Frauenhand mit Computermaus
Bildrechte: IMAGO

Ellenbogengelenk Was ist ein "Mausarm"?

Wir sitzen viel am Computer. Wer dabei aber Schmerzen im Arm empfindet, sollte wachsam sein. Die Beschwerden können sich zu einem sogenannten "Mausarm" entwickeln, der sich vor allem im Ellenbogengelenk äußert.

von Matthias Toying

Frauenhand mit Computermaus
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Ohne Computer geht es kaum noch. Viele verdienen mit ihm ihr Geld oder geben es online wieder aus. Mit ihm pflegen wir Kontakte und verbringen unsere Freizeit. Wir nutzen ihn im Durchschnitt mehr als sechs Stunden täglich, so eine Umfrage des Marktforschungsinstituts Forsa. Gesund ist das nicht. Das ist klar. Während sich Bewegungsmangel, falsche Körperhaltung und schlechte Beleuchtung oft erst nach Jahrzehnten negativ auswirken, macht sich das Ellenbogengelenk relativ schnell bemerkbar. "Vor allem, wenn man ohne längere Pausen, immer wieder die gleichen Bewegungen ausführt, mit einer Hand an der Computer-Maus", erläutert Prof. Pierre Hepp, Bereichsleiter für Gelenkchirurgie an der Uniklinik Leipzig. Wenn Schmerzen auftreten, sei es im Grunde fast schon zu spät. Denn Schmerzen sind Zeichen für eine Entzündung, die mit inneren Verletzungen verbunden sein kann. Das Sehnen-Gewebe, das den Muskel mit dem Knochen verbindet, wird gezerrt. Einzelne Fasern können reißen, möglich sind sogar größere Risse mit Einblutungen: "Diese Sehnen nennen wir Unterarmstrecker. Mit ihrer Hilfe können wir die Hand nach oben bewegen. Auf der anderen Seite des Unterarms setzen die Sehnen am Ellenbogen an, genauer: an seiner Außenseite. Darum spüren wir den Schmerz eben dort, an der Außenseite des Ellenbogengelenks." Solche Beschwerden nennt man "Mausarm". Bekannter noch ist der Begriff "Tennisarm". Es sind zwei Namen für ein und dasselbe Leiden. Mediziner nennen es: Epikondylitis humeri radialis.

Was tun, wenn es schmerzt?

Auf diese Frage hat Prof. Pierre Hepp eine klare Antwort: "Im akuten Fall, also wenn eine Entzündung entstanden ist und stark schmerzt, ist die wirksamste Hilfe tatsächlich, diese Bewegungen zu vermeiden. Das bedeutet: Finger weg vom Computer!" Begleitend dazu sollte der Arm vorübergehend ruhig gestellt werden, am besten mit einer Schiene, um die man einen Verband anlegt. Als "erste Hilfe" könne man auch mit Wärme oder Kälte behandeln. Das bedeutet: Entweder den Ellenbogen heiß baden oder mit Eispäckchen stark kühlen. Am besten ausprobieren, was wirksamer ist. Sollte die Entzündung nach einigen Tagen nicht abgeklungen sein, sollte man auf jeden Fall den Hausarzt aufsuchen. Der kann eine Physiotherapie verordnen, die das Problem lokal behandelt. Es gibt auch sogenannte Orthesen, also Bandagen, die einerseits das Gelenk stützen und andererseits die Durchblutung im Gelenk fördern.


Herr Professor Hepp, was halten Sie von ...

... der Lasertherapie?
Prof. Pierre Hepp: "Dabei wird der Schmerz mit gebündeltem Licht behandelt. Das Besondere an dieser Maßnahme, ist die Tiefenwirksamkeit. Es gibt die Hypothese, dass sie die Durchblutung anregt, wodurch die Hilfsstoffe des Körpers leichter an den Entzündungsherd gelangen und die Heilung fördern. Ich betreue eine Mannschaft des Handball-Bundesligisten SC DHfK Leipzig ärztlich. Mein Part ist Diagnostik und chirurgische Versorgung. Unsere Physiotherapeuten nutzen die Lasertherapie. Im Profisport spielt sie eine große Rolle. Eine Behandlung dauert 15 bis 20 Minuten. Nach sechs bis acht Sitzungen sollte der Schmerz deutlich gelindert sein."

... der Stoßwellentherapie?
Prof. Pierre Hepp: "Hier handelt es sich um mechanisch-akustische Druckimpulse. Solche Behandlungen können ein wenig schmerzhaft sein. Damit der Arzt weiß, dass er am richtigen Punkt ist, muss der Patient während der Anwendung permanent rückmelden, wo er besonders starke Schmerzen spürt. Sie ist sehr wirksam bei sogenannten Ansatzreizungen, also an den Stellen, an denen die Sehnen an den Muskeln ansetzen. Auch hier nimmt man an, dass eine vermehrte Durchblutung die Entzündung eindämmt. Für eine optimal wirkende Stoßwellentherapie sind drei bis fünf Behandlungen notwendig."

... der Schockeistherapie?
Prof. Pierre Hepp: "Bei dieser Behandlungsmethode wird ein bestimmter Schmerzpunkt, ein sogenannter Trigger-Punkt kurz vereist. Dann wird die Muskulatur des Arms stark gedehnt. Damit soll der Trigger-Punkt gelöst werden. Diese Methode kommt aus den USA. Angeblich soll sie durch die Leibärztin von John F. Kennedy entwickelt worden sein. Hier in Europa haben wir noch nicht ausreichend Erfahrungen damit. Wir wissen nicht, welche Ergebnisse diese Behandlung mittelfristig hat. Was wir wissen ist, dass Kältebehandlungen sehr wirksam sind bei akuten Ereignissen, also unmittelbar nach einem Unfall. Wir nutzen das im Sport sehr oft, weil es Schwellungen schnell reduziert und Schmerzen lindert.


"Golfarm" oder "Tennisarm"?

Golfspieler
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Beim "Golfarm" schmerzt die Innenseite des Ellenbogens, beim "Tennisarm" die Außenseite. Der "Golfarm" ist selten, der "Tennisarm" häufig. Man muss aber weder Golf noch Tennis spielen, noch muss man überhaupt Sport treiben, um darunter zu leiden: "Obwohl das Ellenbogengelenk, besonders bei Wurfsportarten, ständig in Gebrauch ist, verletzen sich Sportler eher an Schulter, Knie oder am Sprunggelenk, aber selten am Ellenbogen.", erklärt Prof. Hepp, "Im Lebensalltag spielen solche Verletzungen hingegen eine große Rolle." Das liege daran, dass nicht nur die Arbeit am Computer, sondern auch viele andere Tätigkeiten mit immer wiederkehrenden,  stets gleichen Handbewegungen verbunden seien. Wer etwa in einer Fabrik oder im Logistikbereich arbeitet, habe auch ein großes Risiko, einen "Tennisarm" zu bekommen.

Ein Tipp vom Autor: Ich kann es mir als Freiberufler selten leisten, mich krankschreiben zu lassen, nur weil der Arm schmerzt. Also habe ich erfolgreich eine Lösung ausprobiert, die ich Ihnen empfehlen möchte. Tut der rechte Ellenbogen weh (oder das Handgelenk oder die Schulter), nehme ich die Computer-Maus auf die linke Seite und arbeite mit der linken Hand weiter. In den Systemeinstellungen des Computers kann man die Maus für den linkshändigen Gebrauch einstellen (Tastenkonfiguration). Anfangs braucht das Arbeiten mit der linken Hand ein wenig Übung, doch die Gehirnhälften stellen sich schnell darauf ein. Ein Neurologe versicherte mir sogar, ich würde mein Gehirn besonders wirksam trainieren, wenn ich die Hände immer wieder einmal wechsele, selbst wenn ich keine Schmerzen habe. Im Internet fand ich eine sogenannte Linkshänder-Maus. Sie ist ergonomisch geformt, so dass man sie entspannt und leicht benutzen kann, auch als Rechtshänder, der ich bin.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 20. September 2018 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. September 2018, 12:19 Uhr