Ein Mann bestimmt Pilze mit Hilfe einer Tablet-App.
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Pilz-Vergiftungen Experten warnen vor Pilz-Apps

In diesen Wochen sind wieder Pilze-Sammler in den Wäldern unterwegs. Doch es ist Vorsicht geboten. Ein falsches Gewächs im Korb kann fatale Folgen haben. Experten warnen davor, bei der Bestimmung nur die App zu nutzen.

von Ole Steffen und Anne Flemming

Ein Mann bestimmt Pilze mit Hilfe einer Tablet-App.
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Martin Groß vom Landesverband der Pilzsachverständigen in Sachsen-Anhalt sagte dem MDR-Magazin "Hauptsache Gesund": "Wir halten nicht sehr viel von diesen Pilz-Apps, denn oft sind Laien damit unterwegs. Der Laie ist aber mit der Pilz-Bestimmung nicht vertraut". Groß weiß, dass es bei Pilzen sehr viele leicht verwechselbare Arten gibt: "Manche Pilze haben hochgiftige Doppelgänger". Seine Sichtweise deckt sich mit der Position der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (Pilzkunde):

 "Hierzulande sind mehr als 6.000 Großpilze bekannt, deren variables Aussehen keine App in allen Formen wiedergeben kann. Spätestens bei der Beurteilung, ob ein Vorschlag zutrifft oder nicht, sind schwerwiegende Irrtümer möglich."

App-Test mit schlechtem Fazit

Bereits 2015 hat die Deutsche Gesellschaft für Mykologie einen Vergleichstest mit sieben Apps zur Bestimmung von Pilzen durchgeführt. Dabei wurden Such- und Bestimmungsfunktionen, die Qualität von Abbildungen und Beschreibungen sowie die Darstellung von Warnhinweisen verglichen. In der Auswertung erhielt nur eine App die Note "gut" – und zwar jene namens "Meine Pilze". Drei weitere Apps werteten die Experten als "befriedigend". Die letzten drei Apps erhielten die Note "weniger gut."

von unten gegen den Himmel fotografierter Lamellenpilz
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Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie kommt in der Auswertung des Tests zu dem Schluss, dass keines der getesteten Produkte "einen unerfahrenen Anwender sicher durch die verwirrende Vielfalt an Pilzarten und Fruchtkörperformen geleiten" könne. "Das ist viel zu gefährlich", sagt Bettina Haberl von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie im Interview mit "Hauptsache Gesund": "Da raten wir ganz dringend von ab."

Dass eine falsche Pilz-Bestimmung zu lebensgefährlichen Konsequenzen führen kann, zeigen aktuelle Fälle in Bayern. Im Uniklinikum Regensburg liegen laut Recherchen des Bayerischen Rundfunks viele Patienten mit Pilzvergiftung auf der Intensivstation. Einige dieser Patienten sollen die später verzehrten Pilze vorher mithilfe von Apps bestimmt haben.

Pilzberater statt Pilz-App

Martin Groß vom Pilzsachverständigen-Verband Sachsen-Anhalt will die Smartphone-Apps nicht pauschal verteufeln. Sie sind seiner Meinung nach aber lediglich eine zusätzliche Option für bereits sachkundige Sammler. Insofern plädieren die Experten nach wie vor dafür, sich immer auch Rat vom ortsansässigen Pilzberater zu holen – am besten mit den frisch gesammelten Pilzen im Gepäck.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 12. September 2019 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. September 2019, 13:25 Uhr