Naturheilkunde Gesunde Wickel: Alte Hausmittel neu entdeckt

Ob bei Erkältungen, Bauchkrämpfen oder Gelenkschmerzen: Schon seit Jahrhunderten ist die heilsame Wirkung von Wickeln bekannt. In der Naturheilkunde sind sie fester Bestandteil einer ganzheitlichen Therapie. In manchen Fällen wirken sie sogar besser als Schmerzgels aus der Apotheke.

Pellkartoffel-Wickel
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Wickel bestehen meist aus mehreren Tüchern, Umschlägen und Kompressen. Sie werden entweder in heißes oder kaltes Wasser getränkt oder auch mit Salben und Tinkturen bestrichen. Sie wirken über Temperaturreize, über Feuchtigkeit und über Wirkstoffe, wie ätherische Öle pflanzlicher Zusätze und Kräuter. Darum wird die Behandlung mit Wickeln in der Naturheilkunde auch als Reiztherapie bezeichnet.

Je nach Art der Beschwerden werden feuchtwarme oder feuchtkalte Auflagen empfohlen. Beide fördern die lokale Durchblutung der Haut und des darunterliegenden Gewebes. Feuchtwarme Tücher erweitern die Gefäße, feuchtkalte ziehen sie kurzzeitig zusammen. Beide Effekte macht man sich auch in der Therapie zunutze. Generell gilt: Kalte Wickel nie auf kalte Haut auflegen, heiße Wickel nie auf heiße. Außerdem auch ganz wichtig: Wickel brauchen Zeit. Die damit verbundene Entspannung und Erholung sind ein bedeutender Teil ihrer Wirkung.

Unsere zehn Lieblingswickel: Wie man sie anwendet und wogegen sie helfen

Quark auf einem Holzlöffel
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Quarkwickel können Schmerzen bei Gelenkentzündungen lindern. Der Quark sollte etwa eine halbe Stunde vor der Anwendung aus dem Kühlschrank genommen werden, damit er nicht zu kalt ist. Er hat eine kühlende und abschwellende Wirkung und entzieht dem Gewebe um das Gelenk entzündliche Stoffe. Wichtig ist, dass ausreichend viel Quark genommen wird. Der Quark kommt direkt auf die schmerzende Stelle und wird mit Tüchern umwickelt. Solange einwirken lassen, bis der Quark trocken wird.

Senfmehl
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Senfmehl-Auflagen (Senfpflaster) sind ein tolles Hausmittel gegen Rückenschmerzen oder verspannte Muskeln. Sie fördern die Durchblutung und wirken schmerzlindernd. Dafür einen gehäuften Esslöffel Senfmehl mit etwas heißem Wasser verrühren, bis eine breiige Masse entsteht. Die Salbe auf eine trockene Kompresse oder ein Baumwolltuch streichen und einmal einschlagen. Die Auflage auf die Haut legen. Eine Wärmflasche darauf legen und alles mit einem Handtuch fixieren. Die Auflage bleibt solange auf der Haut, bis man ein Brennen verspürt, höchstens jedoch für zehn Minuten. Nicht bei Kindern unter sechs Jahren anwenden!

Zwiebel schneiden
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Zwiebel-Säckchen können bei Ohrenentzündungen helfen. Verantwortlich dafür ist der Stoff Alliin. Er verflüssigt Sekret im Innenohr und kann so Linderung verschaffen. Außerdem hemmt er das Wachstum von Viren und Bakterien. Dazu eine Zwiebel fein hacken und in ein kleines Baumwolltuch zu einem Säckchen wickeln. Am besten eignet sich dafür ein Stofftaschentuch oder eine Baumwollsocke. Das Ganze mit einem Tuch oder einer Mütze für etwa eine halbe Stunde am Ohr befestigen. Mehrmals täglich wiederholen. Halten die Schmerzen an, unbedingt zum Arzt gehen!

Wirsing
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Kohlwickel mit Wirsingblättern können nachweislich gegen entzündete Kniegelenke helfen. In mehreren Studien ist die Wirkung nachgewiesen, vergleichbar mit der von Schmerzgels oder sogar noch besser. Vom frischen Kohl die äußeren Blätter abschneiden und den Strunk entfernen. Die Blätter mit einem Nudelholz walzen, bis Saft austritt. Anschließend die Blätter gefächert auf das Knie legen und fest mit Klarsichtfolie umwickeln, damit kein Saft verloren geht. Zum Schluss ein Tuch darüber binden und das ganze über Nacht einwirken lassen. Mehrere Nächte hintereinander wiederholen.

Geriebener Meerrettich
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Meerrettich-Auflagen wirken effektiv gegen entzündete Neben- oder Stirnhöhlen. Sie fördern die Durchblutung der Schleimhaut und helfen, dass das Nasensekret abfließen kann. Frischer Meerrettich wirkt sehr stark reizend. Deshalb lieber mittelscharfen Meerrettich aus dem Glas verwenden. Die Paste etwa einen halben Zentimeter dick in die Mitte eines trockenen Baumwolltuches streichen. Das Tuch oben und unten umschlagen und auf die Nase oder die Stirn legen. Vorsicht: Nicht die Augen berühren! Wer eine empfindliche Haut hat, sollte sie vorher mit Vaseline eincremen, dann wirkt der Reiz nicht ganz so stark. Nicht länger als fünf Minuten einwirken lassen. Bei starkem Brennen den Wickel sofort entfernen.

Gekochte Kartoffeln in einem Kochtopf
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Feuchtwarme Kartoffelwickel haben sich bei Husten bewährt. Dazu vier bis sechs Kartoffeln weich kochen und in einem Geschirrtuch zerdrücken. Ist der Brei nicht mehr zu heiß, den Wickel auf die Brust legen, bis er abgekühlt ist. Die feuchte Wärme fördert die Durchblutung in Hals und Bronchien und erleichtert das Abhusten. Ein feuchtwarmer Wickel mit Thymiantee hat sich hier ebenfalls bewährt.

Kümmel
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Kümmelöl-Wickel wirken krampflösend bei Bauchkrämpfen. Kümmelöl kann nicht nur innerlich angewandt werden, sondern hilft auch äußerlich als Wickel. Dazu das Öl direkt auf die Haut reiben und ein warmes Tuch als Wickel um den Bauch legen. Etwa eine halbe Stunde entspannen.

Bienenwachs
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Honig-Wickel wirken gegen Halsentzündungen. Dazu ein dünnes Baumwolltuch etwa einen halben Zentimeter dick mit Honig bestreichen. Die mit Honig getränkten Stellen vorn und seitlich um den Hals legen. Mit einem Küchen- oder Handtuch fixieren, zum Schluss einen warmen Wollschal um alles binden. Ein bis zwei Stunden einwirken lassen.

Auflagen aus Bienenwachs sind gut für kleine Kinder geeignet. Sie sind in der Apotheke erhältlich und können angewärmt gegen Husten, Bauchkoliken und Gelenkschmerzen helfen. Der angenehme süßliche Duft wirkt zusätzlich entspannend.

Ackerschachtelhalm
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Ayurvedische Nierenwickel sind seit langem in der indischen Naturheilkunde beliebt und helfen, die Funktion der Nieren anzuregen. Die Inhaltsstoffe sind geriebener Ingwer und Ackerschachtelhalm (aus der Apotheke). Am besten am Vortag zubereiten: Etwa drei Teile frischen Ingwer (ca. 60g) und einen Teil Ackerschachtelhalm mit einer kleinen Tasse heißem Wasser verrühren. Anschließend für mehrere Stunden ruhen lassen. Vor der Anwendung erwärmen. Den Sud über eine Mullbinde gießen und die festen Stoffe gleichmäßig verteilen. Die Flüssigkeit auffangen und das Tuch darin tränken, leicht ausdrücken. Den Wickel in Bauchlage auf den unteren Rücken legen, eine Wärmflasche darüber legen und mit einer Wolldecke abschließen. Ist die Wärmeflasche abgekühlt, den Wickel entfernen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 28. November 2019 | 21:00 Uhr