Ein Arzt sieht sich einen Leberfleck genauer an (Symbolfoto)
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Vorsorge und Sonnenschutz Unterschätzte Gefahr Hautkrebs

Sommerzeit ist Sonnenanbeterzeit. Doch ein zu viel an Sonne kann auch zu Hautkrebs führen. Wie man sich schützen kann, wer besonders gefährdet ist und wie Hautkrebs erkannt werden kann, erklären wir Ihnen hier.

von Jana Olsen

Ein Arzt sieht sich einen Leberfleck genauer an (Symbolfoto)
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Hautkrebs ist mit rund 270.000 Neuerkrankungen pro Jahr die häufigste Krebserkrankung in Deutschland. Zu spät behandelt, verläuft der schwarze Hautkrebs tödlich. Im Frühstadium ist Hautkrebs jedoch oft heilbar. Doch nur jeder Fünfte nutzt die angebotene Hautkrebsvorsorge.

Sommer, Sonne, Energie tanken - Hautschutz dabei nicht vergessen!

Eine Frau steht am Meer und nimmt ein Sonnenbad
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Die Sonne weckt Lebenselexiere. Sie hat aber auch ihre Schattenseiten. Übermäßige Sonneneinstrahlung sorgt nicht nur für Sonnenbrand. Sie ist auch ein Risikofaktor für die Entstehung von Hautkrebs. Die Fallzahlen haben sich laut dem Deutschen Krebsregister in den letzten 15 Jahren fast verdoppelt.

Mit rund 230.000 Erkrankungen ist der helle oder auch weiße Hautkrebs am häufigsten. Er wird glücklicherweise selten lebensbedrohlich. Rund 37.000 Menschen erkranken an schwarzen Hautkrebs. Seine Behandlung gilt als besonders schwierig und verkürzt die Lebenserwartung enorm. Deswegen sollte man so früh wie möglich das Angebot der Hautkrebsvorsorge in Anspruch nehmen.

Thüringer und Sachsen-Anhalter "früherkennungsfaul"

"Das Hautkrebs-Screening ist wirklich sehr wichtig. Denn je früher ein Tumor entdeckt wird, umso besser kann man ihn behandeln", betont die Leipziger Hautärztin Dr. Marion Krakor. Der Anspruch auf das Screening besteht alle zwei Jahre für alle gesetzlich Versicherten ab 35 Jahre. Einige Krankenkassen übernehmen die Früherkennungsuntersuchung sogar schon früher. Doch nur jeder fünfte gesetzlich Versicherte nimmt dieses Angebot wahr, so der aktuelle Hautkrebsreport 2019 der Techniker Krankenkasse.

Leberfleck
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Versicherte in Thüringen und Sachsen-Anhalt sind dabei besonders "früherkennungsfaul" und liegen noch deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. In Sachsen dagegen wird das Screening bundesweit am häufigsten wahrgenommen. Neben dem Screening beim Hautarzt sollte man auch selbst seine Haut sorgfältig im Blick behalten. Sobald sich Muttermale verändern oder sich ungewöhnliche Flecken auf der Haut bilden, sollte man zum Arzt. Ein Fakt, der Mut macht: Nur in vier von 100 Fällen bestätigt sich nach dem Screening der Hautkrebsverdacht.

Blonde und helle Hauttypen besonders gefährdet

Frau mit langärmliger Kleidung und Sonnenschirm am Strand
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Besonders gefährdet an Hautkrebs zu erkranken sind Menschen mit heller Haut, vielen Sommersprossen und rötlichen, blonden Haaren. Unstrittig ist auch, dass das Risiko steigt, je mehr Zeit man der schädlichen UV-Strahlung der Sonne ausgesetzt ist. Und das kann schon 20 oder 30 Jahre zurückliegen.

"Man sagt, dass 80 Prozent aller Lichtschäden im Kindesalter gesetzt werden“" warnt Dr. Marion Krakor. Wird die zarte Haut schon im Kindesalter mehrfach geschädigt und findet das auch in den vielen Jahren danach noch statt, dann kann sich Hautkrebs entwickeln.

Dermatologen sind sich deshalb einig, dass aus diesem Grunde Babys überhaupt nicht dem Sonnenlicht ausgesetzt werden sollten und Kinder bis zur Pubertät entweder mit Sonnencremes, die einen hohen Lichtschutzfaktor haben, oder entsprechender Kleidung vor den Strahlen geschützt werden müssen.

Hautkrebs als Berufskrankheit

Sonnencreme wird auf eine Hand aufgetragen 5 min
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Auch manche Berufsgruppen sind mehr gefährdet, einen Hautkrebs zu entwickeln. Denn bei manchen Outdoor-Berufen hat man gar keine andere Wahl, als viel in der Sonne zu arbeiten. Das betrifft beispielsweise Gärtner, Bauarbeiter oder Dachdecker. Was viele nicht wissen: Seit 2015 ist eine Form des weißen Hautkrebses, das Plattenepithelkarzinom, in diesen Berufsgruppen als Berufserkrankung anerkannt. "Mein Eindruck ist: Das läuft sehr zögerlich. Man muss einen 70-jährigen Patienten auch fragen, als was er früher mal gearbeitet hat. Da wird zu wenig dran gedacht", gibt Dr. Marion Krakor zu bedenken. Denn die Ansprüche können auch rückwirkend geltend gemacht werden. Das ist wichtig für Rehabilitationsmaßnahmen oder finanzielle Entschädigungen.

Schwarzer oder weißer Hautkrebs?

Weißer Hautkrebs
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Basalzellkarzinom
Der "weiße Hautkrebs" ist der häufigste Hautkrebstyp. Er kommt bei Männern und Frauen genauso häufig vor. Das Basaliom sieht anfangs oft aus wie ein kleiner Pickel und entsteht vorwiegend da, wo Sonne auf die Haut trifft, den sogenannten Sonnenterassen: am Kopf, Hals, Ohren, Nase und an den Händen. Das mittlere Erkrankungsalter liegt zwischen 70 und 74 Jahren. Das Basaliom wächst sehr langsam, bildet meist keine Metastasen, kann aber groß werden und tief ins Gewebe einwachsen. Je eher es erkannt wird, desto weniger großflächig muss es herausgeschnitten werden.

Plattenepithelkarzinom
Das ist die gefährlichere Form des weißen Hautkrebses. Ab einer gewissen Größe kann er Metastasen bilden, vor allem in den Lymphknoten. Auch diese Form entsteht überwiegend an Stellen, die zu viel UV-Strahlung ausgesetzt wurden. Er kommt bei Männern häufiger vor als bei Frauen.

Melanom
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Melanom
Der schwarze Hautkrebs ist die bösartigste Form des Hautkrebses. Er kann auch an Stellen entstehen, wo es der Laie vielleicht gar nicht vermutet, zum Beispiel im Genitalbereich, unter den Fußsohlen oder den Zehen- oder Fingernägeln. Melanome sind aggressiv und streuen schnell. Haben sich Metastasen gebildet, ist die Erkrankung schwer in den Griff zu bekommen. Der schwarze Hautkrebs gehört bei Menschen zwischen 20 und 29 Jahren zu den häufigsten Tumoren. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt bei Männern bei 67 Jahren, bei Frauen bei 59 Jahren.

ABCD-Regel zur Erkennung des schwarzen Hautkrebses
A wie Asymmetrie Auffällig ist ein Fleck, der in seiner Form nicht gleichmäßig rund oder oval geformt ist.
B wie Begrenzung Ein Leberfleck sollte scharf und regelmäßig begrenzt sein. Eine unscharfe Begrenzung oder unregelmäßige Ausfransungen sind verdächtig.
C wie Colour (= Farbe) Hat ein Muttermal mehrere Farbtönungen, muss es genau beobachtet werden.
D wie Durchmesser Ein Fleck, dessen Durchmesser größer als 2 mm ist, sollte

beobachtet werden.

Sonnenschutz

Die Auswahl der Produkte an Sonnencreme, Spray oder Gel ist riesig. Je höher der Lichtschutzfaktor auf der Verpackung, desto besser der Schutz. Worauf sollte man noch achten?

Besser dick auftragen

Die meisten cremen zu wenig ein. Ein Erwachsener sollte mindestens 40 Milliliter Creme auftragen. Das entspricht etwa der Menge von drei Esslöffeln. Und vergessen Sie die sogenannten Sonnenterassen wie Nase, Wange, Kinn und Füße nicht! Nach dem Baden heißt es: erneut eincremen. Auch Schwitzen vermindert den Sonnenschutz.

Chemischer oder mineralischer Filter?

 eine Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 50
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Die mineralischen Filter bestehen aus natürlichen Farbpigmenten, meist Titandioxid und Zinkoxid. Das sieht man mitunter an dem weißlichen Film auf der Haut. Mineralische Filter schützen sofort nach dem Auftragen und sind kaum allergen. Es gibt aber nur wenige Produkte mit Lichtschutzfaktor 50. Chemische Filter haben oft einen höheren Lichtschutzfaktor. Sie brauchen allerdings eine Einwirkzeit von etwa 20 Minuten, bis sie vollständig wirken. Etwa sechs Monate nach Anbruch der Sonnencreme verlieren sie an Wirksamkeit.

UVB- oder UVA-Schutz?

Sonnencremes enthalten unterschiedliche Filter. Idealerweise enthält die Sonnencreme beide Filter. UVB-Strahlen verursachen Sonnenbrand, im schlimmsten Fall Hautkrebs. Die UVA-Strahlen der Sonne lassen die Haut vorzeitig altern. Auch sie spielen bei der Entstehung von Krebs eine Rolle.

Sensitiv oder normal?

Eincremen mit Sonnencreme
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Bei normaler Haut reicht normale Sonnencreme. Wer eine empfindliche Haut hat und zu Sonnenallergie neigt, sollte auf Sensitiv-Produkte zurückgreifen. Stiftung Ökotest hat aktuell solche Sonnencremes für sensible Haut getestet. Von 20 Produkten haben die Tester allerdings nur dreimal das Prädikat "sehr gut" und einmal "gut" verteilt. Denn iIn fast dreiviertel der Sonnencremes stecken bedenkliche UV-Filter, die im Verdacht stehen, hormonell zu wirken. Zudem bemängeln die Tester den Einsatz von Paraffinen, Silikonen und weiteren problematischen Kunststoffen.

Haltbarkeit von Sonnencreme

Keine Sonnencreme ist ewig haltbar. Schauen Sie deswegen auf die Rückseite der Creme. Unter den Inhaltsstoffen ist das Symbol einer kleinen Dose abgebildet. Darin ist eingetragen, wie viele Monate die Creme nach dem Öffnen haltbar ist. Wenn Sie nicht wissen, wann Sie die Creme geöffnet haben, machen Sie den Schnuppertest. Riecht die Creme ranzig, sollte sie besser entsorgt werden.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 20. Juni 2019 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Juni 2019, 12:11 Uhr