Gesundheit Entzündungen erkennen, bevor es zu spät ist

Eine Entzündung ist eine natürliche Reaktion des Immunsystems. Doch wenn man das Immunsystem überreagiert, entstehen Entzündungskrankheiten wie Rheuma. Andere schwere Krankheiten wie Herzschwäche oder Diabetes können ebenfalls folgen. Wie erkennt man Entzündungen und wie werden sie behandelt? Gesundheitsexperte Dr. Thomas Dietz gibt Auskunft.

Patient hält schmerzenden Arm
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Wie entsteht eine Entzündung im Körper?

Eine Entzündung ist eine natürliche Reaktion des Immunsystems. Sie entsteht, wenn unser Immunsystem den Kampf ausruft, um einen schädigenden Reiz im Körper zu beseitigen und um damit die Voraussetzung für Reparatur und wieder störungsfreies Funktionieren zu schaffen.

Unser Körper versucht, Krankheitserreger und Schadstoffe zu beseitigen. Wenn das aus den Fugen läuft, entstehen Entzündungskrankheiten wie Rheuma oder Morbus Crohn.

Auch bei vielen anderen Krankheiten wissen Mediziner heute, dass unentdeckte Entzündungen im Körper eine Ursache für Diabetes, Arterienverkalkung und sogar bei Nervenerkrankungen wie Parkinson sind.

Bewegungsmangel, Übergewicht und Schlafstörungen heizen die Entzündungen außerdem noch an, Müdigkeit und Schwäche sind die Folge.

Ursachen von entzündlichen Erkrankungen

Entzündungen können durch verschiedenste Reize ausgelöst werden:

  • durch äußere Verletzungen wie Wunden
  • durch mechanische Reize, wie Druck, Hitze, Über- und Fehlbelastungen oder beim Sport
  • durch chemische Reize, wie Allergene oder Gift
  • durch biologische Reize, wie Bakterien, Viren oder Pilze
  • durch Grunderkrankungen, wie Diabetes

Die Entzündungsreaktion selbst ist ein komplexer Prozess, an dessen Regulation eine Vielzahl unterschiedlicher Komponenten beteiligt ist.

Die fünf klassischen lokalen Zeichen einer Entzündung

  • Rötung 
  • Schwellung
  • Schmerz
  • Überwärmung
  • eingeschränkte Funktion

Neben lokalen Entzündungszeichen können sich – in Abhängigkeit von der Schwere der Entzündung – auch Zeichen einer Allgemeinreaktion des Körpers einstellen, wie z.B. Fieber, Nachtschweiß und ein allgemeines Krankheitsgefühl.

Allerdings treten diese Anzeichen nicht immer deutlich sichtbar oder für einen Betroffenen spürbar auf.

Wie wird eine Entzündung erkannt?

Besteht der Verdacht, ein Patient könnte an einer entzündlichen Erkrankung leiden, so geben verschiedene Laborbefunde Hinweise auf die mögliche Schwere der Erkrankung. In der Labormedizin werden zur Feststellung einer Entzündung die Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG), das C-reaktive Protein (CRP) und die Anzahl der Leukozyten (weiße Blutkörperchen) bestimmt. In seltenen Fällen ist die Bestimmung des Prokalzitonins (PCT, ein Marker für Infektionen) ein zusätzliches Hilfsmittel einen Infekt über einen Blutwert zu erkennen.

Viren
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Aus diesen Werten kann der Arzt mit ziemlicher Sicherheit schließen, ob ein entzündlicher Prozess im Körper im Gange ist und entsprechend handeln. Normalerweise unterscheidet das Immunsystem zwischen "Freund und Feind": Es lässt körpereigene Substanzen unbehelligt und bekämpft nur Fremdkörper. Bekämpft fremde Substanzen und Erreger wie Bakterien, Viren, Pilzen oder Parasiten.

Wenn unser Immunsystem auch körpereigenes Gewebe irrtümlicherweise  als fremd ansieht und dann eine überschießende Immunreaktion gegen dieses Gewebe herbeiführt, spricht man von einer Autoimmunerkrankung. Autoimmunerkrankungen können prinzipiell jedes Organsystem treffen. Dennoch sind einige Bereiche und Gewebe häufiger betroffen: Bei Diabetes-Typ 1 die B-Zellen der Bauchspeicheldrüse; bei rheumatoider Arthritis das Bindegewebe; bei Schuppenflechte die Haut; bei Multipler Sklerose das Gehirn und das Rückenmark; bei Morbus Crohn der Darm.

Lebensmittel können helfen, Entzündungen einzudämmen, aber auch schaden

Bestimmte Lebensmittel feuern aufflackernde Entzündungen erst so richtig an: Süßes, Weizenprodukte und übermäßiger Fleischkonsum, vor allem Schweinefleisch, das besonders viele entzündungsfördernde Substanzen enthält.

Übergewichtige sind häufig betroffen, denn das körpereigene Bauchfett produziert entzündungsfördernde Hormone. Daher sollte alles vermieden werden, was den Bauchumfang steigert.

Welche Lebensmittel wirken entzündungshemmend?

Die richtige Ernährung kann viel dazu beitragen, Entzündungen einzudämmen. Gerade Patienten, die von Arthrose und Rheuma betroffen sind, können von der richtigen Ernährung profitieren. Viel Obst und Gemüse am Tag, ob gegart, als Rohkost oder Salat, sind wichtig. In Gemüse, Beeren, Nüssen und Obst stecken Tausende sekundäre Pflanzenstoffe, die entzündungshemmend wirken.

Auch Gewürze sind durch ihre ätherischen Öle und Scharfstoffe wie Medizin: Kurkuma hat sich zum Beispiel hochwirksam gegen Arthrose erwiesen, auch Ingwer und Chili. Omega-3-Fettsäuren, in pflanzlichen Ölen und Kaltwasserfischen, haben auch einen antientzündlichen Effekt – besonders bei rheumatischen Erkrankungen.

Wer sich abwechslungsreich mit viel Gemüse, Obst, Gewürzen, guten Fetten, Nüssen und Kräutern ernährt, der führt sich viele sekundäre Pflanzenstoffe und wichtige Mineralien zu. Und: Auch Sport wirkt immer entzündungslindernd!

Erste-Hilfe-Tipps bei Entzündungen

  • Gönnen Sie sich und Ihrem Körper Ruhe
  • Vermeiden Sie anstrengende Aktivitäten
  • Trinken Sie viel Wasser oder Tee – am besten Kräutertees, denn sie dienen der Entschlackung und unterstützen die Ausscheidung von Abfallprodukten, die durch den Entzündungsprozess entstehen
  • Ernähren Sie sich gesund und schonen Sie Ihr Verdauungssystem
  • Kühlen Sie entzündeten Bereiche die zugänglich sind, z:b. auf der Haut

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 17. September 2020 | 17:00 Uhr