Corona und Fitness Mit Faszien-Training zu mehr Beweglichkeit

Fit bleiben trotz Corona: Gerade jetzt ist es wichtig, die Faszien zu trainieren, damit diese nicht verkleben. Sportexpertin Sabine Schön zeigt, mit welchen Übungen und Hilfsmitteln sich das Bindegewebe gesund halten lässt.

Eine junge Frau trainiert mit einer Faszienrolle
Bildrechte: imago/Westend61

Was sind Faszien überhaupt?

Auch wenn dem Thema Faszien erst in den letzten Jahren besondere Aufmerksamkeit geschenkt wurde, sind Faszien essenziell für unseren Körper. Ohne Faszien würden wir auseinanderfallen, denn sie stützen und bilden unseren Körper. Faszien sind bindegewebsartige Strukturen. Und wahrscheinlich hat jeder schon einmal Faszien in der Hand gehabt. Beispielsweise in der Küche, beim Fleisch schneiden. Die Faszien durchziehen das Fleisch und sind als weiße Fasern oder als weiße Schicht erkennbar.

Faszien sind überall in unserem Körper. Sie umspannen jeden unserer Muskeln, umhüllen und verbinden unsere Organe. Außerdem melden Faszien Informationen über Bewegungen, Spannungen oder Schmerzen an unser Gehirn und an das vegetative Nervensystem.

Warum sollte ich meine Faszien trainieren?

Weil Faszien unsere Muskeln und Organe umhüllen und verbinden, wirkt sich Faszientraining positiv auf unseren ganzen Körper aus. Durch mangelnde Bewegung einerseits, aber auch durch eine gleichförmige, sich stetig wiederholende Muskelbeanspruchung kann es zu so genannten Verklebungen der Muskelfaszien kommen. Das Fasziengewebe ist nicht nur mit Blutgefäßen durchsetzt, auch Lymphbahnen durchziehen es. Das Lymphsystem fungiert gewissermaßen als Müllabfuhr unseres Körpers. Sind unsere Faszien verklebt, so kann auch unser Lymphsystem nicht richtig arbeiten.

Durch das Faszien-Training wird der Nährstoff-Austausch wieder angeregt und Sie werden geschmeidig und bleiben vor allem gesund.

Zusammengefasst hat Faszientraining folgende positive Auswirkungen:

  • Verbesserung von Bewegungsabläufen und Koordination
  • Bessere Körperhaltung
  • Schutz vor Verletzungen
  • Linderung von Schmerzen
  • Verkürzung der Regenerationszeit

Dehnen der Faszien

Wichtig zu wissen: Faszientraining ist nicht gleich Muskeltraining. Am besten werden unsere Faszien durch federnde und elastische Bewegungen trainiert. Sie brauchen also nicht zwangsläufig Trainingsgeräte, um Ihre Faszien zu trainieren. Mit Körperübungen werden die langen Faszienketten gedehnt. Zum Teil im Sinne klassischer Dehnübungen (so wie im Schul-Sportunterricht) und zum Teil durch federnde Bewegungsübungen, bei denen die Federfunktion der Faszien angesprochen wird, die bei sprunghaften Bewegungen wichtig ist.

Hilfsmittel für das Faszientraining
Bildrechte: MDR/Stefan Siemann

So werden zum Beispiel Verdrehungen und Verfilzungen der Faszien gelöst. Dehnübungen kann man in den Alltag einzubauen und sich zum Beispiel mit ausgestreckten Armen in den Türrahmen lehnen, wenn man durch eine Tür geht. Das dehnt nicht nur die Muskeln und zieht sie auseinander, auch das umgebende Fasziengewebe wird so gedehnt.

Massage der Faszien

Durch äußere Stimulierung der Faszien werden diese "belebt", so dass zum Beispiel Verklebungen und Verhärtungen gelöst werden. Dadurch kann auch der Wassergehalt im Bindegewebe wieder steigen.

Die Massage kann entweder von einer anderen Person durchgeführt werden (zum Beispiel einem Osteopathen), oder sie können sie selber mit Hilfe einer Faszienrolle ausführen. Die Rolle übt Druck aus, dadurch wird der Blutfluss angeregt und das Blut bringt Nährstoffe und Sauerstoff in diesen Muskelbereich. Eine Faszienmassage kann auch bei Gelenkproblemen helfen und fördert das Gleichgewicht.

Auf die Rolle

Hilfsmittel für das Faszientraining
Bildrechte: MDR/Stefan Siemann

Die Faszienrolle ist eine feste Kunststoffrolle, die es mittlerweile in allen Größen und Farben gibt. Sie unterscheiden sich auch hinsichtlich des Härtegrades und der Oberflächenstruktur, je nachdem für welchen Teil des Körpers sie gedacht sind. Mit der Rolle ist es möglich, sich selbst zu massieren beziehungsweise die Faszien zu stimulieren. Dabei wird mithilfe des eigenen Körpergewichts Druck auf Verhärtungen ausgeübt, zum Beispiel indem man sich die Rolle unter den Rücken legt und darauf vor und zurück rollt. So sollen sich Verspannungen lösen und die Durchblutung verbessert werden.

Ein Workout mit einer Faszienrolle oder eine Triggermassage machen unsere Faszien geschmeidig und gesund!

Aber Vorsicht!

  • Am besten wäre es, sich erst in einem Kurs oder von einem Physiotherapeuten zeigen zu lassen, wie die Faszienrolle einzusetzen ist bzw. welches Modell für die eigenen Bedürfnisse geeignet ist.
  • Legen Sie sich nicht mit dem ganzen Körpergewicht auf die Rolle, sondern stützen Sie sich immer ab, sonst herrscht Verletzungsgefahr.
  • Achten Sie beim Training darauf, dass Sie Ihre Faszien – gerade am Anfang – nicht überfordern!
  • Zwei Mal Training pro Woche für 10 bis 15 Minuten reicht völlig aus.
  • Wenn Sie sich entscheiden, Faszientherapie-Übungen regelmäßig durchzuführen, lohnt es sich, dass Sie sich ausführlicher mit Übungsmöglichkeiten auseinandersetzen und Bücher, Videos und Kurse in Anspruch nehmen.

Viel Spaß bei mehr bewusster Bewegung!

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 31. März 2020 | 17:00 Uhr