Ursachen und Therapie Schmerzen durch Gallensteine

Nur bei den wenigsten Menschen machen sich Gallensteine unangenehm bemerkbar. Tun sie es aber, sind das Schmerzen, die man nie mehr vergisst. Zudem können die eigentlich harmlosen Gebilde schlagartig einen Notfall verursachen. Vorbeugen lässt sich mit gesunder Ernährung und ausreichend Bewegung.

Gallensteine
Rund 200.000 Gallenenblasen werden pro Jahr in Deutschland entfernt. Bildrechte: imago/Niehoff

Schätzungen zufolge tragen bis zu 20 Prozent aller Deutschen Gallensteine in sich. Die machen oft keine Beschwerden und können theoretisch unbehandelt bleiben. Probleme gibt es, wenn Steine wandern, stecken bleiben und den Abfluss der Gallenflüssigkeit verhindern. Das äußert sich durch krampfartige Schmerzen im Oberbauch, die mindestens 15 Minuten anhalten. Häufig gesellen sich dazu Übelkeit und Erbrechen. Wer zudem Fieber und Schüttelfrost bekommt, sollte umgehend zum Arzt gehen: Eine länger anhaltende Verstopfung der Gallenwege kann eine Gallenblasenentzündung verursachen.

Das passiert im Körper

Die Leber bildet die Gallenflüssigkeit, einen Verdauungssaft, der in der Gallenblase nur vorübergehend gespeichert wird. Bei der Verdauung von fettreichem Essen schüttet die Gallenblase den Verdauungssaft in den Dünndarm aus. Ist er zu dickflüssig oder sind die Bestandteile nicht ausgewogen, können sich Kristalle bilden. Aus denen entstehen dann Gallensteine.Vor allem kleine Steine sind schwer zu entdecken. Sie können sich in der vergrößerten Gallenblase so verstecken, dass sie bei der Erstuntersuchung nicht auffallen.

Gallensteine: Beeindruckend schön

Am Medizinhistorischen Museum der Charité sammelt die Präparatorin Navena Widulin seit 18 Jahren Gallensteine. Ihre Sammlung - wahrscheinlich die größte weltweit - zeigt eine erstaunliche Vielfalt an Farben und Formen.

Gallensteine
Am Berliner Medizinhistorischen Museum der Charité sammelt die Präparatorin Navena Widulin seit 18 Jahren Gallensteine. Ihre Sammlung - wahrscheinlich die größte weltweit - zeigt eine erstaunliche Vielfalt an Farben und Formen. Was auf diesem Bild zu sehen ist, sind weder Marshmellows, noch Ohrstöpsel oder Genmais, sondern Gallensteine! Genauer gesagt: Cholesterinsteine. Bildrechte: Navena Widulin, Berliner Medizinhistorisches Museum der Charité
Gallensteine
Am Berliner Medizinhistorischen Museum der Charité sammelt die Präparatorin Navena Widulin seit 18 Jahren Gallensteine. Ihre Sammlung - wahrscheinlich die größte weltweit - zeigt eine erstaunliche Vielfalt an Farben und Formen. Was auf diesem Bild zu sehen ist, sind weder Marshmellows, noch Ohrstöpsel oder Genmais, sondern Gallensteine! Genauer gesagt: Cholesterinsteine. Bildrechte: Navena Widulin, Berliner Medizinhistorisches Museum der Charité
Gallensteine
Die dunklen Pigmentsteine kommen etwas seltener vor. Sie machen rund 20 Prozent der Gallensteine aus. Bildrechte: Navena Widulin, Berliner Medizinhistorisches Museum der Charité
Gallensteine
Gallensteine können so groß wie Hühnereier werden. Dieses Exemplar, eine Mischung aus Cholesterin und Pigment, hat mit einer Größe von rund zehn Zentimetern seinem Träger bestimmt keine Freude gemacht. Bildrechte: Navena Widulin, Berliner Medizinhistorisches Museum der Charité
Gallensteine
Etwa 80 Prozent der Gallensteine sind Cholesterinsteine. Sie entstehen durch einen Überschuss an Cholesterin in der Galle. Bildrechte: Navena Widulin, Berliner Medizinhistorisches Museum der Charité
Gallensteine
Nicht selten sind sowohl Cholesterin als auch Pigmente für die Entstehung von Gallensteinen verantwortlich. Bildrechte: Navena Widulin, Berliner Medizinhistorisches Museum der Charité
Gallensteine
Im Berliner Medizinhistorischen Museum der Charité ist auch dieses Feuchtpräparat einer Gallenblase mit Gallensteinen zu bestaunen. Bildrechte: Navena Widulin, Berliner Medizinhistorisches Museum der Charité
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Wann muss operiert werden?

Gallensteine können jedoch auch wandern und an drei typischen Stellen stecken bleiben. Entweder am Ausgang der Gallenblase: Hier kann ein Rückstau entstehen, die Gallenblase entzündet sich. Oder mitten im Gallengang: Dann staut sich die Gallenflüssigkeit bis zur Leber zurück, die sich entzünden kann. Oder aber der Stein wandert dorthin, wo die Gänge aus Gallenblase  und Bauchspeicheldrüse in den Dünndarm münden: Dann bildet sich eine Entzündung sogar bis zur Bauchspeicheldrüse, und das kann fatale Folgen haben, denn  "Wenn sich die Gallenblase um den Stein herum akut entzündet oder der Stein einen Verschluss herbei führt und der Gallensaft nicht mehr abfließen kann, kann ein Gallenblasenstein zu einem ganz akuten Notfall werden,“ sagt Professor Stephan Freys, Viszeralchirurg am Diakonie-Krankenhaus in Bremen.

Ein Operationsteam entfernt endoskopisch die Gallenblase eines Patienten.
Bildrechte: imago/Gustavo Alabiso

Dann ist schnelles Handeln nötig. Gab man lange Zeit üblicherweise zunächst ein Antibiotikum und operierte erst nach einigen Tagen, weiß man heute, dass eine entzündete Gallenblase samt Steinen möglichst innerhalb von 24 Stunden entfernt werden sollte. Andernfalls drohen schwere Komplikationen. "Die Gallenblase kann sich immer stärker entzünden, absterben oder platzen, es kann eine Bauchfellentzündung entstehen", warnt Prof. Stephan Freys. Weiter führt er aus: "Die andere Gefahr ist, dass ein Gallengangstein die Bauchspeicheldrüse blockiert und wir dann eine sich rapide entwickelnde Bauchspeicheldrüsenentzündung haben können, die bis hin zum Tode führen kann."

So beugen Sie vor

Wanderer
Bildrechte: Colourbox.de

Nur in wenigen Fällen sind Gallensteine Resultat einer genetischen Vorbelastung. Wesentlich häufiger sind sie auf externe Faktoren zurückzuführen - wie wenig Bewegung, eine kalorienreiche und ballaststoffarme Ernährung oder Übergewicht. Entsprechend kann man die Sache selbst in die Hand nehmen: Regelmäßige körperliche Aktivität und eine "bedarfsgerechte Ernährung zur Erhaltung eines möglichst normalen Körpergewichts" können der Entwicklung von Steinen laut der aktuellen ärztlichen Richtlinie vorbeugen. Die Richtlinie zitiert mehrere Studien, die den Schluss nahelegen, dass Nüsse, Vitamin C, Magnesium und Omega-3-Fettsäuren das Gallenstein-Risiko senken können. Eine hohe Kohlenhydratzufuhr, insbesondere aus raffiniertem Zucker, erhöhe es hingegen.

Trost für Betroffene

Ist das Kind bereits in den Brunnen gefallen, ist das nicht das Ende der Welt: Die Entfernung der Gallenblase erfolgt minimal-invasiv und gehört mit rund 200.000 Eingriffen pro Jahr zu den am häufigsten durchgeführten Operationen in Deutschland. Ein weiterer Lichtblick: Auch ohne das Organ lässt es sich gut aushalten. Die meisten Patienten leben nach der OP wie vorher.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 24. Oktober 2019 | 21:00 Uhr