Aktiv gegen Krebs Diagnose Krebs – Was können Betroffene selbst tun?

Es ist Satz wie ein Donnerschlag: "Sie haben Krebs!". Angst vor Nebenwirkungen, Schmerzen und Tod bestimmen die Gedanken. Doch die Patienten sind ihrem Schicksal nicht hilflos ausgeliefert. Immer mehr Studien zeigen, dass es wichtig ist, neben der Therapie selbst aktiv zu werden.

von Jana Olsen

Menschen wandern in einem herbstlichen Wald
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Krebs ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. Brust-, Darm- und Prostatakrebs kommen nach Angaben des deutschen Krebsregisters besonders häufig vor. Auch wenn die Zahl der Neuerkrankungen anhaltend hoch ist, gibt es gute Nachrichten. Mehr als die Hälfte der Patienten kann heute auf dauerhafte Heilung hoffen. Ein Grund dafür liegt sicherlich in den immer besser werdenden Therapien, die individueller auf Patientinnen und Patienten abgestimmt werden können.

Dazu ist die Akzeptanz für begleitende Therapien aus der Naturheilkunde oder der Traditionellen Chinesischen Medizin gestiegen. "Sie lindern Nebenwirkungen der schulmedizinischen Behandlung, stärken die Selbstheilungskräfte und lassen den Patienten selbst aktiv werden. Das ist wichtig für die Psyche", sagt Dr. Petra Wüller. Die Leipziger Ärztin leitet eine Praxis für integrative Medizin in Leipzig und betreut Patienten in enger Kooperation mit onkologischen Zentren.

Mit Bewegung gegen Fatigue

Nordic Walking
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So ist beispielsweise die positive Wirkung von Sport in großen Studien belegt. Typische Nebenwirkungen wie Gelenk- und Muskelbeschwerden sowie Fatigue, die chronische Müdigkeit, können durch körperliche Betätigung positiv beeinflusst werden und sogar das Rückfallrisiko senken. "Jeder Patient muss dabei für sich finden, was zu einem passt. Nur wenn es ihm liegt und Spaß macht, kann es positive Effekte haben" gibt Dr. Wüller zu bedenken. Empfohlen wird ein tägliches Ausdauerprogramm von etwa 30 Minuten pro Tag, dass auch drei Mal zehn Minuten aufgeteilt werden kann. Von Nordic Walking bis hin zu leichten Krafttraining ist letztlich alles erlaubt, was Spaß macht und im Sinne der ärztlichen Therapien sinnvoll ist.

Entspannung macht stark

Auch aus der Palette der Entspannungstechniken sollten sich Krebspatienten etwas suchen, was zu ihnen passt. Meditation, Yoga, Qi Gong, autogenes Training oder progressive Muskelentspannung - Studien zeigen, dass solche Techniken zu einer Verbesserung der Lebensqualität führen, den Schlaf verbessern und unter Umständen sogar den Schmerzmittelverbrauch reduzieren. "Solche Therapien können eine gute Strategie sein, um die Erkrankung und das ganze Drumherum besser zu bewältigen", sagt Dr. Wüller. Entspannungstechniken müssen allerdings anfangs ein wenig geübt werden, um sie in Stresssituationen abrufen zu können. Wer sie beherrscht, kann sie überall durchführen. Auch im Wartezimmer, wenn Ängste vor der nächsten Diagnose aufkommen.

Immer Rücksprache halten

Auch Therapien aus der Naturheilkunde sind sinnvoll für Krebspatienten. Kneippsche Güsse beispielsweise stärken das Abwehrsystem und fördern die Durchblutung. Und sie sind einfach zu Hause durchzuführen. Problematisch wird es jedoch, wenn Patienten nicht mit ihrem Arzt darüber sprechen, wenn sie zusätzlich pflanzliche Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel einnehmen. Das kann gefährliche Wechselwirkungen nach sich ziehen. So verändern die Wirkstoffe aus Johanniskraut, Ginkgo oder Baldrian die Wirkung einer Chemotherapie. Deshalb ist eine Rücksprache mit dem behandelnden Arzt unerlässlich.

Die Macht der Selbstheilungskräfte

Es ist immer gut, sich nicht nur behandeln zu lassen, sondern auch selbst zu handeln. Egal ob Akupunktur, Wickel, Güsse oder Entspannungsübungen – die Anwendungen haben alle das gleiche Ziel: Sie sollen die Selbstheilungskräfte des Körpers aktivieren und die Lebensqualität verbessern. So sind die Betroffenen der oft langwierigen Therapie besser gewachsen. Der positive Einfluss der seelischen Balance auf den Krankheitsverlauf ist tatsächlich nachgewiesen.

Nebenwirkungen der Krebsbehandlung lindern

Bestrahlung und Chemotherapie gehen oft mit erheblichen Nebenwirkungen einher. Ergänzende Anwendungen von komplementären Therapien sollten immer mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Maisbarthaartee gegen Müdigkeit
Müdigkeit und Appetitmangel sind häufige Begleiterscheinungen bei Krebspatienten. Ein Tee aus Maisbarthaaren hat dann einen positiven Effekt auf den Energiehaushalt. Der milde, leicht süßlich schmeckende Kräutertee wird mit den getrockneten, vor der Blütezeit geernteten fadenartigen Maisgriffeln zubereitet. Für eine Tasse wird etwa ein Esslöffel zerkleinertes Maishaar mit heißem Wasser übergossen. Fünf Minuten ziehen lassen. Dann je nach Geschmack etwas Birnendicksaft dazu geben und warm trinken.

Auf dem Rücken einer Frau werden Akupunkturnadeln gesetzt
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Akupunktur gegen Übelkeit
Übelkeit und Brechreiz sind dank moderner Medikamente seltener geworden. Eine naturheilkundliche Begleitung bringt zusätzlich Erleichterung. Akupunktur kann eine wirkungsvolle Ergänzung sein. Es gibt sie als normale Behandlung oder Dauerakupunktur, die über mehrere Tage geht.

Ingwer und Pfefferminze gegen Übelkeit
Auch die Pflanzenheilkunde hat mit der Ingwerwurzel und der Pfefferminze zwei klassische Heilpflanzen gegen Übelkeit. Beide enthalten stark wirksame ätherische Öle, die als Tee getrunken werden. Wer oft friert, sollte zur Ingwerwurzel greifen, wer sich überhitzt fühlt, eher zur Pfefferminze.

Gefrorenes gegen Schleimhautentzündungen:
Schleimhautentzündungen im Mund sind nicht nur schmerzhaft, sondern führen zu Appetitverlust, Nähr- und Mineralstoffmangel. Vorbeugend wirken tief gefrorene Ananasstücke, gefrorene Salbeiteestücke oder geeiste Melone. Man lutscht die Eiswürfel am besten fünf Minuten vor der Chemotherapie und währenddessen. Mundspray aus Blutwurz, Ratanhiawurzel und Myrrhe hat sich ebenfalls zur Vorbeugung bewährt. Entzündungshemmend wirken Kräuterspülungen aus Kamille oder Salbei.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 05. Dezember 2019 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Februar 2020, 05:00 Uhr