Ein Tisch voll mit Lebensmitteln.
Omega-3-Fettsäuren haben eine blutzucker- und insulinsenkende Wirkung. Bildrechte: imago images / Panthermedia

Den Blutzuckerspiegel natürlich senken Diabetes Typ 2 mit der richtigen Ernährung heilen

Diabetes Typ 2 beginnt meist schleichend und kann schwere Folgeerkrankungen nach sich ziehen. Wie eine gesunde sowie ausgewogene Ernährung helfen kann, den Krankheitsverlauf beim Typ 2 umzukehren, erklärt Experte Dr. Matthias Riedl.

Ein Tisch voll mit Lebensmitteln.
Omega-3-Fettsäuren haben eine blutzucker- und insulinsenkende Wirkung. Bildrechte: imago images / Panthermedia

Diabetes Typ 2 durch eine gesunde Lebensweise vorbeugen

Mehr als 6 Millionen Deutsche leiden an Diabetes – Tendenz steigend. Es ist der Diabetes Typ 2, der den Ärzten Sorgen macht. Dabei ist gerade der mitunter heilbar. Sorgen macht die Krankheit, weil sie gerade bei jungen Menschen zunimmt. Ein Grund: falsche Ernährung. Heilbar ist sie, weil Ärzte heute mehr darüber wissen und reagieren können. In Kombination mit den richtigen Medikamenten können Diabetiker mit gesunder Ernährung und ausreichender Bewegung ihr Wohlbefinden deutlich verbessern. Etwa die Hälfte der von Typ-2-Diabetes Betroffenen kann es schaffen, die Tabletten zu reduzieren oder sogar ganz auf sie zu verzichten.


Mediziner Matthias Riedl erklärt im Interview, wie sich der Krankheitsverlauf beim Typ-2-Diabetes durch eine gesunde Lebensweise umkehren lässt.

Diabetes Typ 2 ist heilbar! Was bedeutet diese Nachricht?

Dr. Matthias Riedl
Internist, Diabetologe und Ernährungsmediziner Dr. med. Matthias Riedl Bildrechte: Michael Wilfing

Matthias Riedl: Erst einmal ist es eine sehr gute Nachricht, die jedem Typ-2-Diabetiker berechtigte Hoffnungen machen darf. Die Heilungschancen liegen nach neueren Studien bei fast 90 Prozent. Insulin kann häufig wieder abgesetzt oder die Gabe auf Jahrzehnte hinausgezögert werden. In vielen Fällen lässt sich die Krankheit heilen oder durch entsprechende Prophylaxe sogar im Vorfeld verhindern. Doch für die Patienten ist es nicht einfach, die richtige Hilfe zum richtigen Zeitpunkt zu finden. In der Regel müssen die Betroffenen sich selbst helfen. Das kann und sollte auch jeder tun.

Warum werden diese Erkenntnisse bisher nur wenig genutzt?

Das Wissen allein hilft leider nicht. Die Patienten brauchen praxistaugliche Möglichkeiten, die Informationen umzusetzen. Die deutschen Diabetes-Praxen werden von den Kassen finanziell abgestraft, wenn sie die modernen gewichtssparenden Medikamente einsetzen oder eine notwendige Ernährungsumstellung mit Gewichtsreduktion in den Mittelpunkt der Behandlung stellen. Die meisten Diabetiker in Deutschland erhalten keine Ernährungstherapie, sondern zu früh Insulin. Mit fatalen Folgen: Weil Insulin dick macht, wird eine tödliche Gewichtsspirale in Gang gesetzt, die das Leben verkürzt.

Schwerpunktpraxis Ernährungsmedizin

Mittlerweile gibt es in Deutschland eine Zertifizierung für Schwerpunktpraxen Ernährungsmedizin durch den Bundesverband Deutscher Ernährungsmediziner (BDEM). Bundesweit gibt es 80 solcher Praxen, die zunehmend von den Krankenkassen akzeptiert werden. In einigen Regionen gibt es schon Einzelvereinbarungen mit Krankenkassen. Adressen finden Sie unter bdem.de.

Wie sieht eine geeignete Therapie aus?

Auf einem Teller ist aus Scrabble-Buchstaben das Wort 'Diabetes' gelegt.
Bildrechte: IMAGO

Sie beginnt mit einer Ernährungsanalyse als Basis. Dabei sollte es nicht nur um die Bestandteile der täglichen Ernährung gehen, sondern auch um die verzehrten Mengen und um die Frage, wie häufig jemand isst. Oft kommt dabei ein weitverbreiteter Ernährungsfehler ans Licht: das Snacken. Es führt nicht nur zu Übergewicht, sondern belastet die Bauchspeicheldrüse zusätzlich. Nach der Auswertung aller Ergebnisse machen Ärzte und Ernährungsexperten individuelle Coachings über einen Zeitraum von mehreren Wochen, in denen der Patient die Neuerungen ausprobiert.

Welche Fehler werden häufig gemacht?

Statistisch gesehen essen die Deutschen zu wenig Gemüse, Nüsse und Pilze und zu viele Kohlenhydrate aus Kartoffeln, Brot und Co. Dabei ist es offensichtlich, dass bei Diabetes als Kohlenhydratstoffwechselstörung gerade Kohlenhydrate das System überfordern. Auch schafft es kaum jemand, die richtige Menge Eiweiß zu essen. Die empfohlene Proteinaufnahme von 1 bis 1,2 Gramm pro Kilo Körpergewicht sollte auf zwei bis drei Mahlzeiten verteilt werden. Diese Empfehlung wird hierzulande weder von Männern noch von Frauen erreicht. Vor allem Männer essen zu häufig zu viel Eiweiß auf einmal.


Mit gezielter Ernährung den Blutzuckerspiegel senken

Für Diabetiker gelten heute dieselben Empfehlungen wie für Gesunde: eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse und Vollkorn. Außerdem kommen den gesunden Fetten und ganz besonders dem Eiweiß eine zentrale Bedeutung zu.

Mediziner und Autor Matthias Riedl stellt zwei einfache Rezepte vor, die dabei helfen können, den Blutzuckerspiegel natürlich zu senken.

Superfood gegen Diabetes

Es gibt einige Lebensmittel, die den Blutzuckerspiegel niedrig halten, gut sättigen und dazu beitragen, überflüssige Insulinausschüttung zu vermeiden.

Haferflocken

Hafer wirkt sensibilisierend auf die Insulinzelle und lässt den Blutzucker sinken. Denn das Getreide enthält viel Eisen und spezielle Ballaststoffe, so genannte Beta-Glukane, die verhindern, dass der Zuckerspiegel stark ansteigt.

Brokkoli

Die grünen Röschen enthalten Senföl-Glykoside, die die Insulinresistenz positiv beeinflussen.

Walnüsse

In ihnen stecken mehrfach ungesättigte Fettsäuren mit einem hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren, die eine blutzucker- und insulinsenkende Wirkung haben.

Sechs Tipps, um Diabetes Typ 2 vorzubeugen

Lächelnde Seniorin macht Yoga
Bildrechte: imago images / Westend61

Eine bewusste und ausgewogene Ernährung sowie reichlich Bewegung sind wichtige Maßnahmen, mit denen Sie Typ-2-Diabetes vorbeugen können.

  • Jede Mahlzeit sollte mit Gemüse oder Salat und etwas Obst beginnen. Essen Sie Grapefruits, Stachelbeeren, rote und schwarze Johannisbeeren, säuerliche Äpfel und Heidelbeeren.
  • Essen Sie fettarme Lebensmittel, zum Beispiel fettarme Milch- und Käseprodukte, magere Wurst und mageres Fleisch, aber das nur in Maßen. Mindestens einmal wöchentlich sollte Fisch auf den Tisch.
  • Kochen Sie fettarm. Verwenden Sie Rapsöl (zum Braten) und Olivenöl (für Salate).
  • Verzichten Sie auf Fastfood und Fertigsnacks, das sind Kalorienbomben.  
  • Meiden Sie zuckerhaltige Getränke. Trinken Sie gegen den Durst stattdessen Mineralwasser, Obstsäfte mit Wasser vermischt und Kräutertees.
  • Bewegen Sie sich mehr, bauen Sie Bewegungen in Ihren Alltag ein, z.B. Treppen hochlaufen statt Aufzug. Bewegen Sie sich täglich 30 bis 60 Minuten. Gehen Sie spazieren!

Diabetes Typ 1 und Typ 2 – was ist der Unterschied?

Heute werden zwei Formen des Diabetes unterschieden: Typ 1 und Typ 2.

  • Typ 1 entsteht vor allem im Kindes- und Jugendalter und geht auf eine Autoimmunerkrankung zurück. Die körpereigene Insulinproduktion in der Bauchspeicheldrüse wird angegriffen und die Zellen, die Insulin produzieren, werden zerstört.
  • Typ 2 hingegen entwickelt sich in der Regel später, meist erst nach dem 40. Lebensjahr. Diese Form tritt mit Abstand am häufigsten auf, in Deutschland sind über 90 Prozent der Betroffenen Typ 2-Diabetiker. Hier liegt der Kern des Problems an anderer Stelle: Zwar produziert die Bauchspeicheldrüse Insulin, aber die Körperzellen verlieren die Empfindlichkeit für das Hormon. Dessen Aufgabe besteht darin, die Zuckermoleküle aus dem Blut in die Zellen weiterzuleiten. Bei einer Insulinresistenz funktioniert diese Weiterleitung nur unzureichend und der Zucker staut sich in den Blutgefäßen an. Die Bauchspeicheldrüse reagiert zunächst mit einer erhöhten Insulinproduktion. Später versiegt die Produktion jedoch ganz, sodass Insulin gespritzt werden muss.

Die Ernährungstipps und Rezepte sind dem Buch "Die Ernährungs-Docs – Diabetes heilen" von Dr. med Matthias Riedl, Dr. med. Anne Fleck und Dr. med. Jörn Klasen entnommen, das im Februar 2019 im ZS Verlag erschienen ist.

Unser Experte

Dr. med. Matthias Riedl

Dr. med. Matthias Riedl

Internist, Diabetologe und Ernährungsmediziner Dr. med. Matthias Riedl ist ärztlicher Leiter der von ihm 2008 gegründeten medicum Hamburg MVZ GmbH, das einzigartig in Europa die Diabetologie mit der Ernährungsmedizin und neun angrenzenden Facharztrichtungen ganzheitlich verbindet.

Buchtitel - "Die Ernährungs-Docs – Diabetes heilen"
Bildrechte: ZS Verlag

Zum Buch Im Ratgeber "Die Ernährungs-Docs – Diabetes heilen", erschienen im Februar 2019 im ZS Verlag, klärt "Ernährungs-Doc" Dr. med. Mattias Riedl zusammen Dr. med. Anne Fleck und Dr. med. Jörn Klasen über die Möglichkeiten auf, wie sich Diabetes Typ 2 mit der richtigen Ernährung heilen und Typ 1 verbessern lässt. Dazu liefern die Autoren Rezepte, die zu einer gesunden Lebensweise beitragen.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 04. November 2019 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. November 2019, 16:53 Uhr