Fragen und Antworten Immunitätsnachweis nach Coronavirus-Infektionen

Mit Immunitätsausweisen könnten Menschen belegen, dass sie nach einer Corona-Infektion nicht mehr ansteckend sind. Soweit die Theorie. Doch bei der Umsetzung gibt es medizinische, soziale und datenschutzrechtliche Probleme.

Anzucht einer Virenkultur im Labor
Anzucht einer Virenkultur im Labor (Symbolbild) Bildrechte: imago images/Science Photo Library

Ein Immunitätsnachweis soll belegen, dass Menschen nach einer Coronavirus-Infektion und überstandener Covid-19-Erkrankung immun gegen das Virus Sars-CoV-2 sind. Dieser Nachweis soll dabei ähnlich wie ein Impfpass funktionieren. Dazu hat das Bundesgesundheitsministerium im Mai 2020 einen Gesetzentwurf vorgelegt.

Wozu braucht man einen Immunitätsnachweis?

Durch den Immunitätsnachweis sollen immune Menschen im Falle strenger Corona-Beschränkungen wie einem Lockdown mehr Freiheiten erhalten. Laut Gesetzentwurf könnten sie aber weiter von "Maßnahmen gegen die Allgemeinheit", wie der Absperrung eines Ortes oder der Schließung von Einrichtungen oder Betrieben betroffen sein.

Bei Reisen ins Ausland könnten andere Staaten einen Immunitätsausweis verlangen. Manche Länder fordern bei der Einreise bereits jetzt einen Beleg für einen kürzlich vorgenommenen, negativen Corona-Test.

Welche Probleme gibt es mit dem Nachweis der Immunität?

Das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 ist noch nicht gründlich genug erforscht. So ist bislang unklar, wie lang eine mögliche Immunität nach einer Infektion anhält. Auch wie ausgeprägt diese ist, ist bislang nicht abschließend geklärt. So gibt es bereits Hinweise darauf, dass eine erneute Infektion mit dem neuartigen Coronavirus möglich ist. Dabei konnten die Wissenschaftler anhand des Virus-Genoms zeigen, dass es sich tatsächlich um eine Neuinfektion handelt. Wie häufig dies vorkommt, ist bislang nicht klar.

Wie Wissenschaftler aus Lübeck und China zeigen konnten, geht bei milden Verläufen die Zahl der Antikörper gegen das Coronavirus rasch zurück. Unklar ist, inwieweit die Betroffenen in diesen Fällen noch immun sind. Auch die WHO warnt: "Menschen, die denken, sie seien gegen eine zweite Infektion immun, weil sie positiv getestet wurden, könnten die öffentlichen Gesundheitsempfehlungen missachten".

Zudem können auch Coronavirus-Tests falsch sein, betonte Virologe Christian Drosten. Falsche Ergebnisse ohne tatsächlich vorhandene Immunität stellen demnach ein Risiko dar.

Welche ethischen Probleme gibt es?

Kritiker befürchten, dass ein Immunitätsnachweis zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft führen könnte. Arbeitgeber oder Versicherungen könnten einen solchen Nachweis verlangen. Menschen ohne diesen wären in solchen Fällen benachteiligt. Christian Drosten sieht auch im Privaten Probleme, dass zum Beispiel Menschen ohne Nachweis von Feiern ausgeschlossen werden könnten.

Ein weiteres Problem besteht darin, dass Menschen sich gezielt mit dem Coronavirus infizieren lassen könnten, um eine mögliche Immunität zu erlangen. Auch würde, führen Kritiker an, ein Immunitätsausweis Menschen belohnen, die sich rücksichtslos verhalten und dadurch infiziert hätten.

Wie steht es um den Datenschutz?

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber, befürchtet einen Missbrauch der Daten. Es handele sich um hochsensible, medizinische Daten. Nach den Regeln der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) dürfen diese grundsätzlich nicht verarbeitet werden. Bereits im April kritisierte Kelber den Gesetzentwurf. Das Ministerium habe keine verfassungsrechtlich erforderliche Abwägung mit dem Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung vorgenommen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. September 2020 | 06:15 Uhr