Schmerzen und starker Harndrang Harnwegsinfekte und Reizblase natürlich heilen

Ob bei einer Entzündung oder häufigem Harndrang: Ist die Blase gereizt, kann das die Lebensqualität stark einschränken. Oft werden dafür keine organischen Ursachen gefunden. Doch man kann die Funktion der Blase mit pflanzlichen Mitteln unterstützen und sie mit ein paar Tricks auch trainieren.

von Beate Splett und Michael Kästner

Gerade bei älteren Menschen ist eine Angewohnheit weit verbreitet: Bevor sie das Haus verlassen, gehen sie noch einmal auf die Toilette – ob sie müssen oder nicht. Das ist eher kontraproduktiv, warnt der Urologe und Frauenarzt Dr. Tom Kempe. Die Blase "verlernt" so, auch über längere Zeit den Harn zu halten. Hinzu kommt, dass nur wenig getrunken wird, aus Angst, unterwegs eine Toilette suchen zu müssen. Das erhöht zusätzlich das Risiko einer Infektion, da Keime so nicht ausreichend aus der Blase gespült werden können.

Es sei ein Mythos, dass nur junge Frauen häufiger Blasenentzündungen bekommen, sagt Dr. Tom Kempe. Auch bei älteren Patienten treten sie mit zunehmendem Alter verstärkt auf. Schuld ist daran meist eine Hormonumstellung in den Wechseljahren. Früher waren Antibiotika das Mittel der Wahl, doch inzwischen gibt es viele wirksame Alternativen. Treten die Harnwegsinfekte häufiger auf, kann eine Impfung helfen. Im Impfstoff sind abgetötete Bakterien, auf die der Körper mit der Produktion von Eiweißen reagiert. Sie sorgen langfristig dafür, dass körpereigene Abwehrstoffe die schädlichen Bakterien abtöten, welche die Entzündung auslösen. Auch die Schutzschicht der Blasenwand kann sich so nach und nach wieder regenerieren.

So funktioniert die Blase

Unsere Blase füllt sich unentwegt. Hätten wir sie nicht, würden wir rund um die Uhr auf der Toilette sitzen. Aber so müssen wir im Schnitt nur vier bis fünf Mal am Tag. Ist sie leer, erinnert sie an einen schlaffen Ballon. Füllt sie sich mit Urin, dehnt sich die Blase aus und wird rund wie eine Kugel. Dass sie so dehnbar ist, verdankt sie ihren verschiedenen Muskelschichten. Wir haben normalerweise das Gefühl, auf Toilette gehen zu müssen, wenn die Blase mit 300 bis 350 Millilitern Urin gefüllt ist. Doch eine gesunde Blase kann bis zu einem Dreiviertelliter speichern. Allerdings "müssen" wir dann wirklich dringend. Am Blasen-Ausgang sitzen zwei Schließmuskeln, sogenannte Sphinkter, ein innerer und ein äußerer. Den inneren lenkt das vegetative Nervensystem, wir können ihn also nicht bewusst kontrollieren. Den äußeren Muskel können wir jedoch beeinflussen. Wenn wir ihn öffnen, zieht sich die Blasenmuskulatur zusammen. Funktioniert das nicht richtig, spricht man von einer Inkontinenz. Die Blase entleert sich ungewollt. Noch viel unangenehmer wird es aber, wenn Bakterien über die Harnröhre in die Harnblase geraten. Dann kann es zu einem Harnwegsinfekt kommen, zum Beispiel einer Blasenentzündung. Ganz dramatisch kann es werden, wenn sich Kristalle an den Blasenwänden absetzen und sich Blasensteine bilden. Denn so ein Stein kann die Harnröhre verschließen und muss dann operativ entfernt werden. Doch normalerweise arbeitet unsere Blase zuverlässig, 24 Stunden am Tag.

Illustration der Anatomie von Blase und Nieren
Die Blase kann bis zu einem Dreiviertelliter aufnehmen. Bildrechte: imago images / Science Photo Library

So unterstützen Sie die Funktion der Blase

Echte oder Gemeine Goldrute
Ein Tee aus Goldrute wirk harntreibend. Bildrechte: IMAGO

Viel trinken!
Um die Blase gut zu spülen und ihre gesunde Funktion nicht zu verlieren, sollte man ausreichend trinken. Erlaubt ist, was schmeckt. Die richtige Menge macht's. Spezielle Tees mit Brennnesseln, Birkenblättern, Schachtelhalm und Goldrute wirken harntreibend und unterstützen die Ausscheidung über die Nieren. Große Gläser motivieren zusätzlich mehr zu trinken.

Blase trainieren!
Gehen Sie nicht vorbeugend auf die Toilette, sondern nur, wenn Sie wirklich müssen! Wenn das am Anfang schwerfällt, kann man längere Zeitabstände langsam trainieren: Führen Sie ein Protokoll, wie viel Sie wirklich trinken und wann Sie das stille Örtchen aufsuchen. Versuchen Sie, die Abstände Stück für Stück zu verlängern.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 27. Februar 2020 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Februar 2020, 11:05 Uhr