Ernährung Volkskrankheit nicht-alkoholische Fettleber

Eine Fettleber wird nicht nur durch zuviel Alkohol hervorgerufen. Auch eine ungesunde Ernährung und Übergewicht können sie verursachen. Ohne Ernährungsumstellung drohen Leberzirrhose und Leberkrebs.

von Cornelia Birr

Leber
Tückisch: Die Leber verursacht keine Schmerzen, wenn sie sich krankhaft verändert. Bildrechte: imago/Science Photo Library

Laut Deutschem Ärzteblatt ist die nichtalkoholische Fettleber mittlerweile sowohl in Europa als auch in den USA die am häufigsten diagnostizierte Ursache einer chronischen Lebererkrankung. Auslöser sind in vielen Fällen Stoffwechselerkrankungen wie Typ-2-Diabetes oder das metabolische Syndrom. Auch Übergewicht ist ein bekannter Risikofaktor. Nicht zuletzt spielt die Zusammensetzung der Ernährung eine grundlegende Rolle.

Leberfeind Fruktose

Fruchtsäfte, Süßigkeiten, Fertiggerichte: Gefährlich sind vor allem Lebensmittel, die viel Fruktose enthalten, denn die kann eine Menge Schaden anrichten. Normalerweise reinigt und verarbeitet die Leber Gift- und Abfallstoffe aus dem Blut. Sie speichert aber auch überschüssige Nährstoffe wie eben Fruktose in Form von Fett. Bei Bedarf gibt die Leber die Energiereserven wieder an den Körper ab. Werden überschüssige Nährstoffe allerdings dauerhaft von der Leber aufgenommen, verfettet sie und kann sich entzünden. Langfristig vernarbt das Gewebe, es entwickelt sich eine Leberzirrhose. Zu spät erkannt, kann das lebensbedrohlich werden. Die gute Nachricht: Eine nichtalkoholische Fettleber kann sich prinzipiell zurückbilden. Grundlegend hierfür sind Ernährungsumstellung und Gewichtsreduktion. Unbehandelt gilt eine nichtalkoholische Fettleber als einer der häufigsten Auslöser für Leberkrebs.

Immuntherapie gegen Krebs

An der Leipziger Universitätsklinik wird derzeit eine Studie zur Immuntherapie durchgeführt. Die Therapie ist bereits bei anderen Krebsarten wie beim schwarzen Hautkrebs erfolgreich. Nun wird ihr Nutzen auch bei Leberkrebspatienten untersucht, denn herkömmliche Behandlungsmethoden wie eine Chemotherapie würden eine ohnehin geschädigte Leber in vielen Fällen zu stark belasten. Um die Wirkungsweise der neuen Therapie zu verstehen, muss man zuerst einen Blick auf die Entstehung der Erkrankung werfen. Ein Tumor bildet sich aus körpereigenen Zellen. Er wächst und wuchert ungebremst, deswegen wird er zur Gefahr. Besonders perfide: Er tarnt sich. So erkennen ihn die Immunzellen des Körpers nicht.

Professor Dr. Thomas Berg
Prof. Thomas Berg, Hepatologe am Uniklinikum Leipzig Bildrechte: Uniklinik Leipzig

"Der Tumor bildet etwas an seiner Außenhaut, also an der Zellmembran, damit die Immunzelle die Tumorzelle nicht mehr als etwas Gefährliches erkennen kann", erklärt Prof. Thomas Berg, Hepatologe am Uniklinikum Leipzig. Dafür schüttet der Tumor Substanzen aus, die wie eine Bremse wirken. Die Abwehrzellen, die ihn eigentlich fressen sollen, sind dadurch blockiert. An diesem Punkt setzen die neuen Medikamente, sogenannte Checkpoint-Hemmstoffe, an. Sie lösen die Bremsen, dadurch können die Abwehrzellen den Tumor wirksam bekämpfen. Die Antikörper werden dem Patienten über eine Vene als Infusion zugeführt. Infusionshäufigkeit und Dauer der Gesamtbehandlungsdauer richten sich nach Medikament und Krebsart.

Erhebliche Nebenwirkungen

Erste Studienergebnisse sind viel versprechend. Leider bringen die Medikamente teilweise unerwünschte Autoimmunreaktionen mit sich: "Weil die Immunzellen durch die Aktivierung des Abwehrsystems plötzlich eigenes Gewebe angreifen können, kann es durchaus gefährliche Nebenwirkungen geben", sagt Professor Thomas Berg. Das können laut der Deutschen Krebsgesellschaft beispielsweise Entzündungen der Hirnanhangsdrüse, der Augen, des Darms oder der Haut sein. Teilweise sind diese Nebenwirkungen gut behandelbar, teilweise muss man die Therapie pausieren, so Professor Berg. "In schweren Fällen muss man die Therapie auch ganz absetzen", erklärt der Mediziner. Die Studie befindet sich in der Zulassungsphase. Wenn diese erfolgreich sein sollte, hoffen die Ärzte, dass das Medikament auch bald zugelassen wird.


Drei Fragen an Prof. Thomas Berg

Ist eine nicht-alkoholische Fettleber vermeidbar?

Prof. Thomas Berg: Nein, sie ist tatsächlich nicht in jedem Fall vermeidbar. Es gibt auch Formen, die angeboren oder anderen Ursachen geschuldet sind und die man nicht durch Diät beeinflussen kann. Es gibt zum Beispiel die "schlanke Fettleber". Man muss immer auch schauen: Liegt das an der Nahrungszusammensetzung oder den Darmbakterien? Wie ist die Darmbarriere beeinflusst? Es gibt erbliche Faktoren, die das begünstigen.

Wann entsteht aus einer Fettleber ein Leberkrebs?

Prof. Thomas Berg: Auch hier spielen genetische Faktoren eine große Rolle, männliches Geschlecht, wahrscheinlich auch das Alter. Beunruhigend an der Fettleber ist, dass man sie nicht so auf dem Schirm hat. Eigentlich müsste man auch ganz andere Patienten in die Vorsorge beziehungsweise Überwachung in Sachen Leberkrebs aufnehmen.

Bei wem kann die Immuntherapie angewendet werden?

Prof. Thomas Berg: Da gibt es kaum Einschränkungen. Allerdings muss zuallererst ihre Wirksamkeit nachgewiesen werden. Es gibt Tumore, die das Immunsystem besser und schlechter erkennen kann - entsprechend wirkt die Immuntherapie besser oder schlechter.

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Die Leber wächst mit ihren Aufgaben? Naja, fast. Nachwachsen, das kann sie wirklich! Und so wie es aussieht, wusste das schon der Göttervater Zeus.

Mo 22.05.2017 13:13Uhr 02:07 min

https://www.mdr.de/wissen/videos/bissenwissen/bissen-wissen-leber-kennt-keinen-schmerz100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 26. September 2019 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. September 2019, 12:51 Uhr

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