Fauchende Katze
Bildrechte: Colourbox.de

Infektionsgefahr Gefährliche Tierbisse

In fast jedem zweiten Haushalt in Deutschland leben Haustiere. Das Ranking führen hier die Samtpfoten an. Doch gerade deren Bisse können sehr gefährlich werden.

von Matthias Toying

Fauchende Katze
Bildrechte: Colourbox.de

Bei Anzeichen einer Infektion zum Arzt

Ein scheinbar harmloser Biss kann gravierende Folgen haben. Die häufigsten Opfer tierischer Beißattacken sind Kinder. "Es gibt Bisse, die sich extrem schnell infizieren. Katzenbisse und Menschenbisse sind die gefährlichsten Bisse überhaupt. Auch mit einem Hundebiss sollte man vorsichtshalber den Arzt aufsuchen. Spätestens wenn es Zeichen für eine Infektion gibt, also eine starke Rötung, wenn die Stelle warm wird und anschwillt, wenn die Schmerzen eher stärker werden, ein Pochen in der Wunde zu spüren ist oder wenn aus der Wunde etwas heraus kommt: Das alles sind Anzeichen einer Infektion", erklärt Prof. Martin Lacher. Er ist ärztlicher Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinderchirurgie der Universität Leipzig.

Biss in den Knochen

Ein Stethoskop hängt um den Hals einer Frau im Arztkittel
Bildrechte: colourbox.com

Ein Biss in den Finger oder in die Hand, geht nicht selten bis in den Knochen hinein. Eine Infektion im Knochen sei viel gravierender, als im Fleisch, führt Prof. Lacher aus. "Wenn Sie einen Biss in den Oberschenkel haben, sind Unterhaut- und Fettgewebe betroffen. Dort bildet sich vielleicht ein Abszess. Die Eiterflüssigkeit darin können wir relativ einfach herausleiten. Eine Infektion im Knochen hingegen ist nicht so einfach zu behandeln. Da kann es sein, dass seltene Keime, die diese Tiere im Mund haben, sich in den tiefen Knochengeweben abkapseln. Dann kommt es zu einer Osteomyelitis, also einer Infektion des Knochens. Das kann langwierig sein, zumal eine Therapie mit Antibiotika im Knochen oft nicht wirkt".

Katzenbisse scheinen vielen zwar unscheinbar, doch können sie sehr gefährlich sein, warnt Prof. Stefan Langer, Handchirurg am Uniklinikum Leipzig. Die Nadelspitzen Zähne der Katze können sehr tief gehen: "Dabei können auch Sehnen und Gelenke in Mitleidenschaft gezogen werden". Deren Behandlung könne dann sogar Monate dauern.

Erste Hilfe

"Als erstes sollte die Wunde gereinigt werden, entweder mit Wasser und Seife oder mit einem desinfizierenden Mittel", erklärt Prof. Martin Lacher. "Dann sollte die Hand, der Arm oder das Bein ruhig gestellt werden, am besten auf einer Schiene.“ Das habe einen praktischen Grund: Wenn zum Beispiel die Hand benutzt werde, kann sich die Wunde zusätzlich infizieren. "Außerdem ist Ruhigstellen eine Schmerztherapie: Wird der Arm oder das Bein wenig bewegt, tut es weniger weh. Früher dachte man auch, ruhig gestellt würde es schneller heilen. Es gibt aber keine Studie, die das bestätigt hat", betont der Mediziner.

Biss in den Kopf

Mediziner der Berliner Charité haben die ihnen vorliegenden Daten über Tierbisse vor einigen Jahren genauer unter die Lupe genommen. Dabei stellten sie fest, dass Kinder besonders häufig im Gesicht gebissen werden, vor allem von Hunden. Der Grund: Der Kopf eines Kindes und der Kopf eines größeren Hundes befinden sich etwa auf gleicher Höhe.

American Staffordshire Terrier
Bildrechte: Colourbox.de

"Ich habe in der Zeit, in der ich in den USA gearbeitet habe, gesehen, wie ein Kampfhund einem Kind das halbe Gesicht weggebissen hatte, inklusive Ohr und Auge“, berichtet Prof. Lacher. "Das war ganz schlimm und ist auch der Grund, weshalb ich persönlich vor Hunden großen Respekt habe. Ein Ohr kann man nicht wieder herstellen und ein Auge lässt sich auch nicht modellieren. Kinder und Hunde passen einfach nicht gut zusammen. Bei den lebenslangen Folgen, die solch ein Biss verursacht, bin ich sehr skeptisch, wenn ein Hundehalter meint, er müsse sich solch ein Tier halten", betont er.

Zahlen und Fakten • 25.000 Menschen weltweit sterben pro Jahr durch Hundebisse.
• Bis zu drei Menschen sterben in Deutschland pro Jahr an den Folgen eines Hundebisses.
• Zwei Drittel der Opfer von Tierbissen sind Kinder und Jugendliche, von denen ein Viertel jünger ist, als sechs Jahre.
• Etwa 50 Prozent aller Katzenbisse verursachen eine Infektion.
• In US-amerikanischen Städten werden rund 20 Prozent aller Bissverletzungen von Menschen verursacht.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 11. April 2019 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. April 2019, 16:26 Uhr