Herzgesundheit Mineralstoffe für ein gesundes Herz

Wer Probleme mit dem Herzen hat, sollte zuallererst seine Ernährung unter die Lupe nehmen. So können Kalium- und Magnesiummangel zum Beispiel Herzrhythmusstörungen oder Herzstolpern verursachen. Wir zeigen, mit welcher Ernährung man Mangelzustände vermeiden und das Herz stärken kann.

Teller in Herzform mit Messer und Gabel vor rotem Hintergrund
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Es ist ein alter Hut, dass Zivilisationserkrankungen wie Diabetes mellitus und Arteriosklerose häufig ernährungsbedingt sind. "Lass Nahrung deine Medizin sein und Medizin deine Nahrung" riet schon Hippokrates von Kos, der bedeutendste Arzt der Antike und Begründer der modernen Medizin. Auch für einen Großteil der heutigen Herz-Kreislauf-Erkrankungen gilt seine Empfehlung. Deren Entstehung kann durch eine ausgewogene Ernährung oft verhindert, bestehende Beschwerden abgemildert werden. Tatsächlich ist bei kardiovaskulären Erkrankungen die Ernährungsintervention immer die erste Wahl vor der Pharmakotherapie, sagt Ernährungsexpertin Jenny Raddei: "Patienten, die häufig schon über Jahre ungesunde Ernährungsmuster eingeübt haben, müssen lernen, dass sie grundsätzlich etwas an ihrem Ernährungsverhalten ändern sollten und bei Diagnosestellung nicht einfach nur eine Tablette einnehmen und ansonsten weitermachen können wie bisher."

Wie geht gesunde Ernährung?

Die Empfehlungen aller internationalen Fachgesellschaften zur Vorbeugung und Therapie von Herz-Kreislauf-Erkrankungen lauten folgendermaßen:

Obst, Gemüse und Gewürze
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  • viel frisches Obst und Gemüse (ideal: fünf Portionen pro Tag)
  • Fisch anstelle von Fleisch und vorwiegend ovo-lacto-vegetarische Kost
  • hochwertige Öle statt billiger Fette
  • Getreidevollkornprodukte statt Weißmehlprodukten
  • Hülsenfrüchte und Nüsse
  • Zuckerkonsum reduzieren
  • Salzkonsum reduzieren

Eine Ernährung, die sich an diesen Richtlinien orientiert, beeinflusst das sogenannte metabolische Syndrom positiv. Das "tödliche Quartett" aus zu hohen Blutfettwerten, zu hohem Blutzucker, Übergewicht und Bluthochdruck gilt als Hauptrisikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Mit einer Ernährungsumstellung und daraus resultierender Gewichtsabnahme lassen sich die kritischen Werte häufig grundlegend reduzieren.

Rhythmusstörungen durch Mineralstoffmangel

Auch Symptome wie Herzrhythmusstörungen können durch unsere Nahrung ausgelöst – und im Umkehrschluss vermieden – werden. Entscheidend dafür ist unser Elektrolythaushalt, genauer: die Mineralstoffe Natrium, Kalium, Kalzium und Magnesium, die für das Anspannen und Entspannen der Herzmuskelzellen verantwortlich sind. Gerät der Elektrolythaushalt aus dem Gleichgewicht, macht sich das häufig bemerkbar. Manchmal bleibt es bei harmlosen Extraschlägen, auch Extrasystolen genannt. In schweren Fällen kann ein Kalium- oder Magnesiummangel laut Deutscher Herzstiftung zu gefährlichen Rhythmusstörungen bis hin zum lebensbedrohlichen Kammerflimmern und sogar zum plötzlichem Herztod führen.

Wasserverlust schnell ausgleichen

Ein Eiswürfel fällt in ein Glas mit Wasser.
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Aber wodurch geraten die Elektrolyte aus dem Lot? "Wenn wir zu wenig trinken oder heftig schwitzen, verliert der Körper mit der Flüssigkeit auch Mineralstoffe", erklärt Jenny Raddei. "Können wir den Verlust nicht rasch ersetzen, entstehen Ungleichgewichte im Elektrolythaushalt und damit Mangelzustände." Starke Flüssigkeitsverluste könnten zudem durch vermehrt auftretendes Erbrechen, chronischen Durchfall, Gebrauch von Abführmitteln oder vermehrte Ausscheidung über die Nieren, beispielsweise durch Einnahme von Entwässerungstabletten, entstehen. Eine Schieflage kann sich in unspezifischen Symptomen wie allgemeiner Erschöpfung, Müdigkeit und Antriebslosigkeit, Reizbarkeit und erhöhter Nervosität oder Verdauungsbeschwerden – Durchfall, Verstopfung oder beides im Wechsel – äußern. Auch eine schnell ermüdbare Muskulatur, Herzklopfen, Herzrasen oder Schwindel können auf ein Ungleichgewicht hindeuten. Raddei rät Menschen mit einer Herzerkrankung, regelmäßig ihre Werte kontrollieren zu lassen, wenn sie zusätzlich an einer Nierenerkrankung oder an Herzrhythmusstörungen leiden, regelmäßig Medikamente einnehmen oder an einer Herzschwäche leiden. Auch Menschen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen sowie Schwangere, Stillende, Senioren und Sportler sollten auf ihren Kaliumhaushalt achten.

Wie viel Kalium brauchen wir?

Erst kürzlich hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. die Referenzwerte für Kalium aktualisiert. Erwachsene sollten demnach etwa 4.000 Milligramm Kalium pro Tag zu sich nehmen. Das lässt sich mit einer bewussten Ernährung gut erreichen. Aber Achtung: Kalium ist wasserlöslich und kann daher beim Kochen verloren gehen, sagt Raddei. "Daher sollte man sich angewöhnen, Gemüse nur zu dämpfen und nicht in Wasser zu kochen, damit der Mineralstoff im Gemüse bleibt und nicht mit dem abgeschütteten Kochwasser verloren geht. Noch besser wäre es, das Kochwasser mit dem enthaltenen Kalium zu nutzen, es eignet sich zum Beispiel super als Grundlage für Brühen oder Suppen." Als kleine Faustregel gilt außerdem: Je weniger Wasser im pflanzlichen Lebensmittel, desto höher der Gehalt an Kalium. Tomatenmark oder getrocknete Aprikosen beispielsweise enthalten etwa doppelt so viel Kalium wie frische Tomaten oder Aprikosen. Übertreiben kann man es dabei kaum, denn zu viel zugeführtes Kalium wird bei gesunden Menschen über die Nieren wieder ausgeschieden. Vorsicht geboten ist allerdings bei eingeschränkter Nierenfunktion – auch bei einem erhöhten Kaliumspiegel drohen lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen.

In diesen Lebensmitteln steckt viel Kalium
225 g Avocado 1238 mg
2 Karotten 710 mg
200 g Kartoffeln 680 mg
150 g Banane 573 mg
25 g getrocknete Aprikosen 342 mg
2 Scheiben Vollkornbrot 291 mg
30 g Petersilie 243 mg
2 Tomaten 235 mg
25 g Mandeln 209 mg

Heimisches Superfood: Petersilie

Petersilie
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Petersilie ist häufig bloße Dekoration – allerdings völlig zu Unrecht, denn das Kräutlein hat neben reichlich Kalium auch noch jede Menge Vitamine, Folsäure und Mineralstoffe wie Eisen, Magnesium und Kalzium zu bieten. Zudem ist Petersilie besonders reich an Chlorophyll, einem natürlichen Farbstoff, der das Blut reinigt und die Blutbildung fördert. Selbst eine leicht aphrodisierende Wirkung wird der Pflanze nachgesagt. Wichtig: Die glatte Variante gilt als aromatischer und hat mehr Nährstoffe. Apropos Nährstoffe: Petersilie sollte immer frisch verwendet werden – so behält sie ihr Aroma und ihre Vitamine. Rühren Sie das Kraut also in die fertige Suppe, ins Salatdressing oder in den Kräuterquark.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 13. Februar 2020 | 21:00 Uhr