Zungenschrittmacher
Zungenschrittmacher können Apnoe-Patienten das Leben retten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Schlafapnoe Zungenschrittmacher: Fachärzte kritisieren Hürden bei Kostenübernahme

HNO-Ärzte fordern für die Kostenübernahme bei Zungenschrittmachern bundesweit einheitliche Kriterien. Zungenschrittmacher sind Implantate, die ein Zurückfallen der Zunge in die Luftröhre während des Schlafes verhindern.

von Danny Voigtländer

Zungenschrittmacher
Zungenschrittmacher können Apnoe-Patienten das Leben retten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Führende HNO-Ärzte fordern eine einheitliche Regelung für die Kostenübernahme bei sogenannten Zungenschrittmachern. Dabei handelt es sich um Implantate, die bei Menschen mit lebensgefährlichen Atemaussetzern (Schlafapnoe-Syndrom) ein Zurückfallen der Zunge in die Luftröhre während des Schlafes verhindern. Schätzungsweise 2,5 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Schlafapnoe. Laut Statistischem Bundesamt ist die Zahl der Todesfälle aufgrund einer Schlafapnoe in den letzten Jahren gestiegen: von 55 Fällen in 2009 auf 140 Fälle in 2017. Der Zungenschrittmacher kann derzeit nicht als Standard bei den Krankenkassen abgerechnet werden.

Aufwendige Begründungen notwendig

"Bei uns in Thüringen muss dafür immer eine individuelle Kostenübernahmeprüfung durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen erfolgen. Aber dieser ist extrem zurückhaltend und verlangt immer noch lange Begründungen", sagte Gerlind Schneider dem MDR-Magazin Hauptsache Gesund. Sie ist geschäftsführende Oberärztin an der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde in Jena. Der bürokratische Aufwand verzögere die Behandlungen, das Problem bestünde bundesweit. Krankenhäuser und Patienten müssten für jeden Einzelfall aufwendig begründen, warum bereits etablierte Therapieformen wie zum Beispiel die Behandlung mit einer Atemmaske keinen Erfolg brächten.

Krankenkassen setzen oft auf Etabliertes

Krankenkassenkarten von gesetzlichen Krankenkassen, 2011
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Das bestätigt auch Professor Dr. med. Joachim Maurer. Er ist Leiter der Sektion Schlafmedizin am Universitätsklinikum Mannheim. Maurer sagt: "Patienten haben teilweise seit Jahren die Masken probiert, was nicht funktioniert hat, und sollen sie nun noch einmal ausprobieren. So werden die Antragsteller zermürbt." Das Ärgerliche daran sei nicht, dass die Krankenkasse die Wirksamkeit einer Behandlungsmethode überhaupt hinterfragt, sondern die Art und Weise. Die Kostenübernahme werde mit dem Hinweis abgelehnt, dass das neue Verfahren nicht so gut überprüft sei wie das etablierte. Dies sei ein Widerspruch in sich

Neues Implantate-Register-Errichtungsgesetz ab 2020

Hoffnung setzen die Mediziner in das neue Implantate-Register-Errichtungsgesetz, das der Deutsche Bundestag vor wenigen Wochen beschlossen hat und das am 1.1.2020 in Kraft tritt. Patienten sollen dann in der vertragsärztlichen Versorgung schnelleren Zugang zu neuen Therapien erhalten.

Beim sogenannten Schlafapnoe-Syndrom kommt es zu lebensgefährlichen Atemaussetzern. Dabei wird in der Medizin zwischen obstruktiven und zentralen Apnoen unterschieden. Die Zungenschrittmacher werden bei der obstruktiven Variante eingesetzt, etwa 20 Prozent dieser Patienten eignen sich dafür.

Todesfälle durch Schlaf-Apnoe, Quelle: Statistisches Bundesamt
Jahr Todesfälle
2017 140
2016 114
2015 108
2014 90
2013 88
2012 80
2011 48
2010 54
2009 55

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 14. November 2019 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. November 2019, 16:21 Uhr