Tipps Haarausfall durch Corona

Haare sind Ausdruck unserer Persönlichkeit. Umso schlimmer ist es oft für Betroffene, wenn sie ausgehen. Dies kann mitunter eine Nebenwirkung von Medikamenten - aber auch eine Spätfolge einer Coronaerkrankung sein.

Eine Haarbürste mit Haaren.
Wer dauerhaft mehr als 100 Haare verliert, sollte das ärztlich abklären lassen. Bildrechte: imago/McPHOTO

Volles, glänzendes und seidiges Haar steht für Vitalität, Lebenskraft und Schönheit. Umso größer der Schreck, wenn die Haare plötzlich dünn werden und ausfallen. Dabei gilt ein Verlust von 100 Haaren pro Tag als normal. Erst wer mehr verliert, sollte medizinischen Rat einholen. Doch Haarausfall ist keine Diagnose, sondern ein Symptom. Wichtig ist, dass Sie so früh wie möglich mit einem Hautarzt darüber sprechen, denn manche Formen des Haarausfalls kann man nur im Frühstadium behandeln.

Eine bislang selten thematisierte Spätfolge von Corona ist büschelweiser Haarausfall. Da auch viele Ärzte noch zu wenig über die Krankheit wissen, sind betroffene Patienten mit ihren Ängsten oft sehr allein gelassen.

Forschung zu Haarausfall durch Corona

Dr. Gerd Wallukat von der Berliner Firma Berlin Cures GmbH hatte schon einmal vor ein paar Jahren das Serum einer Frau mit kreisrundem Haarausfall untersucht. Nun vermutete er ähnliche Ursachen wie jetzt bei den Covid 19-Patienten. Daher untersuchte er das Blut von zwei Gruppen von Corona-Patienten: mit Haarausfall und ohne.

Und tatsächlich fand der Biologe zwei Autoantikörper (AKK) im aktuell getesteten Serum, die in der Lage sind, das Gefäßsystem zu beeinflussen. "Unsere Vermutung ist, dass, wenn die Gefäße eng gestellt werden, dass dann die Versorgung der Haarfollikel nicht mehr 100%-ig gewährleistet ist und das dann zum Haarausfall führt", erklärt Dr. Gerd Wallukat.

Eine junge Frau mit Brille 4 min
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Hauptsache gesund Do 17.09.2020 21:00Uhr 03:34 min

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Das Ziel der Berliner Forscher heißt nun: Die Autoantikörper unschädlich zu machen. Das übernehmen sogenannte Aptamere. Sie programmieren die Autoantikörper so um, dass sie nicht mehr in der Lage sind, an der Zelle anzudocken und körpereigenes Gewebe zu zerstören. Die Wissenschaftler betreten mit ihren Forschungen Neuland, denn Aptamere sind eine ganz neue Generation von Medikamenten.

Entwickelt haben sie die Berliner eigentlich gegen eine Herzerkrankung. Doch durch ihre dreidimensionale Struktur können Aptamere auch bei anderen Krankheiten wirken, erklärt Dr. Johannes Müller von Berlin Cures GmbH: "Wenn die Ursache für Haarausfall die AAK sind, dann kann das Aptamer, was für Herzinsuffizienz wirkt, auch für Haarausfall genommen werden. Und es wird auch da wirken." Aptamere könnten dann gegen Haarausfall allgemein eingesetzt werden.

Weitere Gründe - eine Spurensuche

  • Seit wann besteht der Haarausfall?

Eine Änderung des Lebensstils oder Schwankungen des Hormonhaushalts wirken sich manchmal auf die Haare aus. Diese werden an den Haarwurzeln mit weniger Sauerstoff versorgt und fallen daher aus.

  • Wurden Sie kürzlich operiert?

Eine kürzlich erfolgte Operation stellt für den Körper eine große Belastung dar, der Stoffwechsel ändert sich, die Heilung der Narben steht nun erst einmal im Vordergrund.

  • Hatten Sie kürzlich einen Infekt?

Auch ein Infekt kann plötzlichen Haarverlust zur Folge haben, denn die Veränderungen im Körper, die damit einhergehen, können die Wachstumsphase der Haarfollikel unterbrechen.

  • Ernähren Sie sich vegan?

Wer sich vegan ernährt, muss besonders auf seinen Nährstoffhaushalt achten. Denn wichtigster Eisenlieferant sind Fleisch und tierische Produkte. Daher leiden Veganer oft an einem Eisenmangel, der die Haare ausfallen lässt.

  • Welche Medikamente nehmen Sie regelmäßig ein?

Eine häufige Ursache für Haarausfall sind die Nebenwirkungen von bestimmten Medikamenten. Diese kann man nach Rücksprache mit dem Arzt umstellen. Nehmen Sie am besten Ihre Medikamente mit zum Arztgespräch.

Vegan
Eine vegane Ernährung ist weniger eisenreich. Das kann zu Haarausfall führen. Bildrechte: MDR/Josefine Bauer

Haarausfall durch Medikamente

  • Betablocker

Gegen Herzrhythmusstörungen oder Bluthochdruck verschreiben Ärzte häufig Betablocker. Die Wirkstoffe Metoprolol, Bisoprolol und Propanolol können als Nebenwirkung verstärkten Haarausfall zur Folge haben. Gleiches kann für sogenannte ACE-Hemmer gelten.

  • Ibuprofen

Es ist das häufigste Schmerzmittel, welches auch frei verkäuflich in der Apotheke zu bekommen ist. Die Haare können bei einer regelmäßigen Einnahme von Ibuprofen dünner werden und im Extremfall auch ausfallen. Setzt man alternative Medikamente gegen die Schmerzen ein, verschwinden die Symptome nach mehreren Monaten.

  • Antidepressiva

Die Wirkstoffe Fluoxetin, Doxepin oder Imipramin unterbrechen die Ruhephase des Haarwachstums. Normalerweise wächst ein Haar, ruht dann drei Monate auf dem Kopf und fällt dann aus. Antidepressiva lassen die Haare sofort ausfallen.

  • Blutverdünner

Heparin ist der Wirkstoff eines Medikaments, welches das Blut verdünnt, um zum Beispiel Thrombosen nach Operationen zu vermeiden. Heparin kann die Haarfollikel schädigen und zu Haarausfall führen.

Alternative Medikamente haben allerdings möglicherweise dieselbe Nebenwirkung.

  • Zytostatika (Krebsmedikamente)

Am bekanntesten ist wohl der Haarausfall während einer Chemotherapie. Das Gute daran: Sobald die Behandlung mit den Medikamenten, die Haarausfall verursachen, beendet ist, kehrt auch das Haarwachstum zurück.

Tipps für volles und glänzendes Haar 1) Waschen Sie nicht zu oft die Haare. Zweimal pro Woche ist ausreichend.

2) Meiden Sie straffe Frisuren, wie Zöpfe, denn diese belasten die Haarwurzeln extrem stark.

3) Ernähren Sie sich ausgewogen. Powerfood für die Haare sind Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse und Trockenobst.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 17. September 2020 | 21:00 Uhr

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