Toilettenschild
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Verdauungsprobleme Durchfall: Wann zum Arzt?

Jeder kennt das: Kaum haben wir etwas "Falsches" gegessen, schon rebellieren Magen und Darm. Zum Glück ist die Sache meist ein, zwei Tage später durchgestanden. Doch was, wenn Durchfall chronisch wird?

von Jörg Simon

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Alle paar Minuten auf die Toilette. Nichts will im Körper bleiben. Nachts ist kein Schlaf zu finden. Bauchschmerzen, Müdigkeit, Schwächegefühl. Jeder, den es so erwischt hat, verflucht ihn, den Durchfall. Dabei ist er eigentlich etwas Gutes, wie der Gastroenterologe Prof. Dr. Jost Langhorst erklärt: "Durchfall ist eine nützliche Reaktion unseres Körpers, um einen Krankheitsherd möglichst schnell auszuschwemmen." Bösartige Keime oder Gifte sollen so gar nicht erst die Chance bekommen, im Organismus Schäden anzurichten.

Mediziner sprechen von Durchfall, wenn jemand mehr als drei Mal pro Tag Stuhlgang hat. Typisch ist dabei die besonders weiche bis nahezu flüssige Beschaffenheit des Stuhls. Außerdem wird oft auch eine vermehrte Stuhlmenge ausgeschieden.

Wenn die Beschwerden länger als zwei oder drei Tage anhalten, sollte ärztlicher Rat eingeholt werden. Bei begleitenden Warnzeichen wie hohem Fieber, Erbrechen, starken Schmerzen, Kreislaufproblemen oder Blut im Stuhl sollten Betroffene jedoch sofort zum Arzt. Auch wenn ein kleines Kind oder ein älterer Mensch betroffen ist, sollte ebenfalls nicht mit dem Gang in die Praxis warten.

Was kann zu Durchfall führen?

 Rotavirus
Rotaviren Bildrechte: imago/Science Photo Library

Zu den Auslösern eines akuten Durchfalls zählen Krankheitserreger wie Bakterien, Viren oder Parasiten. Mitunter spielen auch ungewohnte, verdorbene oder unzureichend gegarte Lebensmittel eine Rolle. Auch bestehende Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten können zu Durchfall führen. Nicht zu vergessen sind Vergiftungen, zum Beispiel durch Pilze. Außerdem zählt Durchfall zu den möglichen Nebenwirkungen bestimmter Medikamente, darunter nicht selten Antibiotika.

Chronischer Durchfall ist mitunter das Ergebnis von bestimmten entzündlichen Erkrankungen des Darms, zum Beispiel Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn.  Manchmal sind Störungen des Hormonhaushalts die Ursache, etwa durch eine Erkrankung der Schilddrüse. Im schlimmsten Fall kann aber auch ein Tumor im Magen-Darm-Trakt dahinterstecken. Lassen sich alle anderen möglichen Ursachen ausschließen, wird oft die Diagnose "Reizdarm" gestellt.

Patientengeschichte: Die Suche nach dem Durchfall-Auslöser

Gabriele H. lebte bis vor anderthalb Jahr ein sehr aktives Leben – nun schränkt sie ihr Darm massiv ein. "Die ersten Anfänge sind vielleicht im Februar gewesen im Winterurlaub", schildert sie. "Da hatte ich Pizza gegessen und das ging nicht gut. Und da hab ich mir gedacht, das ist eben, weil du das Fett nicht verträgst."

Toilettentür zeigt "Besetzt" an
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Doch der Durchfall kam wieder. Und blieb. Die heute 73-Jährige musste ständig auf die Toilette. Sie musste Reisen und Verabredungen absagen, ging nicht mehr einkaufen. Frei verkäufliche Medikamente halfen manchmal kurzzeitig, dann aber wieder nicht. Lag es vielleicht an bestimmten Nahrungsmitteln? Sie versuchte, verdächtige Lebensmittel wegzulassen. Doch auch das half nicht.

Internist Dr. Andreas Klamann aus dem Sana Klinikum Borna machte sich an die Diagnose. "Man beginnt mit dem Befragen. Ist der Stuhlgang wässrig, ist er schleimig, ist er eitrig, ist er blutig? Wir brauchen also mehr Informationen darüber, wie der Stuhl aussieht. Ob in der Nacht Stuhlgang auftritt, ob es eine Gewichtsabnahme gab, und vielleicht auch, wie die Vorgeschichte mit Auslandsaufenthalten oder Reisen gewesen ist."

Eine Darmspiegelung brachte zunächst kein Ergebnis - keine sichtbaren Veränderungen in der Darmschleimhaut. Doch dann wurden die Proben aus der Schleimhaut unter dem Mikroskop untersucht. Und endlich - eine Erklärung. Bei Frau H. zeigte sich, dass in der Darmschleimhaut vermehrt Bindegewebe eingelagert wird. Die Krankheit nennt sich "Kollagene Colitis", eine chronische Entzündung. Was genau sie anschiebt, ist bisher unbekannt.

Ein niedrig dosiertes Cortison-Präparat sorgt nun dafür, dass Frau H. ein normales Leben führen kann.

Typische Durchfall-Erreger

Salmonellen
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Zu den bekanntesten und häufigsten Durchfall-Keimen gehören die Salmonellen. Das sind stäbchenförmige Erreger, die zu Lebensmittelinfektionen führen können. Salmonellen leben vor allem in den Verdauungstrakten von Rindern, Schweinen oder Geflügel. Die Tiere selbst erkranken in der Regel nicht an diesen Keimen. Durch verunreinigte Eier oder Fleisch gelangen die Erreger aber in die menschliche Nahrung. Mangelnde Kühlung und fehlende Küchenhygiene können dann zu einer massenhaften Vermehrung führen.

Weniger bekannt, aber nicht weniger bedeutsam sind Infektionen mit dem Campylobacter-Erreger. Sie gelten als die häufigste meldepflichtige bakterielle Infektion in Deutschland, jedes Jahr gibt es laut Robert-Koch-Institut zwischen 60.000 und 70.000 Erkrankungen. Durchfälle aufgrund von Campylobacter gibt es vor allem in der warmen Jahreszeit, also in der typischen Grillsaison. Verunreinigtes Geflügelfleisch, aber auch Rohmilch können zur Infektionsquelle werden.

Ein Bild mit einem Lebensmittelrückruf. 5 min
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Jüngst in den Schlagzeilen waren Listerien, zum Beispiel aus verunreinigten Wurstwaren. Sie kommen aber auch auf kontaminierten Salatblättern vor.

Besonders gefährlich sind Infektionen mit bestimmten häufigen Darmbakterien, die Giftstoffe bilden können. Man spricht dann von EHEC- oder ETEC-Keimen.

Norovirus
Norovirus Bildrechte: imago/Science Photo Library

Jetzt in der kalten Jahreshälfte ist wieder Saison für einen weiteren wichtigen Durchfall-Erreger - das Noro-Virus. Ähnlich wie Rota-Viren sind auch Noro-Viren äußerst ansteckend und verbreiten sich sehr schnell in Gemeinschaftseinrichtungen, zum Beispiel in Kindergärten oder Schulen, aber auch in Krankenhäusern und Altersheimen. Kinder und Senioren sind meist am schwersten von einer Erkrankung durch Noro-Viren betroffen. Die Erreger leben nicht in Tieren, sondern nur im Menschen. Verbreitet werden sie durch Stuhl und Erbrochenes.

Hausmittel gegen akuten Durchfall

Tee wird in ein Teeglas gegossen
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Wer unter Durchfall leidet, könnte auf den Gedanken kommen, möglichst wenig zu trinken, damit nicht so viel Flüssigkeit in den Darm gelangt. Das ist grundfalsch und sogar gefährlich. Jeder Durchfall führt zu einem hohen Flüssigkeitsverlust im Körper, der unbedingt aufgefangen werden muss, auch wenn vieles von dem, was getrunken wird, den Körper wenig später wieder verlässt. Unterstützen Sie also Ihren Körper dabei, krankmachende Stoffe auszuschwemmen, und füllen Sie Flüssigkeit wieder auf. Am besten eignen sich Kräutertees, deren Inhaltsstoffe zudem Krämpfe lösen und den aufgebrachten Verdauungstrakt beruhigen können.

Der Klassiker gegen Durchfall bei Kleinkindern hilft auch Erwachsenen ist geriebener Apfel. Das Pektin in den Äpfeln, ein Ballaststoff, bindet Flüssigkeit.

Außerdem wird häufig Tee aus getrockneten Heidelbeeren bzw. Heidelbeer-Muttersaft empfohlen.

Bei akutem Durchfall sind Flohsamen einen Versuch wert. Sie quellen sehr stark auf und sammeln so Wasser.

Heilerde und Kohletabletten: Der Gedanke ist hier, dem Darm einen Stoff mit sehr großer Oberfläche anzubieten. Das bindet sowohl Wasser als auch Erreger und Giftstoffe.

Übrigens: Cola und Salzstangen werden bei Durchfall ausdrücklich nicht empfohlen. Grund: Sie enthalten zu viel Zucker und zu wenig Mineralstoffe.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 21. November 2019 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. November 2019, 13:07 Uhr