Coronavirus Erstes mobiles Labor mit PCR -"Schnelltest" ab November 2020

Schnelltests gelten als wichtiger Baustein, um die Corona-Infektion langfristig unter Kontrolle zu bekommen. Auf dem Markt gibt es bislang sogenannte Corona-Antigen-Tests, die ein Ergebnis schon nach 15 Minuten zeigen. Das Problem: Diese Antigen-Tests sind nicht sehr genau. Ein Stendaler Labor will PCR-Tests auf den Markt bringen, die bereits nach drei Stunden Ergebnisse liefern können.

Ein Arzt nimmt in einer Hausarztpraxis mit einem Tupfer einen Abstrich bei einer Frau für einen Coronatest.
Drei Stunden erscheinen für einen Schnelltest recht lange. Aber ein herkömmlicher PCR-Test dauert bis zu zwei Tagen. Bildrechte: dpa

Bei einem klassischen PCR-Test vergehen zwischen Abstrich, beispielsweise beim Arzt, und dem Ergebnis 24 bis 48 Stunden. Doktor Hauke Walter ist Virologe und leitet das Medizinische Labor in Stendal - er will die PCR-Tests deutlich schneller und effizienter durchführen. "Es ist nicht so, dass wir neuartige Methoden verwenden, wir versuchen vielmehr alles, was wir wissen und können, auf ideale Weise zu kombinieren. Das fängt bei der Probenentnahme an, geht weiter über den Transport bis zum Labor. Das kostet alles viel Zeit. Unsere Lösung: Wir planen mobile Laboreinheiten, die in Containern direkt am Ort der Probenentnahme stehen werden. Dann ist es vorstellbar, den überwiegenden Anteil der Testergebnisse bereits nach drei Stunden zu haben", erklärt der Mediziner. Damit gäbe es einen PCR-"Schnelltest", der mit drei Stunden Testzeit deutlich schneller wäre, als bisherige PCR-Tests.

Wir planen mobile Laboreinheiten, die in Containern direkt am Ort der Probenentnahme stehen werden.

Hauke Walter, Virologe
Corona-Test 10 min
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Hauptsache gesund Do 22.10.2020 21:00Uhr 10:16 min

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Wie funktioniert ein PCR-Schnelltest?

Bei einem PCR-Test wird nach RNA des Virus gesucht, also einem bestimmten Teil des Genmaterials, das nur für das Coronavirus typisch ist. Diese RNA muss vor dem eigentlichen Test aus der Probe isoliert werden. Das passiert automatisiert und dauert normalerweise bis zu vier Stunden. In Stendal wird der Prozess mit neuen Robotern auf 38 Minuten reduziert. Das spart Zeit.

Pooling - zwölf Personen auf einmal getestet

Außerdem werden mehrere Personen gleichzeitig getestet. Doktor Walter erklärt: "Pooling heißt: Wir testen nicht jede Probe einzeln, sondern wir mischen die Proben miteinander in einem komplexen Mischungsverfahren, um möglichst viele Ressourcen zu sparen und trotzdem möglichst gute Ergebnisse gewährleisten zu können". Das bedeutet konkret: Die Proben von zwölf Personen werden zu einem Pool vermischt und gleichzeitig getestet – und nicht jede Probe einzeln.

Ist das Ergebnis negativ, sind dementsprechend auch alle zwölf Personen negativ auf das Virus getestet worden. Ist der Befund positiv, werden alle Proben noch einmal einzeln getestet, um die positive Probe zu finden - dazu wird von jeder Einzelprobe eigens etwas aufbewahrt. Aber selbst dann liegt ein Ergebnis nach sechs Stunden vor. Und positive Tests sind nach wie vor sehr selten. Die Masse der Tests sind negativ – das macht das Verfahren so effizient und auch für Massentests tauglich.

PCR-Test sehr viel zuverlässiger als der Antigen-Test

Schnelltests gelten als wesentlicher Baustein, um die Pandemie einzudämmen. Auf dem Markt erhältliche Antigen-Schnelltests bieten nach 15 Minuten ein Ergebnis – allerdings werden bei 100 Tests auch zwei Infizierte nicht erkannt – und können andere weiter anstecken. "Die Antigentests sind in der Qualität und Ergebnissicherheit nicht vergleichbar mit der PCR. Man hat vielleicht zwei Prozent Fehler bei einem Antigen-Test und wir sind mit unserer Methode bei 0,001 Prozent falsch negativen Tests", erläutert Doktor Walter. PCR-Tests sind damit sehr viel zuverlässiger: Von 100.000 getesteten Personen wird nur eine infizierte Person nicht gefunden. Ein gewaltiger Unterschied.

PCR-Test im Vergleich mit dem Antigen-Test

PCR-Test (englisch: polymerase chain reaction, deutsch: Polymerase-Kettenreaktion)

  • Nasen-Rachen-Abstrich
  • Nachweis des Erbguts (RNA) des Virus über hochempfindliche molekulare Testverfahren im Labor
  • Testergebnis bislang nach 24 bis 48 Stunden
  • sehr zuverlässig, falsch negative Tests nur 1:100.000


Antigen-Schnelltest

  • Nasen-Rachen-Abstrich
  • Nachweis eines Antigens (das Nucleocapsid Protein, ein Eiweiß aus dem Viruskern)
  • Laborunabhängig
  • Testergebnis in 15 Minuten
  •  nicht so zuverlässig wie PCR-Test, falsch negative Tests: 1:50

Termine beim mobilen Labor über App buchbar

Im November soll das erste mobile Testlabor an den Start gehen. Probeabgabe und Auswertung – alles an einem Ort. Zum Konzept gehört auch: Um lange Warteschlangen zu vermeiden, werden Termine über eine App buchbar sein. Auch das Testergebnis bekommt man ohne Warten einfach aufs Handy.

Stichwort Sensitivität und Spezifität bei Corona-Tests – was verbirgt sich dahinter? Sensitivität und Spezifität sind zwei Begriffe, die man im Zusammenhang mit Corona-Tests immer wieder hört –  sie beschreiben die Zuverlässigkeit von Corona-Tests.

Je besser die Sensitivität eines Tests, desto weniger Fehler gibt es bei falsch negativen Testergebnissen. Jemand wird also negativ getestet, obwohl er eigentlich mit dem Virus infiziert ist.

Je besser die Spezifität eines Tests, desto weniger falsch positive Testergebnisse: Jemand wird auf das Virus positiv getestet, obwohl er es gar nicht damit infiziert ist.

Die wichtigsten Corona-Werte kurz erklärt

R-Wert
Der R-Wert kennzeichnet die Reproduktionszahl. Wie viele weitere Personen steckt ein Infizierter an? Am 21.10.2020 lag der R-Wert bei 1,09. Das bedeutet, jeder Infizierte steckt rechnerisch mehr als eine Person an. Auf zehn Infizierte kommen bei der Zahl R von 1,09 knapp elf weitere Ansteckungen. Der jeweilige R-Wert bildet das Infektionsgeschehen etwa zehn Tage zuvor ab.

7-Tage-Inzidenz
Die 7-Tage-Inzidenz beschreibt die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen je 100.000 Einwohnern innerhalb der vergangenen sieben Tage. Überschreitet die Zahl die Schwelle von 50 Fällen je 100.000 Einwohner, dann können die Landesregierungen in einzelnen Städten oder Landkreisen neue Beschränkungen verhängen.

Intensivbettenbelegung
Dieser Wert zeigt an, wie viele Intensivbetten in der Bundesrepublik belegt sind. Daraus ergeben sich die Kapazitäten, die Krankenhäuser haben, um weitere Notfälle aufzunehmen. Am 21.10.2020 waren 72 Prozent aller Intensivbetten belegt, davon drei Prozent durch 943 an Corona erkrankte Patienten. Die Kapazität von 28 Prozent freien Intensivbetten entspricht .8478 freien Plätzen.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 22. Oktober 2020 | 21:00 Uhr

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