriegen, muss das abgeklärt werden. In den meisten Fällen ist nicht Covid die Ursache, aber ein abzuklärender Befund ist es immer. Man geht damit erst einmal zum Hausarzt, der entscheidet dann über den weiteren Weg. Problematisch bei Corona ist, dass man manchmal nicht merkt, dass die Sauerstoffaufnahme erschwert ist. Man kann also unter Luftnot leiden, ohne das selber festzustellen. Deshalb wird bei den Patienten, die auf Station liegen, die Sauerstoffsättigung im Blut regelmäßig gemessen. Fällt sie ab, wird gehandelt. Typisch für Corona ist auch, dass man teilweise unter schwererer Luftnot leidet, aber nur leichte Luftnot empfindet: Man hat ein bisschen Atemnot bei Belastung, kann aber noch gut zur Toilette gehen oder ein paar Treppen steigen. Wenn man dann misst, sieht man unter Umständen, dass die Sauerstoffsättigung schon sehr schlecht ist.

Ist Atemnot gleich Atemnot? Oder fühlen sich Atemnot im Zuge einer Covid-Erkrankung und eine durch eine Panikattacke ausgelöste Atemnot unterschiedlich an?

Es gibt zwei große Gruppen von Atemnot: einmal die Atemnot beim Einatmen, die hat man bei Covid, bei Lungenembolien und ähnlichen Erkrankungen. Dann gibt es die Atemnot beim Ausatmen, die hat man bei Asthma; da kriegt man die Luft nicht wieder richtig heraus, weil sich die Atemwege verengen. Beim Ein- oder Ausatmen, bei Belastung oder in Ruhe, nachts oder am Tag – das sind alles Hinweise, die dem Arzt den Weg weisen, wo er suchen muss. Luftnot bei Panikattacken gehört weder zu der einen noch zu der anderen Gruppe. Diese Patienten atmen zu schnell, das nennt man Hyperventilation. Dabei kommt es zu einer gewissen Luftnot, die bei regelmäßiger Atmung auch wieder verschwindet.

Mit welchen Vorerkrankungen ist man besonders für schwierige Verläufe gefährdet?

Interessanterweise sind die Lungenkrankheiten kein wesentlicher Faktor für Covid-19. Chronische obstruktive Bronchitis ist ein kleiner Risikofaktor. Diabetes, Übergewicht und Bluthochdruck sind viel schlimmer für schwierige Verläufe.

Wie häufig sind schwere Symptome wie Atemnot bei Covid-19?

Bei zehn Prozent der Fälle ist ein Krankenhausaufenthalt nötig. Von denen müssen weitere zehn Prozent künstlich beatmet werden.

In welchen Fällen ist eine künstliche Beatmung erforderlich? Und was genau geschieht dabei?

Künstliche Beatmung ist nötig, wenn die Sauerstoffaufnahme massiv eingeschränkt ist, weil sich die Wand zwischen den Alveolen und den Blutgefäßen verdickt. Ein Nebenmechanismus bei Covid-19 sind Lungenembolien, die können das Problem noch verstärken. Bei der künstlichen Beatmung wird dem Patienten über einen Schlauch im Hals hochkonzentrierter Sauerstoff zugeführt. Das geht auch mit einer Maske, dann nennt man es nicht-invasive Beatmung. Künstlich beatmet wird so lange, bis es dem Patienten besser geht. Manchmal sind das vier bis sechs Wochen.

Kann man seine Lungengesundheit präventiv stärken? Oder hilft das alles im Ernstfall nicht?

Man kann derzeit noch nicht absehen, wann es wen warum trifft. Aber es gibt Hinweise darauf, dass regelmäßige sportliche Betätigung einen Schutzfaktor darstellt.

Auch interessant

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 07. Januar 2021 | 21:00 Uhr

Ein Angebot von

Zurück zur Startseite