Schmerztherapie Mit Chili-Pflaster den Schmerz wegkleben

Chronische Nervenschmerzen können einem das Leben zur Hölle machen. Ärzte setzen jetzt verstärkt auf Capsaicin-Pflaster in der Schmerztherapie. Und hier kommen die Wirkstoffe der Chilischote zur Anwendung.

Gabel mit aufgespießter Chilischote
Mit Capsaicin, einem Wirkstoff aus der Chilischote, kann man den Schmerz quasi "ausschalten". Bildrechte: colourbox.com

Schmerztherapeutin Dr. Lilit Flöther von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg schwört auf die Behandlung mit Capsaicin- Pflastern. "Das ist eine Methode, die überhaupt keine Nebenwirkungen hat. Das heißt, ich muss auf nichts achten. Ob der Patient herzkrank ist oder nierenkrank ist - oder ob der Patient irgendwelche psychischen Erkrankungen hat. Das ist eine risikoarme, ganz einfache Methode, um lokal die Schmerzweiterleitung zu bremsen. Gerade ältere Patienten profitieren vom Pflaster, weil sie nicht mehrmals täglich Tabletten schlucken müssen", erklärt die Medizinerin.

Behandlung ist Krankenkassenleistung

In der Schmerzklinik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg etwa werden Patienten nach einer überstandenen Gürtelrose oder bei neuropathischen Schmerzen nach Krebstherapien damit behandelt. Seit 2019 steht die Capsaicin-Therapie offiziell in den ärztlichen Leitlinien und wird durch die Krankenkassen bezahlt.

Dr. Lilit Flöther, Schmerz- und Suchtspezialistin am Uniklinikum in Halle.
Dr. Lilit Flöther ist Schmerz- und Suchtspezialistin am Uniklinikum in Halle. Bildrechte: Karsten Möbius

So können die Capsaicin- Pflaster etwa bei chronischen Schmerzen durch eine Gürtelrose zum Einsatz kommen. Denn die Herpes-Viren der Gürtelrose greifen die Nerven an. Diese entzünden sich und die Nervenenden werden geschädigt. In der Folge kommt es oft zu unerträglichen neuropathisch bedingten Schmerzzuständen, die durch den Wirkstoff Capsaicin gelindert werden können.

Pflaster-Kleben gegen Schmerzen

Capsaicin ist ein Inhaltsstoff aus den Früchten von Capsicum-Arten der Gattung der paprika-Gewächse. Er hat eine lokal wärmende, durchblutungsfördernde, reizende und schmerzlindernde Wirkung. Der Wirkstoff wird als Crème und Pflaster gegen Nervenschmerzen eingesetzt.

Capsicumextrakte werden bei Muskel- und Gelenkschmerzen und rheumatischen Beschwerden angewendet. Capsaicin wirkt auf die für den Schmerz zuständigen Nervenfasern. Diese werden übermäßig aktiviert und dadurch überlastet. Die Folge: ein vorrübergehender Funktionsverlust der Fasern - und der Schmerz ist so "ausgeschaltet". Zu unerwünschten Nebenwirkungen gehören lokale Reaktionen wie Brennen und Hautrötung.

So funktioniert die Anwendung An den  schmerzhaften Körperstellen ür maximal 60 Minuten höchstens vier Pflaster gleichzeitig kleben.

Eine leichte Betäubung vorab macht die schmerzhafte Prozedur erträglicher für die Patienten. Nach drei Monaten kann die Behandlung erneut erfolgen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 10. September 2020 | 21:00 Uhr

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