Probleme mit dem Herz Warum Herzschwäche oft erst spät erkannt wird

Unser Herz ist nur so groß wie eine Faust, bewegt im Laufe eines Lebens aber so viel Blut, wie ein ganzer Öltanker fassen würde. Es arbeitet Tag und Nacht. Und wenn es schwach wird, geht es um Leben und Tod. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa drei Millionen Menschen in Deutschland an einer Herzschwäche leiden. Das Problem: sie bleibt lange unerkannt.

von Jana Olsen

Symboldbild Herzschwäche
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Eine Herzschwäche ist tückisch. Ihre Symptome entwickeln sich schleichend über Monate und Jahre. Oft wird die Krankheit erst im fortgeschrittenen Stadium erkannt. Eine mangelnde Herzleistung äußert sich anfangs durch Atemnot bei körperlichen Belastungen: Man ist schnell außer Puste. Weitere Warnzeichen sind Wassereinlagerungen, vor allem in den Beinen, Müdigkeit oder vermehrtes nächtliches Wasserlassen. Oft werden diese Symptome auf das Alter oder Trainingsmangel geschoben – ein Trugschluss.

Zahlreiche Ursachen

Blutdruckmesser, 2009
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Erhöhter Blutdruck gilt als ein Risikofaktor für die Entstehung einer Herzschwäche. In Anpassung an den erhöhten Druck versucht das Herz, seine Pumpleistung zu steigern, was es überfordert. Der Herzmuskel reagiert darauf mit verstärktem Wachstum, die Anforderungen an die Pumpleistung werden noch größer. Doch irgendwann kann das Herz nicht mehr mithalten und seine Leistungsfähigkeit lässt nach.

Zudem sind auch Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen eine häufige Ursache für eine Herzschwäche. Durch sie kommt es zu Durchblutungsstörungen. Der Herzmuskel wird nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt und arbeitet nur noch eingeschränkt. Auch Klappenfehler, schwerwiegende Herzrhythmusstörungen oder Grippeviren können zu einer Herzschwäche führen.

Genaue Diagnose wichtig

Da eine Herzschwäche so viele unterschiedliche Gründe haben kann, ist eine genaue Ursachensuche wichtig. Zur Diagnose wird der Arzt den Blutdruck messen, Laboruntersuchungen veranlassen, ein EKG schreiben, eine Ultraschalluntersuchung vom Herz und gegebenenfalls auch eine Herzkatheteruntersuchung machen lassen.

Zur Behandlung gibt es dann eine Vielzahl von Medikamenten, zum Beispiel Blutdrucksenker oder Blutfettsenker. In einigen Fällen wird das nicht ausreichen. Je nach Schädigung des Herzens können eine Klappenoperation, ein Schrittmacher, eine Bypass-Operation, ein Stent bis hin zu einer Herztransplantation nötig werden.

Häufige Einnahmefehler

Der Schlauch eines Stethoskops bildet ein Herz
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Dennoch zählt eine Herzschwäche laut der Deutschen Herzstiftung nach wie vor zu den Hauptgründen, warum Patienten ins Krankenhaus müssen. Schuld daran sind oft vermeidbare Therapiefehler. So wird beispielsweise die Einnahme entwässernder Medikamente häufig vergessen oder ohne Rücksprache mit dem Arzt abgesetzt. Dabei dienen diese Medikamente der Entlastung des geschwächten Herzmuskels und können zu einem dramatischen Einbruch der Pumpleistung führen, wenn sie plötzlich nicht mehr eingenommen werden. Die Herzstiftung empfiehlt: wem die Einnahme entwässernder Medikamente unangenehm ist, dieses Thema unbedingt mit dem Arzt zu besprechen.

Gesundheitscheck wahrnehmen

Symboldbild Herz und Durchblutung
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Es gibt etliche Risikofaktoren, die man selbst minimieren kann. Bluthochdruck, schlechte Blutfettwerte und Übergewicht lassen sich durch eine gesunde Ernährung günstig beeinflussen. Stress, Bewegungsmangel und Rauchen belasten das Herz. Wer seinem Herzen etwas Gutes tun will, sollte letzteres lieber sein lassen, sich ausreichend bewegen und regelmäßig den Gesundheitscheck beim Hausarzt wahrnehmen. Denn je früher eine Diagnose erfolgt, desto besser sind die Behandlungserfolge.

Schonung ist falsch

"Meiden Sie Sport" hieß es früher oft bei einer Herzschwäche. Dank medizinischer Studien weiß man heute aber, dass das ein Irrtum ist. Sport verbessert auch bei einer Herzschwäche die Leistungsfähigkeit. Wichtig ist, dass man sich vorab von einem Kardiologen durchchecken und entsprechende Empfehlungen geben lässt. Herzsportgruppen sind ideal, da man hier unter kontrollierter Anleitung und Gleichgesinnten trainieren kann. Die Kosten werden von der Krankenkasse übernommen. Am besten fragt man seinen Arzt nach einer geeigneten Gruppe in seiner Nähe.

Herzgefährliche Grippeviren

Für Patienten mit Herzschwäche ist eine Grippe immer eine besondere Belastung. Daher sollten Herzpatienten schon jetzt an einen Termin zur Grippeimpfung denken.

Typische Warnsignale für eine Herzschwäche

Ein Mann mit kräftigem Husten.
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  • Füße oder Beine werden schnell dick oder schwellen an.
  • Die Waage zeigt plötzlich innerhalb weniger Tage zwei Kilo mehr an. Das deutet ebenfalss auf vermehrte Wassereinlagerungen hin.
  • Man gerät leicht außer Atem, beispielsweise beim Treppensteigen.
  • Man bekommt beim Schlafen schlecht Luft und schläft mit erhöhtem Oberkörper besser.
  • Man spürt häufig einen unregelmäßigen Herzschlag.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 22. August 2019 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. August 2019, 14:32 Uhr