Gesunder Verzicht Heilsames Fasten

Fasten wird seit Jahrhunderten praktiziert. Geschah es früher hauptsächlich aus religiösen Gründen oder schlicht aus einem Mangel an Nahrung, rückt das Fasten heute immer stärker ins Blickfeld der Mediziner. Es soll nicht nur beim Abnehmen helfen, sondern chronische Erkrankungen wie Rheuma und Diabetes bessern oder sogar heilen können.

von Beate Splett und Elisabeth Enders

Aus einer Karaffe wird Wasser in ein Glas gegossen.
Bildrechte: imago/McPHOTO

Wer fasten möchte, hat verschiedene Methoden zur Auswahl. Einmal jährlich mehrere Tage am Stück oder regelmäßig für einige Stunden - jeder kann sich entscheiden, was am besten zu ihm passt und was er damit erreichen möchte. Eine mehrtägige Fastenkur bietet eine kleine Auszeit von Hektik und Stress im Alltag. Sie kann besonders sinnvoll für Menschen mit chronischen Erkrankungen sein. Wer es flexibler mag oder langfristig ein paar Pfunde loswerden will, entscheidet sich besser für das Intervallfasten.

Buchinger-Fasten

Ein Fastentag beginnt mit Bewegung an der frischen Luft. Das bringt den Kreislauf in Schwung und macht gute Laune, trotz leerem Magen. Christine Kapp-Karczewski fastet schon das zweite Mal nach der Buchinger Methode: "Man macht alles langsamer. Man joggt nicht, oder macht keinen Marathon, sondern man macht alles ganz ruhig und langsam." Die 60-Jährige kommt extra aus Berlin nach Bad Elster zum Fasten. Sie erhofft sich vor allem, ihre Gelenkschmerzen zu lindern. In der DEKIMED Klinik werden Naturheilverfahren in die Behandlung integriert. Chefärztin Anke Wißgott bietet geeigneten Patienten dazu das Heilfasten an. "Indikationen sind chronische Schmerzerkrankungen, Gelenkerkrankungen, aber auch Migräne und Fybromyalgie, hoher Blutdruck sowie ein hoher Blutzucker- oder Cholesterinspiegel", erklärt Anke Wißgott. Fasten nach Buchinger folgt einem genauen Plan: Auf zwei Entlastungstage mit leichter Kost folgen sieben Tage, an denen nur Flüssiges zu sich genommen wird. Eine Darmreinigung kann, muss aber nicht zwingend gemacht werden. Zu den Mahlzeiten gibt es Obst- oder Gemüsesaft und Gemüsebrühen, insgesamt nicht mehr als 300 Kalorien am Tag.

Eine junge Frau streckt draußen lachend ihre Arme aus.
Bildrechte: IMAGO

Der Körper stellt sich um. "Er ist nicht mehr mit der Verdauung beschäftigt, sondern damit, die eigenen Reserven, die Fettdepots z.B. anzugehen, aber auch damit, eingelagerte Flüssigkeiten, Lymphe und Gewebsflüssigkeiten abzutransportieren", weiß Anke Wißgott. Um diesen veränderten Stoffwechsel noch stärker anzukurbeln, helfen Kneipp-Methoden: Wassertreten, Armbäder und kalte Güsse regen den Kreislauf an und fördern das Immunsystem. Nach den ersten zwei Fastentagen hat der Körper die Umstellung geschafft und es kommt zum sogenannten Fastenhoch. "Eigentlich kann ich Bäume ausreißen, man hat immer so ein falsches Bild, wenn man denkt, man bekommt nichts zu essen. Ich glaube fast, dass man noch mehr Energie hat, wenn man mal den Stoffwechsel entlastet und sich mal auf andere Dinge konzentriert und nicht nur auf´s Essen", ist Christine Kapp-Karczewski überzeugt. Nach dem Mittag zieht sie sich zurück, um sich einen Leberwickel anzulegen. Die Wärme und die Ruhe helfen der Leber bei ihrer Stoffwechselarbeit. Vor vier Jahren hat sie schon einmal gefastet und war vom schnellen, positiven Effekt begeistert. "Während des Fastens hab´ ich schon gemerkt, dass viele Dinge abfallen: Gelenkschmerzen, Verspannungen - das war schon mal ein ganz toller Effekt. Und man hat sich irgendwie ganz toll gefühlt danach", erinnert sich Christine Kapp-Karczewski. Ihren Gelenken ging es nach der letzten Kur für anderthalb Jahre deutlich besser.

Intervallfasten

16:8 – Viele Studien konnten inzwischen belegen, dass ein Nahrungsverzicht über einige Stunden ganz ähnliche Effekte erzielen kann wie das Fasten über mehrere Tage. 16:8 bedeutet: Man darf in einem Zeitfenster von acht Stunden essen, danach für 16 Stunden eine Essenspause einlegen - also entweder das Frühstück oder das Abendessen weglassen. Zwischendurch sind Gemüsesäfte, Fruchtschorlen mit wenig Zucker, Wasser, Tees und Kaffee ohne Zucker und Milch erlaubt. Schon nach etwa 14 Stunden stellt sich der Stoffwechsel um. Der Körper fährt ein Alternativprogramm und schaltet auf Autophagie (aus dem Griechischen: "sich selbst verzehrend").

Symbolbild Intervallfasten
Bildrechte: imago/Westend61

Die Energie aus der Nahrung ist aufgebraucht, der Körper geht an die Reserven: Aus der Leber wird gespeicherter Zucker (Glycogen) freigesetzt, Fettdepots in den Zellen spenden zusätzlich Energie. Durch regelmäßiges Intervallfasten kann man langfristig abnehmen. Außerdem werden alte oder kranke Körperzellen verstärkt recycelt. Für die Entdeckung dieses Mechanismus wurde der Japaner Yoshinori Ohsumi mit dem Nobelpreis geehrt. Inzwischen gibt es erste Hinweise, dass das Wissen über die Autophagie einen entscheidenden Beitrag bei der Entstehung und Therapie von Krebs und Demenz leisten könnte. Amerikanische Forschungen konnten übrigens kürzlich belegen, dass ein Nahrungsverzicht über nur 14 Stunden vergleichbare Effekte erzielen kann.

5:2 – Das funktioniert ganz ähnlich. Dabei wird an fünf Tagen der Woche normal gegessen und an zwei Tagen gefastet. In den zwei Tagen sind jeweils max. 500 kcal erlaubt. Das entspricht etwa einem sparsamen Frühstück. Auch diese Methode bietet viel Flexibilität und lässt sich gut in den Arbeits- und Familienalltag integrieren.

Unsere Fastentipps

Wer Gewicht reduzieren will, für den eignet sich das Intervallfasten langfristig besser als eine schnelle Diät, da es nicht zum Jojo-Effekt kommt. Um auch während der Essenspause keinen Hunger zu bekommen, sollte man nur wenig einfache Kohlenhydrate (vor allem keinen Zucker), dafür aber mehr Eiweiß und Ballaststoffe aus Vollkornprodukten zu sich nehmen. Das treibt den Blutzuckerspiegel nicht so stark in die Höhe und hält länger satt. Suchen Sie sich Fastenpartner! Gemeinsam mit der Familie, Freunden oder Kollegen fällt es leichter durchzuhalten. Kinder und schwangere Frauen sollten nicht fasten, um einem Mangel an wichtigen Nährstoffen vorzubeugen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 27. Februar 2020 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Februar 2020, 11:00 Uhr