Oft lange unerkannt Herzklappe defekt?

Unser Herz hat vier Klappen, die dafür sorgen, dass das Blut in die richtige Richtung gepumpt wird. Ist eine Klappe geschädigt, kann das zu Atemnot, Schwäche und Schmerzen führen. Doch häufig bleiben Erkrankungen der Herzklappe lange unerkannt oder werden als Alterserscheinung unterschätzt.

grafische Darstellung der Anordnung der Herzklappe in einem menschlichen Herzen
Die vier Herzklappen in der Reihenfolge, in der sie das Blut durchläuft: Unten ist die Trikuspidalklappe zu sehen, oben die Pulmonalklappe, rechts die Mitralklappe und in der Mitte die Aortenklappe. Bildrechte: Colourbox.de

Kennen Sie die Symptome einer Aortenstenose? Wahrscheinlich nicht. Nur 5,5 Prozent können die Symptome der Krankheit korrekt beschreiben, zeigt eine große aktuelle Studie der Patientenorganisation Global Heart Hub. Rund 13.000 Personen über 60 Jahre wurden in elf europäischen Ländern zu Herzklappenerkrankungen befragt. Eine Aortenstenose kannten die wenigsten, dabei ist sie die häufigste Klappenerkrankung und hat undiagnostiziert lebensgefährliche Folgen. Bei knapp der Hälfte der Patienten führt sie innerhalb von zwei Jahren nach Auftreten der ersten Symptome zum Tod.

Zu wenig Stethoskop-Untersuchungen

Und noch einen interessanten Fakt zeigte die Studie: In Deutschland kommt das Stethoskop zum Abhören der Herzgeräusche kaum zum Einsatz. Dabei ist das Abhören eine wichtige Untersuchung zur Früherkennung. Defekte Herzklappen erzeugen oft einen hörbar unregelmäßigen Herzton. Doch nur rund 21 Prozent der über 60-jährigen Befragten wurde der Studie zufolge mit dem Stethoskop abgehört. Fast ein Drittel gab an, von ihrem Hausarzt nie oder nur auf Nachfrage so untersucht zu werden.

Im europäischen Vergleich landete Deutschland damit auf den hintersten Plätzen. "Wir fordern die Implementierung eines klaren Behandlungspfads für Herzklappenpatienten sowie die Einführung eines regulären Stethoskop-Checks für über 65-Jährige", sagt Dr. Florian Krackhardt, Kardiologe an der Charité Berlin und Gründungsmitglied der Initiative Herzklappe. Diese Initiative ist ein 2019 gegründetes bundesweites Netzwerk von Ärzten und Patienten zur Aufklärung über Herzklappenerkrankungen. Besteht bei der Stethoskop-Untersuchung der Verdacht, dass eine Erkrankung der Herzklappen vorliegt, wird der Arzt dann weitere Untersuchungen veranlassen. Das sind beispielsweise ein Ultraschall des Herzens, ein EKG und das Röntgen.

Atemnot, Husten und Schwindel

Die Symptome, die ein Patient bei einer Erkrankung der Herzklappe selbst bemerkt, können sehr verschieden sein. Das liegt auch daran, welche Herzklappe betroffen ist. So kann eine Aortenklappenstenose zu einem Schwächegefühl, Schwindel und Brustschmerzen führen. Symptome eines Problems an der Mitralklappe dagegen können Husten und Wassereinlagerungen sein. Oft sind die Symptome auch nicht eindeutig oder werden als Alterserscheinung missverstanden.

Medikamente oder OP?

Die Behandlung einer Herzklappenerkrankung ist je nach der betroffenen Herzklappe, der Schwere der Erkrankung und des Gesundheitszustandes des Patienten unterschiedlich. Ob Medikamente reichen oder eine Operation erforderlich ist, muss jeweils sehr individuell entschieden werden.

Medikamente beispielsweise können den Klappenfehler nicht beheben, wohl aber die dadurch entstehenden Symptome lindern. Ist es bei einer Operation nicht möglich, die eigene Klappe zu reparieren, können mechanische oder biologische Herzklappen eingesetzt werden.

Biologische oder mechanische Herzklappen

Biologische Herzklappen werden aus Herzbeuteln von Rindern oder Schweinen gefertigt. Die lebenslange Einnahme von Blutverdünnern ist hier nicht nötig, allerdings haben biologische Herzklappen nur eine begrenzte Haltbarkeit von zehn bis 15 Jahren. Mechanische Herzklappen werden aus speziellen Kunststoffen hergestellt und haben eine fast unbegrenzte Haltbarkeit. Hier braucht es allerdings lebenslang blutverdünnende Medikamente.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 08. Oktober 2020 | 21:00 Uhr

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