Spaziergang - spazieren - Herbst
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Gehirnspaziergang Gedächtnis verbessern: Geistig fit durch Bewegung

Jeder kennt das: Eine bestimmte Sache will einem einfach nicht mehr einfallen. Mit den Jahren lässt die Leistungsfähigkeit des Gehirns nach. Mit welchen Übungen man dem Erinnerungsvermögen wieder auf die Sprünge helfen kann, erklärt Expertin Dr. Katharina Turecek.

Spaziergang - spazieren - Herbst
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Gehirnspaziergang: Kombination aus Bewegung und Gehirntraining

Wie war das noch? Manchmal lässt uns unser Gedächtnis im Stich. Vergesslichkeit in Maßen ist völlig normal. Mit Gedächtnistraining lässt sich die Konzentration fördern und die geistige Leistungsfähigkeit gezielt mobilisieren.

Wie man dem Vergessen entgegenwirken und die Gedächtnisleistung wieder erhöhen kann, erklärt Dr. Katharina Turecek. Die Kognitionswissenschaftlerin stellt einfache Übungen vor und nimmt uns mit auf einen Gehirnspaziergang.

Los geht's: Mit offenen Ohren durch die Stadt

Eine Stadt bietet viele Denkanstöße für einen Gehirnspaziergang. Gehirnjogging ist überall möglich. Besonders gut ist es, wenn man sich in vertrauter Umgebung auf die Aufgaben konzentrieren kann. Ein Spaziergang entlang altbekannter Wege tut gut.

Wie klingt die Stadt? Eines gibt es in Städten kaum: Stille. Aber jede Stadt, jeder Stadtteil hat eine eigene Geräuschkulisse. Wir interessieren uns meist für das Stadtbild, doch auch der Stadtklang ist oft einzigartig. Konzentrieren Sie sich eine Zeit lang nur auf das Stimmengewirr um Sie herum. Viele Informationen werden nicht über die gesprochenen Worte, sondern über Lautstärke, Tonfall und andere akustische Signale vermittelt.

Eine Gehirnwanderkarte von Dr. Katharina Turecek
Gehirnspaziergang in der Stadt Bildrechte: Hubert Krenn Verlag/Dr. Katharina Turecek

Was hören Sie aus den Stimmen um Sie herum heraus? Widmen Sie sich auch den tiefen Geräuschen. Hören Sie ein weit entferntes Brummen? Gibt es Geräusche, die Sie nicht nur hören, sondern auch spüren, Klangwellen, die sich bis in Ihren Bauch fortsetzen? Können Sie die verschiedenen Klänge, Töne und Vibrationen zuordnen? Welche Elemente der Geräuschkulisse empfinden Sie als angenehm? Wo möchten Sie genauer hinhören? Beginnen Sie Ihren heutigen Gehirnspaziergang mit offenen Ohren.

Wortfindungsübungen selber gestalten

Frau beim Spaziergang mit Hunden im Regen
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Um Ihren Wortschatz aktiv zu trainieren, können in Zukunft sehr vielfältige Wortfindungsübungen ganz einfach selbst gestalten. Ein guter Anreiz sind ABC-Listen. So können Sie zu jedem beliebigen Thema Begriffe suchen, die mit den verschiedenen Buchstaben des Alphabets beginnen.

Machen Sie eine ABC-Liste zum Thema Städte-Reisen. Versuchen Sie zu jedem Buchstaben eine Stadt zu finden und – um die Aufgabe noch ein wenig vielseitiger zu machen – überlegen Sie sich auch, was Sie aus den verschiedenen Städten an Souvenirs mitgenommen haben oder mitnehmen könnten. Erstellen Sie so eine Liste mit Städtenamen und dazu passenden Souvenirs – jeweils mit dem gleichen Anfangsbuchstaben.

Beispiel A = Aus Athen haben wir einen Anhänger mitgebracht.

Ganz einfach die Koordination verbessern

Für Ihren Stadtspaziergang eignet sich eine Koordinationsübung für die Hände – die können sie ganz unauffällig selbst im Menschengewirr durchführen. Und da unsere Hände im Gehirn sehr groß repräsentiert sind, regen Sie damit sogar weite Teile Ihres Gehirns an. Für diese Übung werden Sie Ihre Finger überkreuzen, während Sie weiterspazieren.

Koordination: Finger überkreuzen

Finger überkreuzen
Für diese Übung werden Sie Ihre Finger überkreuzen, während Sie weiterspazieren. Beginnen Sie mit den ersten beiden Fingern und überkreuzen Sie Daumen über Zeigefinger. Anschließend kreuzen Sie Zeigefinger über Mittelfinger, als nächstes Mittelfinger über Ringfinger und schließlich die letzten beiden: den Ringfinger über den kleinen Finger. Bildrechte: Hubert Krenn Verlag/Dr. Katharina Turecek
Finger überkreuzen
Für diese Übung werden Sie Ihre Finger überkreuzen, während Sie weiterspazieren. Beginnen Sie mit den ersten beiden Fingern und überkreuzen Sie Daumen über Zeigefinger. Anschließend kreuzen Sie Zeigefinger über Mittelfinger, als nächstes Mittelfinger über Ringfinger und schließlich die letzten beiden: den Ringfinger über den kleinen Finger. Bildrechte: Hubert Krenn Verlag/Dr. Katharina Turecek
Finger überkreuzen
Diese Abfolge können Sie nun immer wieder wiederholen und zwar mit beiden Händen gleichzeitig. Bleiben Sie dabei nach Möglichkeit nicht stehen. Bildrechte: Hubert Krenn Verlag/Dr. Katharina Turecek
Finger überkreuzen
Sobald Sie geübt sind, können Sie auch einmal die Richtung wechseln und die Finger in der anderen Reihenfolge überkreuzen. Beginnen Sie also bei Ringfinger über kleinem Finger und kreuzen Sie sich langsam nach vor bis zum Daumen. Bildrechte: Hubert Krenn Verlag/Dr. Katharina Turecek
Finger überkreuzen
Zum Abschluss noch eine wahre Herausforderung: Überkreuzen Sie die Finger der beiden Hände gegengleich. Das heißt, beginnen Sie bei der einen Hand wie gewohnt mit Daumen über Zeigefinger, während Sie die andere Hand gegengleichstarten, also mit Ringfinger über kleinem Finger. Bildrechte: Hubert Krenn Verlag/Dr. Katharina Turecek
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Finger überkreuzen
Zum Abschluss noch eine wahre Herausforderung: Überkreuzen Sie die Finger der beiden Hände gegengleich. Das heißt, beginnen Sie bei der einen Hand wie gewohnt mit Daumen über Zeigefinger, während Sie die andere Hand gegengleichstarten, also mit Ringfinger über kleinem Finger. Bildrechte: Hubert Krenn Verlag/Dr. Katharina Turecek

Geschichten erhöhen die Merkfähigkeit

Merken Sie sich die nächsten zehn Worte, indem Sie sie in einer kurzen Geschichte verknüpfen. Die Begriffe, die Sie sich merken sollen, können Sie sich aus Ihrer Umgebung holen. Lassen Sie den Blick schweifen und "pflücken" Sie ein beliebiges Wort – von einem Werbeplakat, aus einer Geschäftsauslage oder von einer Schlagzeile. Dieser Begriff kommt nun zu Beginn Ihrer Geschichte vor. Spazieren Sie weiter und erzählen Sie so eine Geschichte mit zehn Begriffen.

Eine Gehirnwanderkarte von Dr. Katharina Turecek
Gehirnspaziergang in der Natur Bildrechte: Hubert Krenn Verlag/Dr. Katharina Turecek

Wählen Sie nicht unbedingt Begriffe, die von vornherein zusammenpassen. Suchen Sie nicht nach Worten, die in die Geschichte "passen", sondern nehmen Sie die Begriffe, die Ihnen als erstes ins Auge springen. Je merkwürdiger Ihre Geschichte wird, desto besser!

Tipp Eine schöne Konzentrationsübung kann auch ein Zungenbrecher sein. Als Wienerin gibt uns Katharina Turecek für Ihren Städte-Gehirnspaziergang einen Wiener Zungenbrecher mit: Wir Wiener Wäscheweiber würden weiße Wäsche waschen, wenn wir wüssten, wo warmes weiches Wasser wäre.

Den Spaziergang Revue passieren lassen

Das war ein Spaziergang der anderen Art! Haben Sie einzelne Details der Stadt anders wahrgenommen als sonst? Welche Wegabschnitte sind Ihnen besonders klar in Erinnerung? Sie werden merken: Bei Ihrem nächsten Wandel durch die Straßen werden Sie sich an die eine oder andere Aufgabe aus diesem Gehirnspaziergang erinnern. Sie können sie dann ja, wenn Sie möchten, auch wiederholen.

Sie haben heute auch eine Merkstrategie kennengelernt, das Geschichtenerzählen. An welche Begriffe Ihrer Assoziationskette können Sie sich noch erinnern? Nehmen Sie sich noch ein wenig Zeit und gehen Sie in Gedanken Ihre Souvenir-Liste von A bis Z durch. An welche Städte und Mitbringsel können Sie sich erinnern?

Viel Spaß beim Nachmachen!

Buccover "GEHIRNSPAZIERGANG" von Katharina Turecek
Bildrechte: MDR/Eileen Grazzeck

Zum Buch Gehen ist ein Jungbrunnen für unser Gehirn, meint Dr. Katharina Turecek. Das Sachbuch "Gehirnspaziergang: Schritt für Schritt, geistig fit" der Kognitionswissenschaftlerin ist im August 2018 erschienen. Das Werk liefert viele verschiedene Einblicke, wie wichtig Bewegung für die körperliche und vor allem für die geistige Leistungsfähigkeit ist.

Unsere Expertin

 Katharina_Turecek
Bildrechte: Miriam Ilie

Dr. Katharina Turecek

Dr. Katharina Turecek

Katharina Turecek ist Autorin und Vortragsrednerin zu Themen der angewandten Gehirnforschung. Nach dem Studium der Humanmedizin absolvierte sie ein Studium der Kognitionswissenschaften und gründete das Institut für Gehirntraining. Katharina Turecek war 1999 Jugendgedächtnismeisterin und 2001 Vize-Gedächtnismeisterin von Österreich.