Yoga, Ernährung und Co. Endometriose: Sanfte Therapien und wie sie wirken

Endometriose betrifft offiziell ca. sechs Prozent aller Frauen. Starke Unterleibsschmerzen sind eines der wenigen Symptome, unter dem fast alle Patientinnen leiden. Ansonsten ist die Endometriose so vielfältig in ihrer Ausprägung, wie die Patientinnen selbst. Aktuell gibt es nur zwei Therapieansätze: Entweder wird Endometriose hormonell oder operativ behandelt. Doch gerade bei der Unterleibserkrankung können sanfte Therapien wie Yoga oder Ernährung einen großen Unterschied machen.

eine Frau hält sich den Bauch
Endometriose sind nicht nur Unterleibsschmerzen. Darmprobleme, starke Müdigkeit und Depressionen sind Begleiterscheinungen. Bildrechte: imago images/PhotoAlto

Birte-Kerstin Walter hatte vor vier Jahren ihre Operation. Mittlerweile weiß sie, welche Yogaübungen ihr zu welchem Zeitpunkt im Monat gut tun. Doch wie viele Patientinnen hatte auch sie schon lange vor ihrer Diagnose jahrelang Beschwerden.

Sie sagt: "Ich hatte Jahre vorher auch schon Yoga gemacht, um diese chronischen Unterbauchbeschwerden zu behandeln oder anzugehen. Das ist mir auch gut bekommen, Bewegung hat mir immer gut getan." Gerade bei Yoga seien die Dehnübungen hilfreich gewesen. Bis die Probleme so schwerwiegend wurden, dass es gar nicht mehr ging, erzählt Walter weiter.

Etwas gegen die Schmerzen bei Endometriose tun: Yoga

Sylvia Mechsner sitzt in einem Garten
Endometriose-Expertin Sylvia Mechsner. Bildrechte: Sylvia Mechsner/Charite Berlin

Sylvia Mechsner, Leiterin des Endometriose-Zentrums der Berliner Charité, kann Yoga, Beckenbodenentspannungsübungen oder Osteopathie nur empfehlen. Konkrete Forschung dazu gibt es zwar nicht. Doch aus ihrer Praxis weiß sie, dass auch ihre Patientinnen von guten Erfolgen berichten. Zum einen steigere es das Gefühl, selbst etwas gegen die Erkrankung tun zu können, sagt die Ärztin. Zum andern lebten die Patientinnen, so wie auch Birte-Kerstin Walter, meist jahrelang mit ihren Schmerzen ohne Diagnose oder Behandlung. So hätten Frauen irgendwann nicht mehr nur Unterleibsschmerzen, sondern auch Schmerzen beim Wasserlassen, Stuhlgang oder Geschlechtsverkehr.

Die Ärztin führt aus: "Weil dann einmal die Empfindlichkeit und die Schmerzwahrnehmung steigt. Und zum anderen natürlich auch die Reaktion des Körpers auf diese starken Schmerzen erfolgt. Die Beckenbodenmuskulatur verspannt sich, es kommt zu Fehlhaltungen, Schonhaltungen. Und wenn eine Frau aus dieser Schmerzsituation nicht wieder völlig entspannt raus geht, und es trifft wieder auf diese vor-verspannten Areale, dann verstärkt sich das mit der Zeit."

Neuer Umgang mit dem eigenen Körper

Nach jahrelangen Beschwerden ohne Behandlung sei das Schmerzgedächtnis sehr ausgeprägt. Es müsse also ein neuer Umgang mit dem Schmerz und dem eigenen Körper erlernt werden. Auch, wenn es manchmal ohne Hormone oder Operationen nicht geht – komplementäre Behandlungen, wie Dr. Mechsner sie nennt, sollten Teil des gesamten Behandlungskonzeptes sein. Davon ist sie mittlerweile überzeugt. Auch die Ernährung scheint einen großen Einfluss zu haben.

Früher habe sie das Thema Ernährung selbst "abgetan", wie sie sagt. Doch seit ihr Mann selbst Rheuma hat und sie beobachten könne, wie Histamine, zum Beispiel im Rotwein, eine Schmerzverstärkung verursachen, habe sie auch bei ihren Patientinnen mit Endometriose verstärkt nachgefragt. Eine antientzündliche Ernährung werde deshalb immer empfohlen:

Sehr viele Frauen sind deutlich beschwerdegebessert durch eine Ernährungsumstellung.

Sylvia Mechsner, Leiterin des Endometriose-Zentrums der Berliner Charité

Endometriose kommt selten allein

Da Endometriose entzündliche Reaktionen im Körper auslöst, ist eine antientzündliche Ernährung naheliegend. Doch Endometriose kommt selten allein. Blähbäuche und Reizdarm, Unverträglichkeiten und Allergien sind auch häufig Teil des Krankheitsbildes. Gluten und Zucker weg lassen, eine eher fleischarme Kost und keine Pestizide – das scheint Dr. Mechsners Patientinnen zu helfen. Was konkret funktioniert, müsse aber letztlich jede für sich selbst rausfinden.

Auch bei ihr habe die Ernährungsumstellung enorm geholfen, sagt Birte-Kerstin Walter: "Ich esse nicht irgendwie was, sondern ich setz mich damit tagtäglich auseinander (...) Ich merke, dass wenn ich darauf achte, was ich meinem Körper anbiete, dass ich viel weniger Darmbeschwerden habe und dass ich damit viel besser umgehen kann. Dass ich dann auch weiß, okay, jetzt kriege ich Bauchschmerzen oder ich habe Übelkeit, weil ich jetzt das und das gegessen habe."

Depression und Müdigkeit sind keine Seltenheit

Nicht selten sind auch chronische Müdigkeit, Niedergeschlagenheit und Depressionen Begleiterscheinungen von Endometriose. Sich mit Yoga und Ernährung etwas Gutes zu tun, kann neben dem körperlichen, auch das geistige Wohlbefinden steigern. 

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 06. Juli 2020 | 05:54 Uhr

0 Kommentare