Pollensaison beginnt Das ist Heuschnupfen, nicht Corona!

Die Maßnahmen gegen eine Ausbreitung von Corona betreffen uns mittlerweile alle. Viele werden in diesen Tagen aber ablehnend behandelt – ohne Grund! Denn Allergiker haben genau jetzt mit dem Symptomen zu kämpfen, die viele als gefährlich einstufen: Husten und Niesen. Dabei gibt es immer mehr Allergiker. Warum das so ist und was Betroffene tun können, klärt Allergologin Dr. med. Mandy Cuevas.

Eine Frau schnaubt sich die Nase.
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Sie werden immer mehr: Allergiker. Immer mehr Menschen sind von einer Fehlsteuerung des Immunsystems betroffen, was eine Allergie genau genommen ist. Das Robert-Koch-Institut geht davon aus, dass bei jedem Vierten einmal im Leben eine Allergie diagnostiziert wird. Die häufigsten Allergien sind allergische Rhinitis (Heuschnupfen), Asthma, Neurodermitis oder Kontaktallergien. Gerade beim Heuschnupfen steigen die Zahlen, stellt Dr. med. Mandy Cuevas, Fachärztin für HNO-Heilkunde und Allergologie am Universitätsklinikum Dresden, fest: "Heuschnupfen hat die höchste Lebenszeitprävalenz von circa 14,8 Prozent. Aktuelle Studien zeigen einen Anstieg der Häufigkeit, dies empfinden wir auch im klinischen Alltag. Die meisten Patienten sind außerdem Polyallergiker."

Die meisten Patienten sind Polyallergiker.

Dr. med. Mandy Cuevas
Allergologin Dr. Mandy Cuevas
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Polyallergiker reagieren auf mehrere Allergene, zum Beispiel Gräser und die Pollen bestimmter Bäume. Von Nahrungsmittelallergien sind immerhin fünf Prozent der Deutschen betroffen. Warum gibt es immer mehr Allergien? Die Gründe können vielfältig sein wie die Beispiele von Dr. Cuevas zeigen: "genetische Veranlagung, Luftschadstoffe, Tabakrauch, Auswirkungen des Klimawandels, Infektionen, Psychische Faktoren, Ernährung, Bakterien ..."

Die Folgen des Klimawandels

Die warmen Winter sorgen dafür, dass viele Pflanzen deutlich früher blühen als noch vor ein paar Jahren: Erste Hasel und Erlenpollen konnten wir schon im Dezember verzeichnen. Dementsprechend verlängert sich die Leidenszeit der Pollenallergiker.

Blüten der Haselnuss geben Pollen ab
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Manche Allergiker haben deshalb das ganze Jahr über Beschwerden. Die CO2-Konzentration in der Luft führt außerdem dazu, dass machne Pflanzenarten mehr Pollen produzieren, was Allergien ebenfalls verstärkt. Doch nicht nur das Klima verändert die Beschwerden der Betroffenen, auch die Allergie selbst kann sich im Laufe des Lebens verändern: "Gerade im Säuglings- und Kleinkindalter stehen Nahrungsmittelallergien und Neurodermitis im Vordergrund, die jedoch häufig nach einigen Jahren wieder ganz verschwinden. Jedoch entwickeln 40 bis 50 Prozent der Kinder mit Neurodermitis im späteren Leben weitere allergische Erkrankungen wie Heuschnupfen und Asthma." Eine Veränderung, die genetisch veranlagt ist, oft aber auch durch weitere Faktoren beeinflusst wird.

40 bis 50 Prozent der Kinder mit Neurodermitis entwickeln im späteren Leben weitere allergische Erkrankungen wie Heuschnupfen und Asthma.

Dr. med. Mandy Cuevas

Welche Therapien gibt es?

Löwenzahn
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Heuschnupfen beeinträchtigt die Lebensqualität der Betroffenen. Husten und Schnupfen über einen langen Zeitraum machen müde, die Konzentration sinkt – auch ohne die schiefen Blicke von Passanten, von denen derzeit viele Allergiker berichten. "Schüler mit allergischer Rhinitis haben eine signifikant erhöhte Wahrscheinlichkeit ein schlechteres Abitur zu absolvieren", erklärt Dr. Cuevas. Außerdem kann die Allergie zu Depressionen führen oder zur zusätzlichen Entwicklung von Asthma. Heuschnupfen kann aber nicht nur symptomatisch behandelt werden. Mit einer Immuntherapie kann der Ausbruch der Krankheit abgemildert oder verhindert werden. "Wenn der Patient nicht oder nicht ausreichend vor dem Allergen geschützt werden kann und trotz symptomlindernder Medikamente mittelschwere bis schwere Symptome auftreten, sollte eine Allergen-Immuntherapie erfolgen", erklärt die Ärztin. Dafür muss die Allergie nachgewiesen sein und es muss entsprechende Allergenextrakte zur Behandlung geben. Eine Immuntherapie kann die Symptome nachweislich verbessern und sogar die Entstehung neuer Allergien verhindern, so die Allergologin.

Was Sie außerdem tun können

Richtig lüften

Auf dem Land ist die Pollenbelastung morgens, in der Stadt abends besonders hoch. Gerade in der Stadt leiden Allergiker mehr, weil die Pollen durch Umweltgifte wie Feinstaub aggressiver sind. Wichtig sind deshalb die Zeiten, um zu lüften. Auf dem Land ist es zwischen 19 Uhr und Mitternacht am günstigsten, in der Stadt solltest du zwischen 5 und 8 Uhr die Fenster öffnen.

Pollenfrei Auto fahren

Die Fenster solltest du während der Fahrt geschlossen halten und die Lüftung ausschalten. Am besten ist es, einen Pollenfilter einbauen lassen und diesen regelmäßig zu reinigen.

Die richtge Haarpflege

In der Pollensaison solltest du jeden Abend Haare waschen, um die Pollen zu entfernen. Das betrifft auch den Bart bei Männern. Je länger die Haare oder je größer die Auflagefläche, desto mehr Pollen halten darauf. Deshalb sind offene Haare keine gute Idee.

Allergiefreie Urlaubszeit

Wer kann, sollte in der Pollenhochsaison verreisen. Am Meer und in den Hochgebirgen ist die Pollenbelastung geringer. Das sorgt für Entspannung vom Alltag und der Allergie!

Tipps für den Haushalt

Deine Kleidung solltest du am Abend nicht im Schlafzimmer ausziehen, um die Pollen dort nicht unnötig zu verteilen. Frisch gewaschene Wäsche trocknest du am besten nicht im Freien, damit sich dabei keine Pollen anhaften können.

Allergieschwächende Lebensmittel

Einige Lebensmittel senken die Histaminproduktion im Körper und beugen Entzündungen vor. Dazu zählen Brokkoli, Sesam, schwarze Johannisbeere, Seelachs, Frischkäse und Hirse.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Haupsache Gesund | 02. April 2020 | 21:00 Uhr